14-12-2016, Strom, München

POETS OF THE FALL & FLIGHT BRIGADE

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 19.12.2016

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Stormbringer goes Pop again! Die finnischen Herbst-Poeten von POETS OF THE FALL hatten sich wieder einmal im Strom angesagt und Stormbringer folgte dem Ruf natürlich. Enttäuschungen erlebt man bei den in ihrem Heimatland sattsam bekannten Finnen so gut wie nie, und sollte es auch an diesem Abend nicht anders sein.

Vor dem Konzert gab es für die Besitzer einer VIP-Karte auch noch ein Meet&Greet, für selbiges die Besucher bereits eine Stunde vor der regulären Eintrittszeit Einlass in die Halle fanden. Ein Segen bei den nasskalt-frostigen Temperaturen, die an jenem Tag in München herrschten. Drinnen im Strom war es zu diesem Zeitpunkt bereits kuschlig warm, sodass das Meet&Greet, an dem etwa 30 Leute teilnahmen, in entspannter Wohnzimmeratmosphäre über die Bühne gehen konnte. Zunächst wurden alle Besucher von der Tourmanagerin Nina persönlich mit der Band abgelichtet (stylischer Hintergrund in Form eines Backdrops mit Bandlogo inklusive), dann war Smalltalk und Signierstunde angesagt, in deren Verlauf noch so viele Fotos wie gewünscht gemacht werden durften. Die Bandmitglieder nahmen sich im Verlaufe der ganzen Stunde auch wirklich Zeit für ihre Fans, plauderten mit jedem Einzelnen und erfüllten alle Foto- und Autogrammwünsche. Erst als der reguläre Einlass begann, verschwanden die Musiker wieder Backstage.


FLIGHT BRIGADE

Als Vorgruppe fungierten die Briten von FLIGHT BRIGADE, die es trotz komplexem, anspruchsvollem Songmaterial schafften, das durchwegs für die Finnen angereiste Publikum sowohl zu überraschen als auch mitzureißen. Mit ihrem höchst eigenständigen, exotisch-epischen Kompositionen konnten sich die gleich sieben Mann / Frau starken Briten angenehm von der Masse aus oft nichtssagenden Supportbands hervorheben. Auf einem rockigen, teils auch bluesig-funkigen Grundgerüst bauten breitwandige Titel mit teils geradezu sphärischen Arrangements aus zwei Keyboards sowie einer Geige auf, die vom akzentuierten, harmonischen Gesang aus zwei Frauen- und einer Männerstimme gekrönt wurden. Es ist ja doch ziemlich selten, dass dich eine Supportband mit offenem Mund zurücklässt - und dies auch noch bei einem Set, das mit einem balladesken Titel (mutig!) seinen Abschluss findet. Doch genau das war bei FLIGHT BRIGADE der Fall. Der Funke sprang aufs Publikum über, und die sieben Briten konnten sich über lauten Applaus und wahrscheinlich so einige neue Fans freuen. Respekt! Von dieser Truppe wird man in Zukunft bestimmt noch einiges hören!

 

Dass POETS OF THE FALL zur Speerspitze des breitentauglichen finnischen Rocks gehören, dürfte inzwischen kein Geheimnis mehr sein. Auch in Deutschland scheint sich selbiges schon ein wenig herumgesprochen zu haben, präsentierte sich das Strom doch trotz des Nachteils eines Wochentagskonzertes als äußerst gut gefüllt. Mit dem aktuellen Album "Clearview" im Gepäck, starteten die Finnen auch gleich nach einem Intro, bestehend aus dem "Shadowplay"-Refrain, a capella von Sänger Marko Saaresto vorgetragen, mit dem Opener besagter Scheibe, "Drama For Life", in ihr Set. Direkt danach wurde mit "Daze", dem ersten Titel des Vorgängeralbums "Jealous Gods" noch einmal in dieselbe Bresche geschlagen - zwei Opener hintereinander zu spielen, scheint bei Finnen derzeit jedenfalls modern zu sein, da man dieselbe Strategie kürzlich auch bei den Monster-Kollegen von LORDI beobachten konnte. Auch sich ins Publikum begebende Gitarristen scheinen derzeit en vogue zu sein - nicht nur bei finnischen Bands wie SHIRAZ LANE, sondern allgemein im (melodischen) Rock-/Metal-Bereich. Doch damit genug des trockenen Fachgeschwurbels, konzentrieren wir uns lieber auf die Show selbst.


