16.12. & 17.12.2016, ((szene)) Wien, Wien

BLOODSUCKING ZOMBIES FROM OUTER SPACE: 14th Unholy X-Mess Jamboree

Veröffentlicht am 20.12.2016

Die besten Geschenke bekommt man bekanntlich nicht zu, sondern schon vor Weihnachten. Auch unsere Horrorbilly-Helden von den BLOODSUCKING ZOMBIES  FROM OUTER SPACE wissen das, und haben bereits zum vierzehnten - allerdings auch zum letzten - Male zur bereits liebgewonnenen Tradition ihres „X-Mess Jamboree“ gerufen. Die Veranstaltung, die eigentlich als Halloween-Konzert gestartet war, wurde über die  Jahre immer beliebter, die Venues grösser (zwischendurch auch mal kleiner), und das Publikum internationaler. So reisten über die Jahre nicht nur Fans aus Deutschland und Europa zu den Ausnahme-Konzerten an, sondern beispielsweise auch aus Russland. Das Jamboree jemandem zu erklären, der noch nie dort war, ist dann auch nicht ganz so einfach. Stellen wir es uns einfach als Mischung aus Musik-Kabarett, Horrorbilly-Theater, Grusical und Rock-Konzert vor, bei dem das Publikum voll auf seine Rechnung kommt, ganz weihnachtlich auch immer mit Goodies beschenkt wird, Teil des Happenings ist und einfach eine geile Zeit mit Österreichs wahrscheinlich bester Live-Band erleben darf.

 

 

Ein Grund für den Entschluss, das Jamboree in dieser Form zu einem Ende zu führen, war schlicht das sich erschöpfende Cover-Material. Nachdem im Vorjahr Robbie Williams verwurstet wurde, in den Jahren davor solch illustre Acts wie THE BEATLES, FALCO oder MICHAEL JACKSON, beschränkte sich die Auswahl eigentlich nur noch auf eine Band, von der man „halt mehr wie einen Song kennt“ (wie Sänger Richy meint): QUEEN. Am Freitag wurde – außerhalb der Kür und natürlich als Hommage – eine Lemmy-Gedenkhalbestunde eingelegt, bei der sich die Band von ihrer Metal-Seite zeigte. Überhaupt können die ZOMBIES musikalisch mittlerweile eh alles, sind Helden des Crossover, im Sleaze Rock genau so firm wie im Rockabilly, im schlichten Blues genauso sattelfest wie im kruden Schweinerock. Dass für dieses furiose Finale die Wiener ((szene)) zweimal ausverkauft wurde spricht nicht nur für den Status der Band innerhalb der Szene, sondern auch für die Szene an sich: einige weitere Genre-Veranstaltungen lockten am Freitag und Samstag, alle letztendlich gut besucht - also bei weitem kein Grund für das allseits beliebte Mimimi, von wegen der Szene ginge es doch so schlecht.

 

 

Der Autor dieser Zeilen wurde am Freitag dann leider selbst zu einer Weihnachtsfeier vergattert, daher beschränkt sich mein Bericht hauptsächlich auf den Samstag. Den Abend (an beiden Tagen) eröffneten die Wiener Sleazer REVEREND BACKFLASH, die mit ihrer flotten Mischung aus LA-Glam-Rock und stampfenden Metal-Hymnen gleich mal gut den Takt vorgaben und das bereits sehr früh vollzählig anwesende Party-Publikum in Wallung und Stimmung versetzen konnten. Immens, welche Spielfreude Frontmann Jack Nasty und vor allem Germany-Import Stevo Cannonball an der zweiten Klampfe immer wieder an den Tag legen, und beim Anblick des Zweiteren mit gestähltem Body und lässiger Kippe im Mundwinkel blieben sicherlich nur äußerst wenige Höschen der weiblichen Fanschaft trocken. Derart aufgeheizt und mit Bier versorgt geht es in die zweite Runde. Und es wäre nicht das Jamboree, wäre da nicht auch ein klitzekleiner Stilbruch drinnen. Wer WILD EVEL & THE TRASHBONES (sehr richtig, ohne „h“) kennt, weiß was ihn erwartet: rotziger Sixties-Garage-Rock in bester STONES- und manchmal auch BEATLES-Manier,  nur halt um einen Zacken schmutziger und auch skuriller.

 

 

Mister Wild Evel, seines Zeichens schon vor Jahren in der legendären Band THE INCREDIBLE STAGGERS zugange und Szene-Urgestein der ersten Stunde, kommt auf der Bühne zwar unfreiwillig etwas Helge Schneider-like rüber, aber genau diese Schrulligkeit macht ihn und seine Band irgendwo aus. Mit gehörigem Drive, den Rickenbacker-Bass immer schön in John Lennon-Gedächtnis-Haltung, das Schlagzeug simpel, aber effektiv, zocken die TRASHBONES ihr Set, können die Stimmung im Publikum gut warm halten und verlassen die Bühne mit einem Augenzwinkern, das uns sagen will: Leute, habt einfach Spaß und nehmt euch doch bitte nicht zu ernst. Ernst wird es dann nämlich eh ziemlich schnell. Normalerweise wurde aus dem ZOMBIES-Coverset immer ein riesiges Geheimnis gemacht, und auch diesmal dürften viele nicht mal bemerkt haben, dass QUEEN ja bereits auf den Special-Jamboree-Shirts prangt, die draußen am Merch verkauft werden.  Wie hat sich Sänger Dead Richy Gein denn bloss den Mercury draufgetan, werdet ihr jetzt fragen? Nun erstens ist der gute Mann ein hervorragender Sänger, und bis auf den Mittelteil von „Bohemian Rhapsody“, der playback eingespielt wurde, sang der gute Gein auch alles selber. Und zweitens ist er halt auch genauso wie Sankt Freddy eine Rampensau. Natürlich durften die Klassiker wie „We Are The Champions“, „Don’t Stop Me Now“ (in einer ultrageilen Version) und „Radio Gaga“ nicht fehlen, in unnachahmlicher ZOMBIES-Manier dargeboten, die wie immer gelungene Verkleidung tat den Rest - nur dass Roger Taylor hier statt Schlagzeug Gitarre spielte, verwirrte ein wenig. Aber eh klar, wenn Freddy Mercury – inklusive stilechter Schenkelbürste - eigentlich am Drumkit steht. Alles irgendwie logisch.

