01.05.2009 - 02.05.2009, WMD Hauzenberg

Walpurgis Metal Days IX Part II

Text: Reini | Fotos: Reini
Veröffentlicht am 09.05.2009

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Zusammen mit metalfanatics.net präsentieren wir Euch einen doch umfangreichen Live Bericht von den diesjährigen WALPURGIS METAL DAYS in Hauzenberg bei Passau (D):

WMD IX – Tag 1 (01.05.2009)

Den Auftakt der heurigen WMD machten

RAVENLORE

aus Bayreuth. Und für einen Opener muss man wirklich sagen, dass sie die Zeltwände schon ordentlich schwungvoll zum Wackeln brachten mit ihrer melodischen Black/Death-Mischung. Eine sehr reife Show, wenn man bedenkt, dass es die Formation erst seit 2008 offiziell gibt. Das Publikum war jedoch selbstredend noch dünn gesäht, da die meisten erst Eintrittsbänder oder Zeltplätze zu checken hatten. Stellt sich also nur die Frage, ob der Name „Michael Sack“ des Zeuglers ein Künstlername ist... [Eirikr] Bei den darauffolgenden

POPPY SEED GRINDER

musste ich mich dann jedoch schon etwas über die frühe Startzeit wundern. Die Jungs mit ihrem deftigen Tschechen-Brutaldeath sind ja bei Gott keine unbekannten mehr und spielen sich in den letzten Jahren geradezu den Arsch wund. Da also aufgrund der jungen Uhrzeit noch taktische Überlegungen am Zeltplatz umzusetzen waren, ich sie auch schon des öfteren live erlebt hatte, konnte ich diesmal nur zwei – allerdings äußerst druckvollen – Nummern lauschen, die von der noch kleinen Grindfraktion entsprechend begeistert aufgenommen wurden. [Eirikr] In Blickrichtung ihrer Landsmänner

FLESHLESS

jedoch sicherlich der korrekt gewählte Anheizer. Diese waren nun wohl auch für manchen der erste „Insider-Headliner“, um es mal so zu formulieren. Und wer die Band bereits live genießen durfte, weiß, dass hier alles gegeben wird. Perfekte Gitarrenarbeit, brachiale Growls, Hammer-Songwriting und energetisch-euphorische Liveshow. Mit 16-jähriger Bandhistorie selbstredend keine Naseweißen vor dem Herrn, so wurde ein guter Querschnitt durch die Diskografie gewährt, passend zum Best-Off-Ablum, dass heuer auf den Markt geworfen wurde. [Eirikr]

DORNENREICH

, reduziert auf das Nötigste: Drums, eine E-Gitarre, sowie eine E-Geige, das bedeuete aber auch, diesmal ist nix mit Akustik Gig, sondern die brachial Variante wird dargeboten. Prickelnd war es trotzdem nicht wirklich. Zu lange waren die Pausen zwischen den einzelnen Stücken, zu lethargisch die Bühnenshow, dadurch verblassten Stücke wie die „Trauerbrandung“, „Schwarz“, oder die „Jagd“ schon ungemein. Nicht unbedingt der Mitreißer der Auftritt der Österreicher. Besser, weil brachial, unglaublich brachial, aber hauptsächlich mit einem Mördergroove versehen waren dann schon

DISBELIEF

. Carsten „Jagger“ Jäger, sowieso ein Urviech vor dem Herren, dirigierte seine Hintermannschaft und zerlegte das Festzelt in Hauzenberg mit ihren ureigenen Slo Mo Death Metal Krachern. Da war es auch völlig egal ob Neues (wie der Opener „A Place To Hide“, „Hate/Aggression Schedule“, „Room 309“ oder „The Return Of Sin“) in die Menge gepfeffert wurde, oder ob man sich auf die alten Klassiker verlegte. „Sick“ zum Beispiel war grandios, „Rewind It All (Death Or Glory)“ eine Machtdemonstration, und auch der „Worst Enemy“ Beitrag „Misery“ war fett hoch zehn! DISBELIEF kamen, sahen und hinterließen ein brachial durcheinander gebeuteltes Auditorium. Schweine Geiler Gig!

