Wenn es um unterbewertete Bands geht, fällt mir immer sofort AT VANCE ein. Von Kritikern hochgelobt, schaffte es die Mannschaft um Ausnahmegitarrist Olaf Lenk nie so recht, zur Spitze des deutschen Power Metal aufzuschließen. Das ist ebenso schade wie unglaublich, denn das 2002er Götterwerk "Only Human" ist nach wie vor Stammgast in meinem CD Player.
Bereits vor "The Evil In You" (2003) drehte sich das Personalkarussell und Ex-MALMSTEEN Sänger Mats Levén ersetzte den scheidenden Oliver Hartmann. Nach dem "Evil" Album wurde es dann eine zeitlang sehr leise um AT VANCE. Es fanden abermals diverse Rochaden statt. Diesmal war die Rythmusabteilung an der Reihe, und Olaf Lenk holte Bassist John ABC Smith (Ex-GALLOWS POLE) und Drummer Mark Cross (Ex-METALIUM, Ex- HELLOWEEN) ins Boot.
"Chained" beginnt gleich genauso, wie man es von AT VANCE erwarten würde: mit einem astreinen Nackenbrecher in Form von "Rise From The Fall". Gleich die nächste Nummer ("Heaven") nimmt deutlich Wind aus den Segeln. Eine Halbballade, mit recht nettem, allerdings nicht ganz kitschfreiem Refrain. In ähnlicher Reihenfolge geht es weiter - ein schneller Song folgt einem langsameren, doch die wirklich ganz großen Momente bleiben aus. Man wartet auf den Höhepunkt des Albums, doch der will einfach nicht kommen. Obwohl Lenk´s Gitarrenarbeit, die es schafft, jeder einzelnen Nummer immer noch das gewisse Etwas zu verleihen, gewohnterweise keine Wünsche offenläßt, zündet "Chained" nur sehr, sehr träge. Die Songs sind "ganz OK" bis "nicht schlecht" doch auf atemberaubende Melodiebögen, Ohrwurmmelodien und Übersongs wartet man vergebens. Auch die Trademarks, die klassisch angelehnten Gitarrenläufe, fehlen fast zur Gänze. Einzig die beiden Instrumentals, das kurze Akkustikstück "Invention #13" und Vivaldi´s "Winter" lassen den alten Spirit wieder kurz hochleben. Kurz davor sorgt die beste Nummer auf der CD, "Live For The Sacred", noch für kurzes aber intensives Gänsehautfeeling. Das abschließende "Run For Your Live" sorgt für ein versöhnliches Ende, vermag die Kastanien aber leider auch nicht mehr wirklich aus dem Feuer zu holen.
So gerne hätte ich "Chained" in den Himmel gelobt, doch AT VANCE haben diesmal leider nur ein durchschnittlich gutes Power Metal Album gezimmert. Bleibt nur zu hoffen, daß die Jungs sich davon nicht unterkriegen lassen und irgendwann wieder so eine Spitzenalbum, wie "Only Human" rausschießen. Jenes sollte man/frau sich übrigens unbedingt schleunigst zulegen, falls es den Weg ins CD-Regal noch nicht gefunden hat!
Wertung: 3.0 von 5.0
Autor: adl (06. April 2005)
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