14.02.2015, Kaminwerk

LORDI + PALACE + SINHERESY @ Memmingen

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 01.03.2015

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Ein Deutsch-italienisch-finnisches Paket aus stilistisch teils recht unterschiedlichen Bands gastierte an diesem Samstagabend im Kaminwerk im Memmingen. Aus Italien kamen SINHERESY mit Gothic Metal und für den deutschen Part sorgten PALACE mit Oldschool Heavy Metal. Diese beiden fungierten als Supportbands der finnischen Monsterrocker LORDI, die in Memmingen eine ordentliche Fanschar um sich versammelten.

Mit symphonischem Gothic Metal italienischer Bauart startete der Abend, dargereicht in schönen Duetten der Band

SINHERESY

. Gut, aber vorhersehbar und mit wenig Höhepunkten ausgestattet, könnte man das musikalische Schaffen der Italiener am besten umschreiben. Am Einsatz der fünf Musiker (eigentlich sechs, doch Keyboarder Daniele war verhindert, so wurde sein Part vom Band eingespielt) lag es jedenfalls nicht, denn sie mühten sich redlich ab das Publikum zu animieren. Aber Titel wie "The Gambler" oder "Last Fall" bewiesen einfach zu wenig Kraft und Eigenständigkeit, um mit der noch folgenden kernigeren Kost mithalten zu können. Als Support einer stilistisch ähnlicheren Band wären SINHERESY bestimmt besser aufgehoben gewesen - so taten sie zwar ihr möglichstes, aber kamen kaum über Höflichkeitsapplaus hinaus. An der Soundqualität von SINHERESY gab es dafür wenig auszusetzen, allenfalls war die spärliche Beleuchtung der Bühne anstrengend - sowohl für Fotografen als auch für Zuseher, da in Kombination mit dem Einsatz des Nebelwerfers wirklich kaum noch Sicht auf die Musiker bestand. Nicht klar war auch streckenweise was nun - außer Keyboard und zweiter Gitarrenspur - vom Band kam. Dafür hatten die Italiener aber mit dem Titeltrack ihres aktuellen Albums "Paint The World" einen kleinen Ohrwurm an Bord - das harmonische Duett im Refrain blieb aber auch das einzige was von dem Auftritt von SINHERESY im Ohr blieb.

Setlist:

- The Gambler - Made for Sin - Last Fall - Paint the World - Break Point - Temptation Flame

Als nächste rockten

PALACE

das Kaminwerk - und das war wörtlich zu nehmen. Mit ihrem an ACCEPT und RUNNING WILD angelehnten Sound machten die Mannen rund um Fronter HP an diesem Abend alles richtig. Fette Gitarren, satter Bass und treibende Drums in einer ausgewogenen Mischung - so macht Heavy Metal Spaß! Dass die vier Herren aus dem pfälzischen Rheinland dabei wenig musikalische Innovation boten störte da wenig - eher im Gegenteil! Titel wie "Bloodshed Of Gods" oder "Rot In Hell" vom aktuellen Album "The 7th Steel" fuhren direkt in die Gehörgänge, und animierten das recht zahlreich anwesende Publikum sofort zum Mitklatschen. Bei "Iron Horde" und "The Healer" konnte man sogar den ein oder anderen in der Menge erspähen, der die simplen aber hocheffektiven Refrains herzhaft mitsang. Auch der langsame Stampfer "Dark Prophecies" traf den Nerv des Publikums, und sorgte dafür dass die Mähnen (sofern lang genug) ordentlich geschüttelt wurden. Die Verbindung von eingängigen Songs, druckvollem Sound und ordentlichem Posing (vor allem Gitarrist Jason, der aussah als wäre er mal eben von ACCEPT zu PALACE rübergehüpft) ging voll auf, und sorgte dafür dass der deutsche Vierer ordentlichen Applaus für sich verbuchen konnte. Spätestens beim Rausschmeißer "Machine Evolution" war das Publikum dann auf Betriebstemperatur gebracht, und heiß genug für den Headliner des Abends - doch zuvor holten sich noch PALACE ihren verdienten Applaus ab.

