10.02.17, MHP Arena, Ludwigsburg

DREAM THEATER

Text: Fred Gasch | Fotos: Fred Gasch
Veröffentlicht am 15.02.2017

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Musik ist eine höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie!

Dieser Aussage von Ludwig van Beethoven kann man getrost zu einem Grossteil zustimmen, aber als alleinstehende, allgemein gültige Aussage nicht ohne weiteres stehen lassen. Denn in jeder der von Beethoven genannten Sparte liegt ein Stück Wahrheit, Weisheit und Philosophie. Das eine kommt ohne das andere Spektrum nicht ganz aus. Es gibt immer wieder Berührungspunkte. Während viele Bands Aufsehen erlangen, wie z. B. durch Exzesse mit Alkohol, Drogen und Frauen (als Berührungspunkte um mit sich selbst klar zu kommen, oder auch mit einem gewissen Status, den man Ruhm oder Bekanntheitsgrad nennt und mit dem div. Musiker nicht umgehen können bzw. konnten), fällt DREAM THEATER einfach durch ziemlich gute Musik auf.

Das Theater der Träume öffnete am 10.02.17 seine Pforten in Ludwigsburg. Geboten wurde das spektakuläre Album „Images & Words“ in voller Länge. In all den Jahren, die bereits in Land gezogen sind - immerhin sind seit der Veröffentlichung des Albums satte 25 Jahre verstrichen - haben die Musiker von DREAM THEATER in keinster Weise an ihrer filigranen, virtuosen Art eingebüsst, die Beherrschung ihrer Instrumente verloren, oder gar an „Griffigkeit“ eingebüßt. Ein Lied reiht sich nahtlos an das nächste Lied, eine Hymne an die nächste. Was früher als aktuell galt, zählt heute fast noch mehr. Der Glanz der musikalischen Zeitlosigkeit zieht seine Bahnen an diesem Abend in der MHP-Arena. Manchmal kann man sich im Strudel der Zeit gar nicht vorstellen, was man in solch einem Zeitraum von 25 Jahren alles gemacht, oder auch nicht gemacht hat. Was erledigt wurde und was nicht. Gedankenspiele ziehen einem vor diesem Konzert durch den Kopf. Doch diese Spielerei im Gedankendschungel ist mit einem Mal einfach wie weggepustet, gar ausgeschaltet bei den ersten Klängen des Konzertes.

Im Nachhinein wurde festgestellt, dass diese Zeit einfach viel zu schnell vergangen ist und die Erinnerung, auch die scheinbar erloschene, sich auch mit in die Gegenwart nehmen lässt. Es ist wie ein Strudel, wie ein Bann, ein musikalisches Damoklesschwert, das über einen hereinbricht. Gleich einem Gewitter, das einem die Sinne raubt. Schutzlos ist man keinesfalls dieser Urgewallt an Musik ausgeliefert, denn viele Gleichgesinnte fanden sich hier zusammen um diesen Abend zu zelebrieren. Jeder Klang, egal ob ein Riff oder Akkord- ein hieb- und stichfestes Argument. Brillant gespielt und musikalisch zugestossen, wie mit einer Harpune. Doch erledigt, oder gar vom Tod, kann hier keine Rede sein.

Und wie schnell einem die Realität einholen kann, ist hinlänglich bekannt. Mit den letzten Klängen kam der Aufprall und man ist dem Konzertkokon entschlüpft und entwischt. Wieder ganz selbst, mit all seinem Weh, Leid und auch Glück unter den Nachthimmel entlassen.

An diesem Abend überwog Letzteres, das Glücksmoment.


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