05-02-2017, Zenith, München

SABATON & ACCEPT & TWILIGHT FORCE

Text: Anthalerero | Fotos: manfred
Veröffentlicht am 08.02.2017

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Bereits gegen Mittag die ersten Besucher vorm Zenith, zunächst noch Resttickets an der Abendkassa verfügbar, dann konnte schon das „Ausverkauft!“-Schild an die Tür genagelt werden – die schwedischen Panzer-Metaller von SABATON sind noch immer eine der angesagtesten Bands der Stunde. Mit Herzblut und Nachdruck haben sich die Herren aus Falun an die Speerspitze des kommerziellen Schwermetalls gespielt und können nun im aus allen Nähten platzenden Zenith in München die Früchte ihrer jahrelangen unermüdlichen Touringarbeit ernten. Und das obwohl eine der größeren Münchner Konzerthallen mit etwas über 6.000 Besuchern noch lange nicht die größte Location der Tour war – da waren sogar Hallen jenseits der 10.000 mit dabei...


Wann hat man schon einmal, als Vorband, die Gelegenheit vor solch einer Kulisse zu spielen? Das dachten sich wohl auch die aus dem gleichen Städtchen wie der Headliner stammenden TWILIGHT FORCE, die mit ultra-epischem Melodic-Powermetal die Rolle der Einheizer des Abends übernahmen. Die sympathischen Schweden konnten mit einnehmender Performance punkten und servierten ihre Hymnen wohlgerüstet und mit Augenzwinkern in der zur Schau gestellten Ernsthaftigkeit. Das Publikum ließ sich von den Klängen schnell mitreißen, trotzdem sich der zwar ausreichend laute, aber sehr schwachbrüstig abgemischte Sound leider als nicht sehr geeignet für derart episches Liedgut zeigte. Für den Lacher des Abends sorgten die Gastauftritte der SABATON-Gitarristen Chris Rörland und Tommy Johansson, die Sänger Chrileon sein Schwert reichten oder mit ihm im Duett sangen. Ein perfekter Einstand des Konzertabends!

Setlist:

  • Battle of Arcane Might
  • To the Stars
  • Riders of the Dawn
  • Flight of the Sapphire Dragon
  • Enchanted Dragon of Wisdom
  • The Power of the Ancient Force

 

Als nächste stürmten die teutonischen Metal-Heroen von ACCEPT die Bühne – ja, ihr habt richtig gehört, die deutsche Metal-Institution fungiert als Support der nordischen Panzerfetischisten. Mit allen Vorteilen, wie riesigem Publikum, aber auch allen Nachteilen, nämlich gerade einmal zehn Songs spielen zu dürfen. Das grenzt, muss man ehrlich zugeben, schon fast an Verheizen einer Legende – doch was die aktuellen Verkaufszahlen angeht, haben nun einmal SABATON eindeutig die Nase vorn. Doch ACCEPT ließen sich davon nicht beirren und lieferten den Zusehern value for money in Form einer extrem tighten, kraftvollen Show, die die Hände des Publikums schon fast automatisch hochziehen konnte. Eine perfekte Mischung aus neuen Arschkick-Nummern und alten Gassenhauern brachte das Zenith dank perfektem, fettem Sound so richtig auf Touren – der Teutonische Terror hämmerte die Eier richtig hart gegen die Wand! Lediglich als Zuseher, der in den vergangenen Jahren einige Male das Vergnügen hatte, der legendenbehafteten Truppe lauschen zu können, kam man nicht umhin zu bemerkten, dass die Performance, obwohl von wahrer Klasse, bisweilen schon ein klein wenig zu routiniert wirkte. Nichts Neues also im Hause ACCEPT – aber wenn wir einmal ehrlich sind, dann wollen wir das von den Vorreitern des Teutonenstahls eigentlich auch gar nicht, oder? Es rockt noch immer wie eh und je!

Setlist:

  • Stampede
  • Stalingrad
  • Restless and Wild
  • London Leatherboys
  • Final Journey
  • Princess of the Dawn
  • Fast as a Shark
  • Metal Heart
  • Teutonic Terror
  • Balls to the Wall

 

An dieser Stelle ergeht ein großes Lob ans Publikum (ausgenommen an jene, die in den vielfältigen Stadien der Betrunkenheit durch die Halle wankten und die in ausreichend großer Zahl anwesenden Securitys auf Trab hielten), dafür dass die Vorbands frei von den leidigen „Noch ein Bier!“-Rufen blieben, die dann wirklich erst zum Auftritt von SABATON einsetzten. Da aber dann auch wirklich häufig und laut – gut, das gehört bei den Schweden ja schon dazu. Die Anzahl der ge-exten Biere haben wir allerdings nicht mitgezählt.

