07.12.2011, Arena

HATEFEST 2011 feat. KATAKLYSM, TRIPTYKON

Veröffentlicht am 13.12.2011
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Dass nicht alles, was Rock The Nation anpackt, automatisch ein Goldesel sein muss, wurde an diesem Mittwochabend in der Wiener Arena deutlich. Unverständlich, denn erstens handelt es sich um ein sowohl hochkarätiges als auch relativ abwechslungsreiches Package, und noch dazu ist der nächste Tag ja ein Feiertag. Da sollte man meinen, zumindest die Arena ausverkaufen zu können. Dass man die Venue mit grade mal 300 Nasen dann nicht mal halb voll bekommt, ist schade. Aber auch Kleinvieh macht bekanntlich Mist, und auch unsere überschaubare Audience heute Abend macht genügend Stimmung, Party und Lärm.

Am meisten vom Publikumsschwund zu spüren bekommen die Innsbrucker LOST DREAMS, die um 18 Uhr pünktlich loslegen müssen, und da stehen gerade mal gezählte zwölf Leute in der Halle, die dann nicht mal zu ordentlichem Applaus zu bewegen sind. Schade drum, denn die Tiroler Melo-Deather legen sich ordentlich ins Zeug und agieren wie vor ausverkauftem Haus, trotz des Ausfalls eines Gitarristen - Respekt! Wenigstens kann man bei den letzten beiden Songs noch so eine Art Höflichkeitsapplaus einheimsen. Ein wenig anders sieht die Sache dann schon bei den Polen AZARATH aus. Die Kapelle rund um BEHEMOTH-Trommelmaschine Inferno gibt von Beginn an Stoff und schmettert ihre Black/Death-Granaten in die mittlerweile wenigstens halbwegs gefüllte Arena-Halle. Irgendwo zwischen BEHEMOTH und MORBID ANGEL angesiedelt kann der fiese Metal der etwas statisch agierenden Band selbst jene mitreißen, die ihn noch nicht kennen. Und das dürften an diesem Abend eh fast alle Anwesenden sein. Shouter und Gitarrist Necrosodom (suuupi Pseudonym auch!) agiert, als wäre außer ihm niemand da, macht kaum Ansagen, und die beiden Axemen links und rechts davon hat scheinbar irgendwer an der Bühne festgeklebt. Dafür gibt's amtliche Headbanging-Akkordarbeit, und vor allem die langsameren Teile der überaus brutalen Songs fönen nicht nur mir einen neuen Mittelscheitel. Dann ist erst mal Spaß angesagt, denn die Ziegen sind los. Bis zu ihrer Weltherrschaft wird's zwar noch ein wenig dauern, dafür ist aber der Fun-Faktor bei den Hessen garantiert. Und der Schmäh mit den Masken zieht auch immer noch - eben weil er mit solcher Konsequenz von Beginn an durchgezogen wurde. Für Ziegen-Nichtkenner ist der Anblick auf der Bühne halt immer noch ein schräger, und die Frage "Wer singt da eigentlich?" höre ich gefühlte vierhundert mal. Die vier Goats brettern ihren Grindcore heute etwas gebremst durch die PA, was den Songs aber durchaus gut tut und auch die paar neuen Tracks von "Clockwork Udder" werden recht gut präsentiert. Natürlich darf zu guter Letzt "Ding Dong" nicht fehlen, und die Coverversion von CULTURE BEAT's "Calling Mister Vain" im JUDAS PRIEST-Manterl ist auch pipifein - wenn auch kaum zu erkennen. Man mag zu MTGM stehen wie man will, eines ist fix: Goats know how to party!