Setlist:

- Rot In Hell - Bloodshed Of Gods - Between Heaven And Hell - Dark Prophecies - Iron Horde - Women In Leather - The Healer - Machine Evolution

Und dann ging das Licht aus, und der Captain von

LORDI

's Scare Force One erschien um das Publikum auf das Kommende vorzubereiten. Alles anschnallen, noch ein Jacky-Cola, und dann ging der wilde Ritt auch schon los mit "Nailed By The Hammer Of Frankenstein". Theatralisch schwenkte Obermonster Mr. Lordi Kettensägen und rauchende Totenschädel, und so mancher Roadie starb den Bühnentod. Da wurden Puppen massakriert, flogen abgehackte Körperteile durch die Gegend, und das Publikum bekam so einige Blutspritzer ab. In dem schrägen Horrorzirkus tobten sich bösartige Clowns aus, verrückte Teufel tanzten auf der Bühne, und eine durchgeknallte Oma mit Knüppel legte sich mit Band und Fans gleichermaßen an. Bei soviel Blut und Innereien vergessen LORDI aber eines nicht - den Spaß an der Sache. Bei all den Horrormaskierungen, ausgeweideten und zerstückelten Körpern lassen sich LORDI nie dazu hinreißen sich selbst zu ernst zu nehmen, sondern kredenzten dem Publikum augenzwinkernd ein schräges Spektakel das Erstaunen und Schmunzeln gleichermaßen hervorrief. Erstaunen durch die detailverliebten Effekte, und Schmunzeln durch das bewusste Überstrapazieren von alteingesessenen Klischees. Bei soviel Futter für die Augen gab es aber auch eine Menge cooler Musik als Begleiterscheinung - der Song-Contest-Hit "Hard Rock Hallelujah" wurde dabei gleich einmal so ziemlich am Anfang des Sets in die Menge gepfeffert. Dass sich inzwischen auch tatsächlich wieder LORDI-Fans und nicht nur Eurovisions-Schaulustige auf den Konzerten tummeln konnte man alleine schon daran erkennen, dass es trotz des bekanntesten Titels schon als drittem Punkt in der Setlist kaum erstaunte Gesichter gab, und sich auch niemand ob des anschließenden Spektakels aus der Halle schlich. Abgesehen von ihrem Hit hatten LORDI nämlich auch eine Menge anderer, teils alles andere als unbekannter Titel mit im Gepäck, wie zum Beispiel der vor mehr als 10 Jahren erschienene Klassiker "Blood Red Sandman", oder die klare Ansage vom Debütalbum der Monster, "Devil Is A Loser". Auch neuere Songs wie das treibende "This Is Heavy Metal" oder "The Riff" standen den Klassikern um nichts nach, und sorgten für Gute Stimmung im Publikum. Ähnlich gelagert der ziemlich heavy geratene Titeltrack des aktuellen Albums "Scare Force One", zu dem eine Nachbildung des grusligen Flugzeugs des Albumcovers im Kaminwerk landete. Und selbst den Titeltrack des vielfach unterbewerteten Arockalypse-Nachfolgeralbums "Deadache" hatten die Finnen, sehr zur Freude vieler Fans, wieder mit in die Setlist gepackt - das ergab einen tollen, ausgewogenen Querschnitt durch das komplette Schaffen von LORDI. Einzig das vielschichtige, von Tempowechseln geprägte "Horrifiction" - eine Hommage an Leinwandbösewichte wie Freddy Krueger und Jason Vorheeres - wollte nicht so ganz zünden. Und das obwohl angesprochene Filmfiguren in Fleisch und Blut auf der Bühne die Monster lauernd umkreisten - eine herrliche Idee, nur leider wollte die Theatralik des an und für sich guten Titels live einfach nicht funktionieren. Im Vergleich zum temporeichen Rest der Show, schlich sich hier ein Bißchen Länge ein. Wie es langsam und getragen besser klappt bewiesen LORDI bei "It Snows In Hell", wo es sogar in der Halle zu schneien begann. Im Zugabenblock aber gaben die Monster noch einmal ordentlich Gas, fragten "Who's Your Daddy", und nebelten die Besucher mit einem kräftigen CO2-Werfer ordentlich ein. Mit dem Mitsing-Song "Would You Love A Monsterman" setzten LORDI schließlich den Schlusspunkt des Abends, und fuhren hochverdient einen langen und lauten Schlussapplaus ein. Die Verbindung der Showelemente mit eingängigen Songs und druckvollem, ausgewogenen Sound (Speziell bei "Blood Red Sandman" war richtig wumms dahinter!) sorgte für ein kurzweiliges Konzerterlebnis, dessen schrägem Zauber man sich nur schwer entziehen konnte. Wunderbar, gerne wieder - nächstes mal aber bitte wieder mit etwas früherer Ankündigung, und einem ganz vollen Kaminwerk!



Setlist:

- Nailed By The Hammer Of Frankenstein - This Is Heavy Metal - Hard Rock Hallelujah - Deadache - Hell Sent In The Clowns - Blood Red Sandman - Horrifiction - Don't Let My Mother Know - How To Slice A Whore - It Snows In Hell - The Riff - Not The Nicest Guy - Sir, Mr. Presideath, Sir! - Devil Is A Loser ------------------------------------------- - Scare Force One - Who's Your Daddy - Would You Love A Monsterman


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