Dass die Halle nach den beiden Intros der Schweden zum Standard-Opener „Ghost Division“ steil ging, war somit keine große Überraschung mehr. Unterstützt von Flammensäulen, Pyro, einer riesigen Videowall, sowie Statisten (die anwesende Damenschar sabberte beim Song „Sparta“ angesichts der knackigen Spartiaten auf der Bühne!) lieferten die Schweden eine Show ab, die sich gewaschen hatte. Zwar war das aktuelle Album keine Überscheibe, doch schmissige Titel wie  „Blood Of Bannockburn“, „Winged Hussars“ oder „Shiroyama“ brachten frischen Wind in die Show und lockerten das Trommelfeuer aus bekannten Titeln perfekt auf. Zwischen epischem Midtempo und knackigem Uptempo klatschte, grölte und feierte das Publikum eine mitreißende (und höchst laute!) Party. Der ein oder andere Crowdsurfer verirrte sich in den Massen an in die Höhe gereckten Fäusten und Pommesgabeln und so mancher Mini-Moshpit brachte örtlich Bewegung in die Menge.

So wie im Publikum regierte auch auf der Bühne der Spaß. Die agilen Musiker konnten es selbstverständlich wieder nicht lassen, sich gegenseitig ein wenig zu triezen, und Fronter Jocke lieferte sich so manches verschmitzt-verbale Duell mit seinen Mitstreitern. Als große Aufwertung erwies sich hierbei Neu-Gitarrist Tommy Johansson (REINXEED), der sich als Riesengewinn einerseits für die Backing Vocals und andererseits für die Spaß-Komponente der Band erwies (der „Zipfelklatscher“-Sager sorgte für Lachstürme in der bayrischen Metropole!); mitunter nahm er auch tragende Rollen ein, wie als Keyboarder bei der höchst überraschenden Akustik-Version des Titels „The Final Solution“, die für einige Minuten wahrlich beklemmende Atmosphäre im Zenith verbreitete. Die vor allem im deutschsprachigen Raum beliebten Showelemente, wie das hartnäckige Einfordern des hierzulande extrem populären Ohrwurms „Swedish Pagans“, die Umdichtung des Refrains von „Gott mit uns“ in „Noch ein Bier“ sowie Jockes Gitarreneskapade zu „Resist And Bite“ durften natürlich auch nicht fehlen und wurden von den tausenden Zusehern frenetisch abgefeiert.

Auch weniger oft bzw. länger nicht gespielte Songs kamen zu Ehren, wie das vom „The Art Of War“ stammende „Union (Slopes Of St. Benedict)“, während ein Klassiker wie „Primo Victoria“ ohnehin einen Selbstläufer vor dem Herrn darstellte. Als das Publikum kollektiv sprang und grölte, da wackelten die Wände – wir schwören es! Man mag von SABATON halten was man will, aber angesichts des Feuerwerks, das die Schweden hier im Zenith abgebrannt haben, stehen sie keinesfalls zu Unrecht an der Speerspitze zeitgenössischen Schwermetalls. Ob einem das nun gefällt oder nicht, selbst als Nicht-Freund der Schweden musste man diese Demonstration an Stimmung, vielleicht widerwillig – aber dennoch neidlos – anerkennen.


Setlist:

  • Ghost Division
  • Sparta
  • Blood of Bannockburn
  • Swedish Pagans
  • The Last Stand
  • Carolus Rex
  • Union (Slopes of St. Benedict)
  • The Lost Battalion
  • Gott mit uns
  • The Lion From the North
  • The Final Solution (Acoustic)
  • Resist and Bite
  • Night Witches
  • Winged Hussars
  • Primo Victoria
  • Shiroyama
  • To Hell and Back


Für den Schrägheits-Moment sorgte nach dem Konzert, auf einem Grünstreifen unweit des Zeniths, ein etwas abgehalftert wirkender Mann, der laut, falsch und voller Begeisterung auf einer verstimmten E-Gitarre und einem krachenden Verstärker undefinierbare Songs zum Besten gab. Ob und wieviel Besucher dem enthusiastisch vor sich hin riffenden Alleinunterhalter etwas in den bereitgestellten Hut warfen, konnten wir leider nicht mehr eruieren. Zugunsten einer staufreien Abreise verzichteten wir, genau wie ein erkleckliches Häufchen an Besuchern, auf den letzten Titel von SABATON, und verließen nach dieser Begegnung der dritten Art die Weißwurstmetropole gen Heimat. Mit Freude über eine tolle Show – und Kopfschmerzen vom Headbangen.


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