Mit dieser Steilvorlage konnten die Spaß Thrasher aus Frankfurt natürlich bestens umgehen. Gerre und seine

TANKARD

Hintermannschaft stolzierte mit einem dicken Grinsen auf den Backen durch einen Best Of Set, der lediglich von „Octane Warriors“ und „Stay Thirsty“ (vom aktuellen Album „Thirst“) gestützt wurde. Sonst gab es alles was des Bierkrug Fetischisten Herz so begehren mag: „The Morning After“, „Zombie Attack“, das von Gerre mit den Worten „TANKARD ist sowieso die einzig seriöse Band auf diesem Festival“ angekündigte „Die With a Beer in your Hand“, das als Liebesballade verkaufte „Rectifier“ über „666Packs“, „Freibier“ bis zum obligatorischen Schlussakkord namens „Empty Tankard“ regierte hier neben einer unglaublichen Spielfreude (Basser Frank wanderte bei „Zombie Attack“ gar im PhotoPit umher) nur eines: Spaß und der an allen Ecken und Enden. Gewohnt unterhaltsamer Auftritt der Frankfurter Schluckspechte! Den Abschluss des ersten Tages machten die Rhode Island Deather

VITAL REMAINS

, bei denen ja bekanntlich auch schon seit ein paar Jährchen Deicide´s Glenn Benton mitwütet. Bei verdammt gutem Sound wurde dem großteils eher jüngeren Publikum mächtig eingeschenkt und der Headliner-aber-doch-auch-Rausschmeißer-Status ordnungsgemäß zelebriert. Meinen Geschmack traf ihr Stil jedoch noch nie zur Gänze, vor allem vom emotionalen Standpunkt her ist mir die Mucke einen Deut zu flach, weswegen ich es den meisten anderen alten Säcken gleich tat und auf allen Fünfen auf ein paar Schlummertropfen heimwärts zum Zelt kroch. Schließlich ist Festival ja nicht nur Live, sondern auch Life. [Eirikr]

WMD IX – Tag 2 (02.05.2009)

Welche andere Band außer den Spaßbacken von

GRAILKNIGHTS

schafft es um exakt 10 Uhr in der Früh annähernd 1.000 Leute auf die Beine zu bekommen um mit ihnen gemeinsam eine unglaubliche Party zu feiern. Die GRAILKNIGHTS haben das locker hinbekommen. Musikalisch jetzt nicht unbedingt das Gelbe vom Ei, spaßtechnisch aber irgendwie ohne Worte! Allein der Auftritt der BIERZAPFSTUTE „Zapf-Beauty“ war irgendwie an Blödheit kaum mehr zu überbieten, dann trieben sich noch Urks, ein Totenkopf behafteter Riese, eine Art Dinosaurier (oder so ähnlich) auf der Bühne herum, letzterer musste natürlich mit Manneskraft und Plastikschwertern erledigt werden und zum Schluss konnten – JAWOHL – der Gral wieder zurückerobert werden. Neben all diesem Spektakel wurde musiziert auch, am auffälligsten, die BONNIE TYLER Coverversion von „Holding Out For A Hero“, der die Gralsritter Kostümierung richtig gut getan hat. Irgendwie der ideale Contrapart zum Brumschädel von der vorangegangenen Nacht!

Irgendwie dürften die Grallshüter die Menge ziemlich ausgepowert haben, denn die nachfolgenden

SCARS REMAIN

hatten mit ihren Deathcore lastigen Gebräu einen dementsprechend schweren Stand, lediglich eine Handvoll Unentwegter wollte sich diese Gerumpel geben, war jetzt nicht schlecht, aber so um die Mittagszeit ist es wahrscheinlich auf jedem Festival schwer ernsthaft die Leute zu begeistern. Mit diesem Umstand hatten auch die Steirer von

SCARECROW NWA

zu kämpfen. Die Publikumsresonanz war nicht viel besser als bei SR, der Österreicher Anteil vor der Bühne allerdings um ein vielfaches höher. S-NWA stützten ihren kompletten Set auf das erst kürzlich veröffentlichte „Ishmael“ Album, hinterließen mit ihrem doch tech-lastigen Death Metal Mix samt diverser cleaner Gesangspassagen einen durchaus passablen Eindruck, was allerdings doch schmerzlich vermisst wurde war die Bühnenaction. Zugegeben, die teilweise sehr vertrackten und auch relativ langen Kompositionen verlangen einiges an Konzentration, aber ein wenig mehr an Bewegung der Steirer hätte der Zeitweisen Lethargie vor der Bühne nicht geschadet. Musikalisch gab es allerdings an der Leistung der Boyz wenig bis gar nichts zu bekritteln, Neuzugang Gsputi on Guitar, der übrigens sofort das Kommando übernahm, war nicht nur eine Augenweide (welcher Gitarrist stimmt schon sein T-Shirt auf die Farbe der Gitarre ab!!), sondern verpasste dem Quintett ein zusätzliches Mehr an Druck; weise Entscheidung die Keyboards einfach Keyboards sein zu lassen und statt dessen einen weiteren Sechssaiter in die Band zu integrieren. Guter Gig, der mit etwas mehr Feuer so richtig gut hätte werden können. Über mangelnde Bewegung auf der Bühne konnte man sich beim nächsten Österreich Beitrag nicht beklagen.