 

 

Nachdem die Band auch den QUEEN’schen Klassiker-Fundus ausgeschöpft hatte, geht’s wie immer zum eigentlichen Set. Der besteht im Großen und Ganzen aus einem schrillen Best Of-Panoptikum aus allen Phasen von eineinhalb Jahrzehnten Bandgeschichte: FALCO’s „Vienna Calling“ ist irgendwie schon ein Live-Standard geworden, der „Kopf Deiner Mutter“ wird stilgerecht vom Fleischacker on Stage seziert und filetiert, das flotte „Radio Active“ wird von wirklich allen lauthals mitgesungen, „Oasch Und Leiwaund“ lässt uns die Qual der Wahl (leiwaund, ganz klar!) und bei „Blood On Satan’s Claw“ lassen die ZOMBIES die Blut-Gräfin über die Bühne tanzen. Richy Gein hat das Publikum fest im Griff, souverän meistert er Gesang und Steh-Schlagzeug und ist mit dieser Konstellation eine echte Ausnahmeerscheinung, nicht nur in der österreichischen Szene. The Reverend Bloodbath an der rechten Klampfe ist der Rock’n Roller der Band, und auch ein wenig der Metaller, was vor allem bei den zahlreichen Soli immer wieder durchschimmert. Sein Gegenpart Jim Evelize agiert eher stoischer, immer unheilvoll drein blickend, und steht für die Rockabilly-Gitarren-Abteilung. Und dann wäre da noch Dr. Hermann Schreck am Steh- und manchmal auch am Hängebass. Mit seinen Slap-Attacken legt er den ZOMBIE-Groove vor und gibt natürlich auch optisch einiges her. Apropos optisch: dass die Songs immer wieder von kleinen Showeinlagen durchzogen werden, ist nicht nur heute Programm, sondern generell ein Standard und Markenzeichen der Band. Und: die ironische Morbidität verkauft man als Wiener Band natürlich auch immer noch am besten.

 

 

Bei den Zugaben werden dann die üblichen Geschenke in Form von Shirts und CDs ins Publikum geschmissen – frohe Weihnacht, ihr Gesindel! Mit dem SLADE-Klassiker „Merry Christmas Everybody“ und dem obligatorischen Mitmach-Song „Monster Mutant Boogie“ verabschieden sich die ZOMBIES nach fast zwei Stunden, um am Ende dann doch noch ein Medley aus ALICE COOPER‘s  „Poison“, „Don’t Stop Me Now“ von QUEEN und natürlich „The Ace Of Spades“ von MOTÖRHEAD zu zocken, und so dem euphorischen Publikum sprichwörtlich die letzten Lichter auszublasen. Selbiges gibt sich dann noch bei der durchaus deftigen Aftershow-Party die kollektive Kante, und überhaupt wären die ZOMBIES ohne ihr Publikum wohl nur die Hälfte wert: ähnlichen Enthusiasmus und Hingabe kennt man allerhöchstens aus der „Rocky Horror Show“, womit sich der Kreis ja wieder schön vollendet. Was übrig bleibt ist ein außergewöhnliches Zweitages-Event, das noch lange in den Köpfen der Beteiligten nachhallen wird, auch in denen der knapp 11.000 (!) Freaks, die sich via Live-Stream in den denkwürdigen Samstagabend eingeklinkt haben.  Die ZOMBIES wären aber nicht die ZOMBIES, würden sie für nächstes Jahr nicht schon wieder Pläne schmieden: nach dem Konzert ist vor dem Konzert? Nun, wir werden es erleben, vielleicht in der „stillen“ Zeit des nächsten Jahres, mit Sicherheit aber schon in Bälde in einem Musik-Etablissement in Ihrer Nähe …

 

Setlist BZFOS (regulärer Set)

Intro
Giant Spider
I Wanna Hear You Scream
Shock Rock Romance
Vienna Calling (FALCO Cover)
Mummy’s Shroud (nur Freitag)
Blood On Satan’s Claw
Mister Barlow
Reign Of Devils
Der Kopf Deiner Mutter
A Schöne Leich
Oasch Und Leiwaund
Linda Blair
Radio Active
Werewolf In A Girl’s Dorm

Zugabe I
Merry Christmas Everybody (SLADE COVER)
Monster Mutant Boogie

Zugabe II
Medley: Poison (ALICE COOPER) /
Don’t Stop Me Now (QUEEN) /
The Ace Of Spades (MOTÖRHEAD)

Zugabe III
Mörder Blues

[wie immer ohne jegliche Gewähr]

alle Bilder (c) Andreas Graf


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