Marko Saaresto (POETS OF THE FALL)

Jene hatte es bei den Finnen nämlich in sich. So agil und spielfreudig sah man POETS OF THE FALL selten auf der Bühne und es war zu jeder Sekunde des Konzertes zu merken, dass die Chemie in der Band stimmt. Da wurde schon einmal auf der Bühne gruppengekuschelt (vor allem Sänger Marko und Bassist Jani zeigten gleich mehrmals ihre Zuneigung), oder das Publikum mit spontanen Jam-Sessions überrascht. Wie beispielsweise im Balladenblock der Show, bestehend aus "Stay", "Someone Special" und "Sleep", in dem Marko vorsang und Gitarrist Olli auf der Akustikklampfe nachspielte. Besonders stimmungsvoll zeigte sich "Stay", während dem die Bühne abgedunkelt wurde und die Besucher aufgefordert wurden, den Raum mit der Taschenlampen-Funktion ihrer Smartphones zu erhellen, was auch viele taten. Ein kleines Meer aus Lichtern tauchte die Musiker auf der Bühne in stimmungsvolles Licht, passend zur Adventszeit.

Apropos Stimmung - nicht nur dass sich POETS OF THE FALL, abgesehen vom angesprochenen, ruhigen Balladenblock, und dem Auftakt der Zugabe "War" musikalisch ordentlich knackig zeigten, kam auch der Spaß nicht zu kurz. So durften sich die Zuseher, wie schon beim letzten München-Gastspiel, darüber freuen, dass Bassist Jani auf dem Merchtisch tanzte - naggisch (also, obenrum!) - und Marko wohl ernsthaft überlegte, das Mikrofon zum Abschluss des Konzertes ins Publikum zu werfen, was er aber aufgrund der Androhung, danach von seinen Kollegen ein paar auf den Hintern zu bekommen, dann doch nicht tat. Aber vielleicht hätte er doch gerne... ähm, lassen wir das. Die schmachtenden Damen in der ersten Reihe hatten jedenfalls angesichts der optisch äußerst feinen Aussichten einen ziemlich schönen Konzertabend - so wie auch der Rest der Besucher, der bei der hochwertigen Musikkost der Finnen nicht nur kräftig mitsang und -klatschte, sondern auch, anhand der vielen zu erspähenden glücklichen Gesichter ringsum, auch vollkommen auf seine Kosten kam. Es ist wohl müßig zu erwähnen, dass Stormbringer auch beim nächsten Gastspiel von POETS OF THE FALL wieder vor Ort sein wird - denn die Finnen enttäuschen einfach nie. Vielleicht fühlt man sich als Kuttenträger inmitten von bevorzugt weiblichem und recht normal aussehenden Publikum ein wenig seltsam, doch das schmälert nicht die Magie, die POETS OF THE FALL mit ihrer Musik zu erzeugen vermögen. Vielen Dank - wir kommen gerne wieder!

Setlist: (ohne Gewähr!)

  • Drama for Life
  • Daze
  • The Child in Me
  • Dreaming Wide Awake
  • Diamonds for Tears
  • The Game
  • Stay
  • Someone Special
  • Sleep
  • Running Out of Time
  • Once Upon a Playground Rainy
  • Locking Up the Sun
  • Carnival of Rust
  • War
  • Lift
  • Children of the Sun

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