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Review: Axxis - reDISCOver(ed) (CD)

(Printversion)
Redaktionswertung: ohne Bewertung
VÖ Datum: 18. Mai 2012
Genre: Heavy Rock
Label: Phonotraxx Publishing
Trackliste
1. Owner Of A Lonely Heart
2. Ma Baker
3. Stayin´ Alive
4. Roboter
5. White Wedding
6. Another Day In Paradise
7. Message In A Bottle
8. Locomotive Breath
9. Live Is Life
10. Somebody To Love
11. Don’t Bring Me Down
12. My Heart Will Go On
13. I Was Made For Lovin´ You


Line Up
Vocals, Guitars - Bernhard Weiss
Guitars - Marco Wriedt
Keyboards - Harry Oellers
Bass - Rob Schomaker
Drums - Dirk Brand
Review...

1. Ich mag (Pop-)Coverversionen. 2. Ich hab nichts gegen AXXIS. Beste Voraussetzungen also, sich dieser Compilation von Coverversionen aus den 70er und 80er Jahren anzunehmen. Möchte man meinen – zumindest bis einen der Blick auf die Tracklist leicht erschauern lässt und die nachfolgenden Hördurchläufe teilweise echte Gruselschauer über den Rücken jagen und erzittern lassen. Normalerweise verbirgt sich hinter solch waghalsigen Unterfangen reines finanzielles Kalkül oder ein Vertragserfüllungsaspekt betreffend die alte Plattenfirma. Nachdem das Ganze aber auf dem bandeigenen Phonotraxx-Label erscheint, sei dem Quintett zumindest zugestanden, dass hier der Funfaktor im Vordergrund gestanden ist und das Album als Überbrückung bis zum neuen regulären AXXIS-Album im Jahre 2013 dient.

Ist die Benamsung des Albums „reDISCOver(ed)“ (aus „re(tro)“, „Disco“, „discovered“ und „Cover“) noch ganz witzig, so schaut es gleich bei der Songauswahl düster aus: “White Wedding” (BILLY IDOL), “Owner Of A Lonely Heart” (YES), “Message In A Bottle” (POLICE) oder„I Was Made For Lovin' You“ (KISS) sind allesamt so unoriginell ausgewählt, dass man davon ausgehen muss, dass die deutschen Recken ganz auf Nummer Sicher gehen wollten. Tiefe Verneigung vor den Originalen, aber üble Schelte für die Einfallslosigkeit bei der Auswahl der Songs (die zwar von den Fans gewählt werden konnten, dies allerdings aus einem vorgefertigten Pool mit 17 Songs), die allesamt von Unterhaltungsbands, Nachwuchsrockern oder im Radio mehr oder weniger tot gespielt wurden. Die Songs sind so dermaßen abgenudelt, dass es nicht mehr ärger geht.

Diese Gähn-Standards werden durch zwei komplette Blackouts auf dem Album ergänzt, die vor Schmalz nur so triefen: “Another Day In Paradise” (PHIL COLLINS) und “My Heart Will Go On” (CELINE DION), wobei Frontmann Bernhard Weiß bei „My Heart“ (gemessen am Original) zudem auch gesangsmäßig voll eingeht. Diese Titel gehen zusätzlich auch am Motto des Albums vorbei und beschämen die Band wie auch die Originale. Eigentlich nicht mehr zu toppen möchte man meinen. Doch schlimmer geht immer! Der „Na-Na“-Schunkel-Smasher „Live Is Life“ (OPUS) wurde ebenfalls durch den AXXIS-Fleischwolf gedreht. Bei allem Respekt vor dem Werk der seit den späten Achtzigern aktiven Deutschen, aber in diesem Fall heißt es „platt, platter, AXXIS!“ Fehlen eigentlich nur noch „Highway To Hell“, „Eye Of The Tiger“, „Smoke On The Water“ oder das „Wickie“-Thema, dann wär alles beisammen!



Wo bleiben auf dieser „reDISCOver(ed)“ betitelten Zusammenstellung eigentlich die echten Discokracher jener Zeiten à la „Born To Be Alive“, „In Zaire“, „Hot Stuff“ oder „Don´t Let Me Be Understood“ oder MICHAEL JACKSON etc.? U2s “Still Haven´t Found”, PAUL YOUNGs “Come Back & Stay”, SPLIFFs “Carbonara” und FINE YOUNG CANNIBALS “She Drives Me Crazy” wurden ja hinausgevotet. Womit wir gleich beim Thema wären: Unterhaltsam sind immerhin die wirklich dem Motto des Albums entsprechenden Disco-Smasher „Ma Baker“ (BONEY M), „Stayin´ Alive“ (BEE GEES) oder auch „Somebody To Love“ (JEFFERSON AIRPLANE) geraten, so wirklich überrascht wurde ich von KRAFTWERKs „Roboter“, das einen echten Kontrapunkt auf der sonst stinklangweiligen und schlecht erlesenen Zusammenstellung darstellt (wenigstens wurde nicht wieder „Das Model“ geschändet).

ATROCITY, CHILDREN OF BODOM oder SIX FEET UNDER wurden für ihre Coveralben teilweise gescholten, aber immerhin vermochten diese Combos den Originalen ihren bandeigenen Stempel ebenso aufzudrücken wie DISTURBED („Shout“), ALIEN ANT FARM („Smooth Criminal“), IN FLAMES (“Everything Counts”), das Projekt CLASS OF '99 („Another Brick In The Wall“), KORN oder GUN („Word Up“), MÖTLEY CRÜE („Helter Skelter”), LIFE OF AGONY (“Don´t You Forget About Me“), FAITH NO MORE („Easy“) oder MARILYN MANSON mit „Sweet Dreams“. Doch auch das schaffen die Deutschen nicht und sollen für eine harm- und seelenlose 1:1-Covercompilation gelobt werden? Handwerklich sauber fabriziert und anständig produziert ist das Ganze schließlich, aber das darf man von den langgedienten Recken (ebenso wie etwas mehr Mut) wohl erwarten.

„reDISCOver(ed)“ ist ein sehr polarisierender Output, für mich eine ecken- und kantenlose Aneinanderreihung von glattpolierten, musikalischen Belanglosigkeiten, die keinen Herzschrittmacher schneller ticken lassen, aber sicher nach dem Konsum des einen oder anderen Bierchens eifrige Mitgrölfreunde finden. Es freut mich, wenn die Band Spaß beim Einspielen der Stücke hatte, doch das heißt nicht zwangsläufig, dass die Käufergemeinde diesen Funfaktor auf gleicher Augenhöhe treffen muss. Entscheidet selbst, von mir gibt es (dem bisherigen Schaffen der Band Respekt zollend) keine Wertung. In diesem Fall ein Benefit für die Deutschen.

Wertung: ohne Bewertung
Autor: Thomas Patsch (24. Mai 2012)

Artikel-Link: http://www.stormbringer.at/reviews.php?id=7958