09.02.2017, Wiener Konzerthaus, Wien

APOCALYPTICA plays METALLICA by four Cellos

Text: Lady Cat | Fotos: Lady Cat
Veröffentlicht am 13.02.2017

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Schon beim Ankommen war es irgendwie anders. Ich bin sonst Venues gewohnt, wo es dunkel und rauchig ist und nur dunkel gekleidete Leute rumstehen beziehungsweise auch solche, wo der Durchschnittsbürger alleine bei ihrem Anblick auf die andere Straßenseite wechselt, dort gibt es heute eine große Bandbreite an Zusehern. APOCALYPTICA schaffen es, mit ihrem auf klassischen Instrumenten gespielten "Metal", der eigentlich genau so laut und heftigt kommt wie der aus der Stromgitarre, Jung und Alt, Männlein und Weiblein, Punks, Rocker, Metaller, Durchschnittsbürger, Hausfrauen, Büromäuse, Lehrer, Banker und was weiß ich noch zu ihrem Gig zu holen.

Im ausverkauften Haus läuft alles ordentlich ab, um Punkt 20 Uhr werden die Türen geschlossen, die Band kommt auf die Bühne und die Ordner sind penibel darauf bedacht, dass niemand während eines gespielten Songs den Saal verlässt oder betritt. Also keine Chance diesmal, zwischendurch ein Bier zu erstehen, geschweige denn, es über der Menge der Anwesenden zu verteilen, weil die sitzen ja alle gesittet auf den ihnen zugewiesenen Plätzen, und die schönen Kleidchen würden gar arg unter so einer Attacke leiden.

Wenn jetzt jemand den Eindruck bekommt, dass aufgrund der strengen Hausordnung ein langweiliges Konzert aus den zwei Stunden finnischen Cello-Metals wurde, der irrt. Schon vom ersten Takt an ("Enter Sandman") war die Stimmung von Null auf Hundert, die Leute tobten und applaudierten, klatschten und sangen mit, und in der zweiten Halbzeit waren dann auch die Gänge voll und man rockte auf den Plätzen so gut es eben ging.

Aber von Anfang an. Gespielt wurde nur METALLICA. Zuerst nur mit vier Cellos und bühnentechnisch mit wenig Schnick-Schnack. Es gab vier Hocker für die Herren und für jeden einen prominenten Spot, der ihn optimal beleuchtete. Mit den bilderrahmenartigen Stoffbahnen im Hintergrund teilweise eine sehr stimmige Szenerie, bei der man sah, dass weniger an Deko und Licht auch mehr sein kann. So wirkte nämlich die Musik und man konnte sich auf einen Leckerbissen nach dem anderen konzentrieren. Und diese waren wirklich zahlreich. Egal ob "Master Of Puppets", "Harvester Of Sorrow" oder "The Unforgiven" bis hin zu "Wherever I May Roam" und "Welcome Home", es war einfach weltklasse. Der Sound kam klar und rein, eine absolut perfekte Lautstärke (zumindest bei meinem Platz ziemlich in der Mitte der Halle), viele bekannte METALLICA-Hits und eine grandiose Umsetzung der vier Musiker, die es bei dem intensiven Spiel dann selbst oft nicht mehr auf ihren Hockern hielt, sie spielten dann im Stehen und ich fragte mich gelegentlich, wie sie es schaffen, nur die Saiten der Cellos zu zupfen und nicht auch ihre langen Haare.

Als Publikum hätten wir die Pause nach den ersten acht Songs - was umgerechnet etwa eine Stunde Spielzeit war - nicht benötigt, die Band und vor allem die Bühnentechniker aber schon. Weil nach der Pause um 21:25 ging es weiter mit Schlagzeug, anderem Hintergrund und bunter Lichtshow. Man steigerte sich langsam hin zu den Höhepunkten des Abends, die da waren: "Seek & Destroy" und die beiden Draufgaben "Nothing Else Matters" und "One". Ich muss sagen, ich weiß aktuell nicht, was mir besser gefällt, die Original-Versionen oder die Adaptionen von APOCALYPTICA. Die sind nämlich so gut auf ihre Art, dass man sie am besten gar nicht vergleichen sollte, sondern in ihrer Perfektion so hinnimmt wie sie sind und sie einfach nur genießt.

Spätestens bei "Seek & Destroy" war es dann soweit, dass ich fürchtete, die Decke würde einbrechen, weil niemand mehr am Platz war und alle nur auf und ab sprangen. Einerseits eben, weil der Klang so fetzig und hart und stark und dicht und intensiv und original war, dass man fast nicht entkommen konnte, andererseits, weil die beiden Haupt-Show-Men Perttu Kivilaakso und Eicca Toppinen die Fans aufforderten, doch raus zu kommen und zu rocken. Sie selbst waren natürlich auf der Bühne auch nicht zu halten und spielten mehr im Stehen als im Sitzen.

Standing Ovations [...dachte, die Leute standen eh schon alle?!" Anm.d.Korr.] dann nach dem letzten Ton und Applaus ohne Ende. Die Finnen grinsten übers ganze Gesicht und genossen den Wirbel um ihren Auftritt in vollen Zügen. Leider gab es nur zwei Zugaben - wir hätten mehr vertragen.

Summa Summarum: grandioser Metal, auf Cellos gespielt. Die Finnen verstehen ihr Handwerk und haben sich eine Nische geschaffen, die viele Fans gefunden hat und ziemlich einzigartig klingt. Die zwei mal 60 Minuten vergingen wie im Flug und man hätte gerne mehr von ihnen gehört. Man kann also nur hoffen, dass sie bald wieder den Weg nach Österreich finden werden.

Setlist 1. Teil (nur 4 Cellos)

  1. Enter Sendman
  2. Master Of Puppets
  3. Harvester Of Sorrow
  4. The Unforgiven
  5. Sad But True
  6. Creeping Death
  7. Wherever I May Roam
  8. Welcome Home (Sanitarium)

Setlist 2. Teil (4 Cellos + Schlagzeug)

  1. Fade To Black
  2. For Whom The Bell Tolls
  3. Fight Fire With Fire
  4. Until It Sleeps
  5. Orion
  6. Escape
  7. Battery
  8. Seek & Destroy

Zugabe:
     

      Nothing Else Matters
      One

[Setlist wie immer ohne Gewähr]


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