Da ist der Sprung zu unseren herzallerliebsten Düsterlingen aus Norrköping ein relativ großer, denn auch anno 2011 meinen es MARDUK durchaus noch peinlich ernst - oder sind allen Ernstes durchaus peinlich, ja nachdem. Da kommt Mortuus kein Lächeln aus, da wird der Black Metal runter geschrubbt wie er im bösen Buche steht, ohne auch nur annäherungsweise vom ausgelatschten Weg abzukommen. Innovativ geht irgendwie anders. Das Nullachtfuffzehn-Bühnenprogramm wird runtergefahren, traditionell mit "Panzer Division Marduk" bestückt und mit "Baptism By Fire" beendet. Vom Entertainment-Faktor her müssen sich die Schweden demnach heute weit unter ihre Mitstreiter reihen, auch wenn sie gnadenlos professionell zusammenspielen und auch der Sound sich mehr oder weniger hören lassen kann. Wer sich bei MARDUK das ein oder andere Bier an der Bar geholt hat, hat aber letztendlich nicht wirklich was versäumt.

Wie man Düsternis mit Unterhaltung geschickt verbinden kann, zeigen uns dann die Herrschaften von TRIPTYKON (auf die wahrscheinlich heute die meisten Leute gewartet haben): ja, wir kennen bereits die bizarre Lebensgeschichte von Tom G. Fischer. Ja, wir sind mit CELTIC FROST und HELLHAMMER aufgewachsen. Und ja, die Mucke des schweizerisch-deutschen Quartetts ist so neu nun auch nicht mehr. Aber die ausgeklügelte Mischung, in der uns Tom, seine rechte Hand V. Santura, das ansehnliche Fräulein Slajh und Trommelgetier Norman Lonhard ihren Dunkelcocktail um die Ohren reiben ist dann doch einzigartig. Die Spannung knistert nur so beim massiven "Goetia" und dem nicht weniger erhabenen "Abyss Within My Soul", und zwischendurch streut man erwartungsgemäß ein paar CELTIC FROST-Klassiker ein: "Into The Crypt Of Rays" darf genauso wenig fehlen wie "Circle Of Tyrants", und alle sind wir happy. TRIPTYKON wissen wie's geht, reduzieren ihren Metal auf eine primitive, zähe Ursuppe und finden damit Zugang zu den meisten Metallern, egal aus welcher Nische sie nun kommen. Und mit einer Augenweide wie Vanja Slajh, die wie ein Derwisch ihren Bass bearbeitet, kann man natürlich noch zusätzlich punkten. Von Tom's originellem Erscheinungsbild mit Kajal-geschwärzten Augen und schickem Strickhauberl rede ich da noch gar nicht. Fazit: beide Daumen hoch und bitte ein Tabletterl gegen Genickschmerzen.

Dienst nach Vorschrift hingegen dann wieder bei den franko-kanadischen Standard-Deathern KATAKLYSM. Da weiß man mittlerweile, was man bekommt, und es gibt auch keine großartigen Überraschungen mehr im Set. Es gibt wohl wenige Bands auf diesem Planeten, die kompakter zusammenspielen - hier sitzt wirklich alles auf den Punkt, fast schon um ein beängstigendes Drehmoment zu viel. Maurizio Iacono hat wieder mal ein paar Kilo zugelegt, was aber auch seinem Klangvolumen gut getan haben dürfte, denn so präsent wie der Frontkoloss sind nur wenige Kollegen. Drummer Max Duhamel entwickelt sich immer mehr zu einem echten Ausnahmetalent und die kataklysmische Saiten-Fraktion steht sowieso außerhalb jeder Diskussion. In gewohnter Präzision hämmert das Quartett dann hauptsächlich Material ihres letzten Longplayers "Heaven's Venom" herunter, aber natürlich dürfen am Schluss auch diverse Mitgröhl-Klassiker wie "Ambassador Of Pain" und "Illuminati" nicht fehlen. Nach geschlagenen sechs Stunden Konzertgenuss ist der geneigte Rezensent dann auch zu nicht mehr wirklich viel fähig, und der Tourtross verlässt auch schon bald die Location in Richtung Tschechei. In Anbetracht der Tatsache, dass man mit einem Zugpferd wie KATAKLYSM vor einiger Zeit noch das Gasometer proppenvoll bekommen hat, sollten sich diverse Veranstalter aber vielleicht mal wieder auf die Maxime "Qualität statt Quantität" besinnen - auch wenn heute diese beiden Faktoren ausnahmsweise durchaus gepasst haben.


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