ARTAS

entfachten ein dermaßen unglaubliches Feuer auf den Brettern, dass dem Rezensenten zeitweise richtig schwindlig wurde (und dem Bassisten offensichtlich auch, da er bei Song 2 neben der Schießbude zum Erliegen kam...Anm. Eirikr). Die Wiener pfefferten ihren Neo Thrash in die stetig anwachsende Meute, waren permanent in Bewegung und bangten und bangten und bangten. Fast hätte man den Anschein, die würden ewig weiter bangen, wenn da nicht die Krux mit der Spielzeit wäre. Gestützt auf das gut klassige „The Healing“ gaben die Mannen von der ersten bis zur vierzigsten Minuten Vollgas und sogar die COOLIO Coverversion zu „Gangsta´s Paradise“ ist live noch um Hausecken brachialer als auf Tonkonserve. Geiler Gig ohne Frage! Einen ziemlichen Bruch mit den vorangegangenen Performanzen bewirkten die atmosphärisch-melodischen Deutschen von

FJOERGYN

. Nun, böse Zungen sprachen in diesem Zusammenhang von klassischen „Büchsenöffnercharts“, mir persönlich gefällt jedoch der eine oder andere Song der verträumten Thüringer durchaus. Zumindest auf CD... Auf der Bühne wirkte das ganze zu langatmig, zu emotionslos, zu handzahm, womit sie ein wenig das Schicksal von DORNENREICH am Vorabend zu teilen hatten. Natürlich trugen Songtitel wie „Ich sah den Himmel weinen“ nicht gerade dazu bei, beim bereits zuvor gut angeheizten Publikum ernst genommen zu werden. Ob diese Mucke wirklich Metalfestival-geeignet ist, wäre zu überdenken. Im Vorprogramm einer Antimatter- oder eben Dornenreich-Akustikshow könnte man aber sicherlich punkten. [Eirikr] They Came! They Saw! They Conquered! Unglaublich mit welch schierer Aggression

IN SLUMBER

die Bühne in Hauzenberg nahezu demontierten. Bester Beweis für die Klasseleistung der Oberösterreicher: Nahezu die komplette GRAVE Mannschaft, aber auch Neo VADER Drummer Paul standen während des Eroberungsfeldzuges von IS am Bühnenaufgang und nickten anerkennend ihre Häupter. Woher diese Wut kam? War es, weil Basser Manuel seinen letzten Gig mit der Band bestritt? War es, weil Massacre Records das bereits fix fertig eingespielte neue Album dann doch nicht mehr haben wollen? Wir werden es nie erfahren, was wir aber mitbekommen haben war eine Bühnenaction sondergleichen, eine Melo Death Lehrstunde, die mit Schmankerln der Sorte „Seduce My Sentenced Pain“, „Virus Embraced“ oder „One Bullet For One Aeon“ überzeugen konnte. Als Rausschmeißer servierten uns IN SLUMBER dann noch den neuen Tune „Pinchbreak Identity“, der ebenso für reichlich verbrannte Erde sorgte!

Bereits im Vorjahr sorgten die Hausherren von

WOLFCHANT

für die nötige Brandung im WMD-Zelt, so war auch diesmal der Zustrom wieder äußerst gepflegt. Erwähnenswert sei diesmal die Beteiligung von Rebellion/Ex-Grave Digger Gitarristen Uwe Lulis und als Gast am Mikro Rebellion-Barde Michael Seifert. Mit ihrem schwungvollen Pagan/Folk wussten sie jedoch nicht nur die angereisten Fans, sondern auch einen großen Teil des WMD-Teams zu begeistern, dass sich selbstredend die Show nicht entgehen lassen wollte. Ich konnte dem Spectaculum jedoch nicht den nötigen Tribut zollen, da mich ANGOR-Äxter Lord Haggard zu einer dringend nötigen Erfrischung am eigenen Grillplatz überreden konnte. [Eirikr] Wie immer „dezent“ mit roter Soße geschminkt enterten

DEBAUCHERY

die Bühne! Auffallend zu allererst, Basser Marc ist eine absolut cool posende Rampensau! Mastermind Tom on Vocals und Guitar hielt sich diesbezüglich eher zurück. Gefallen hat’s Hauzenberg aber trotzdem die Mischung aus pfeilschnellen aber immer groovigen DM Teilen, vermischt mit den von der Band allseits bekannten AC/DC für Todesmetaller Ausrichtung. Ob jetzt das pfiffige „Savage Mortician“ vom aktuellen „Rockers & War“, oder der Titelsong vom 2007er „Back in Blood“ Album, DEBAUCHERY machten einen soliden Eindruck, wurden aber mit der Zeit dann auch ein wenig zu eindimensional, Basser Marc war’s wurscht, hätte der nicht von der Bühne müssen, der würde wohl noch immer Kettenbehangen und mit Asso Sonnenbrille dahin posen! Den Finalreigen der letzten vier Bands eröffneten die Holländer von

