07.12.2016, Simm City Festsaal Zentrum Simmering, Wien

SAXON & PHIL CAMPBELL

Text: Florian Rosenberger | Fotos: Sabine Böhm
Veröffentlicht am 13.12.2016

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So regelmäßig die ehrwürdigen SAXON Platten veröffentlichen, so regelmäßig beehrt diese Legende auch das Wiener Publikum mit ihrer „Gute-Laune-Classic-Heavy Metal-Show.“ Viele altgediente Recken verirrten sich am Vorabend des Maria Empfängnis-Feiertages in die SIMM-City und machten sich bereit, eine Vielzahl von Song-Klassikern aus den 80ern zu empfangen. Auch viele Kuttenträger mittleren Semesters und Bandmitglieder von MORTAL STRIKE und ROADWOLF bangten um die Wette, statt um ihr Leben. Sogar ein paar jüngere Semester, denen SAXON vermutlich von ihren WACKEN-Auftritten ein Begriff sind, fanden sich ein, um sich auch von den neueren Songs härteren Kalibers wegballern zu lassen. Und so geriet der Abend zu einem feucht-fröhlichen Bierfest, bei dem sich nicht nur Stormbringer-Interview-Maestro Mike Seidinger die Biere im Rekordtempo runterspülte.


PHIL CAMPBELL (© by Sabine Böhm - Moremetal.org)

Die Metal-Meute wurde auch schon zeitig um 20 Uhr vom MOTÖRHEAD-Gitarristen PHIL CAMPBELL AND THE BASTARD SONS mit ein paar eigenen Songs, aber viel mehr mit gut gespielten Coversongs – zum größten Teil MOTÖRHEAD-Klassiker – richtig in Stimmung gebracht. Recht viel mehr wurde leider nicht geboten, auch wenn zwei Cover-Gustostückerln („Sweet Leaf“ von BLACK SABBATH und „Silver Machine“ von HAWKWIND) im 45minütigen Set auftauchten. Da wäre für den nicht geringen Abendkassa-Ticketpreis von 40€ eine „richtige“ Band ganz in Ordnung gewesen. Die ursprünglich angekündigten GIRLSCHOOL mussten sich leider ja schon vorzeitig von der Tour verabschieden, um sich von den ungewohnten Strapazen des Tourlebens zu erholen. Und ohne PHIL CAMPBELL wäre die Support-Show wirklich nichts Außergewöhnliches gewesen. Für eine Ausnahmeleistung waren dann aber eh die Headliner zuständig. 

Nach meinem ersten Besuch zur Eröffnungsfeier der SIMM-City im März 2015 war es nun auch bei mir an der Zeit, mein erstes richtiges Konzert in dem nicht nur nach meinem Empfinden umfunktionierten Matura-Ballsaal zu erleben. Anscheinend war nur bei den vor kurzem aufgetretenen LIFE OF AGONY die Location passend und dadurch auch die Stimmung in dem Saal richtig gut. Für härtere Metalkonzerte wie DARK FUNERAL, ABBATH oder der letztjährigen DEATHCRUSHER-Tour mit OBITUARY und CARCASS wäre dann doch die Arena die bessere Umgebung gewesen. Doch für eine SAXON-Show war der gut, aber trotzdem noch gemütlich gefüllte Saal die perfekte Wahl. Der Sound wie auch das Lichtarrangement konnten nur als vorzüglich bezeichnet werden.

 


SAXON (© by Sabine Böhm - Moremetal.org)

Unter diesen perfekten Rahmenbedingungen startete der schon 65-jährige „Frontopa“ Biff Byford mit seinen motivierten Bandkollegen um Punkt 21:15 Uhr die über 90-minütige Headliner-Show und war wieder mal bestens bei Stimme. Richtig fetzig legten die Weggefährten von IRON MAIDEN mit dem Titelsong des aktuellen Albums „Battering Ram“ los und zeigten ihren geschätzten Konkurrenten, wie man auch heutzutage kurze, effektive Songs schreibt, bei denen keine Langeweile aufkommt. Und Show-Gimmiks wie einen „Eddie“ hatten SAXON auch nicht nötig, als gleich danach der „Heavy Metal Thunder" über die Metalfans herunterdonnerte.


SAXON © by Sabine Böhm - Moremetal.org)

Der Titelsong der Vorgängerscheibe „Sacrifice“ zeigt ebenso, dass SAXON weder auf ihren Alben, noch bei ihren Live-Shows an Biss – dem berühmten (von mir erfundenen) „Biff-Biss“ – verloren haben. Die Bandklassiker wie „Solid Ball of Rock“ oder das – nach der Ansage von Biff – jungen Bands gewidmete „Never Surrender“ versprühten wie eh und je gute Laune. Eine Show von SAXON macht immer Spaß und bleibt durch das Einstreuen neuer Songs wie „The Devil’s Footprint“ (flott) oder „Queen Of Heart“ (wuchtig) immer spannend. 


Das Mitsingen geht aber selbstverständlich zu den Bandklassikern wie „Strong Arm Of The Law“, Lemmys SAXON-Lieblingssong „And The Bands Played On“, „Dallas 1 PM“ und zum obligatorischen „Wheels Of Steel“ am besten. Nochmal richtig Gas wurde dann in der Zugabe mit „Let Me Feel Your Power“ gegeben, das mich unvermeidlich an MANOWAR denken lässt. Schade, dass meine alten Helden es nicht zustande bringen, regelmäßig so gute neue Scheiben wie SAXON aufzunehmen, und dass sie, wie es scheint, auch schön langsam in Rente gehen möchten. An ein Ende denkt ein Biff laut eigener Aussage überhaupt nicht, was er mit einer leidenschaftlichen Performance von „747“ bewies, und er zeigte sich von der Publikumsreaktion äußerst positiv beeindruckt. Solange SAXON also die Freude an den Shows erhalten bleibt, werden wir von der sympathischen britischen Truppe noch öfters die fixen Zugaben wie „Denim And Leather“ und „Princess Of The Night“ um die Ohren bekommen.

Hier geht's zum Interview, das unser Mike vor der Show mit PHIL CAMPBELL geführt hat!


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