SINISTER

, die ja mittlerweile auch schon seit 1988 ihr Unwesen treiben. Feinster Old School Death. Hier wird nicht um den Brei herumprobiert, sondern direkt und brutal attackiert. Ist auch die Qualität der Alben Anfang dieses Jahrtausends kurzfristig etwas eingebrochen, ließ man sich auf der Stage durch nichts und niemand entmutigen und knüppelte sich durch ein professionelles Set ohne Anbiederung an moderne Machenschaften. Für mich immer wieder etwas schräg eine Band anzusehen, bei der kein einziges Gründungsmitglied mehr dabei ist... [Eirikr] Dann wurde es ordentlich finster im Bayrischen Wald. Die einzige (!, das heißt heutzutage schon etwas bei deftigen Festivals dieser Größe) Black Metal Band diesen Jahres,

ENTHRONED

, enterten auf. Wie immer mit Corpse Paint und Hassallüren untermalt, schleuderten die Belgier ein schnelles Werk nach dem anderen auf die wehrlose aber opferbereite BM-Schar vor der Bühne, und untermauerte, dass sich Basser Phorgath durchaus nach Weggang von Lord Sabathan in das Höllengefüge integrieren ließ. Gut, man könnte jetzt behaupten, dass sowohl Band wie Musikstil ihren Zenit bereits überschritten haben, aber bei Klassikern vom „Prophecies Of Pagan Fire“-Machwerk werde ich nach wie vor ganz feucht im Schritt. Durchaus also ein Highlight am fortgeschrittenen Festivaltag! [Eirikr]

Eine Reise in die Vergangenheit, oder anders ausgedrückt:

GRAVE

beim WMD IX! Yeah we played a lot of our old Shit bestätigte Basstier Fredrik Isaksson nach vollzogener Arbeit. Das begann schon beim zweiten Song „Obscure Infinity“, wurde mit „You’ll Never See“, „Deformed“ (vom „Into The Grave“ Album) weiter vorangetrieben und sogar von der 94er EP „And Here I Die…“ fand der Titelsong seinen Weg in die Setlist. Ola Lindgren durch die Doppelbelastung Gesang/Gitarre oft an sein Mikro gebunden überließ die Action seinen beiden Flankenmännern, welche gerade Isaksson gerne und oft auskostete. Die extreme „Into The Grave“ Lastigkeit der Setliste untermauerte „Extremly Rotten Flesh“ ebenso wie der als Zugabe gereichte Titeltrack des 91er Debütalbums der Sweden Death Legends. Irgendwie ein herrlicher Ausflug in die Geschichte des Schweden Tods, nahezu 80% der Songs stammten von den ersten beiden Alben der Bande, was neben „Christi(ns)anity“ auch ein „Morbid Way to Die“ (beide vom „You’ll Never See“ Langeisen) in die Gehörgänge spülte. Lässig, kultig, gut! Nuff Said! Die runderneuerten Polen von

VADER

(Mastermind Piotr "Peter" Wiwczarek tauschte ja erst kürzlich die komplette Mannschaft aus) stiegen gleich mal in diesen von GRAVE vorexerzierten Kult mit ein. „Dark Angel“ eröffnete einen Set, welcher voller technischer Schmankerl bestand, die Lockerheit und lässige Herangehensweise von GRAVE allerdings nie auch nur im Ansatz erreichte. Da halfen auch die sogleich nachgereichten uralt Tracks wie „Sothis“, „Silent Empire“ oder „Crucified Ones“ nichts mehr. Beim Verfasser dieser Zeilen stellte sich schon relativ bald eine gewisse Ermüdung ein, ob das jetzt an der einigermaßen spürbaren eindimensionalen Darbietung der Polen, oder einfach nur an den Strapazen von zwei Tagen Festival lag? Who knows, Fakt aber ist, dass VADER im Gegensatz zu ihren direkten Vorgängern von GRAVE nicht in der Lage waren die müden Knochen noch einmal aufzurichten - irgendwo tümpelte da nahezu der komplette Auftritt iim Nirvana oberhalb der Augenbrauen dahin…. Die Fotogallerien zum WMD IX findet ihr an folgenden Stellen: Part 1 - hier... Part 2 - hier... Part 3 - hier...


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