DIE METAL BIBEL
1. Genesis
1.1. Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde
1.2. Etwas später schuf er dann uns alle
1.3. Und als er so richtig gut drauf war schuf er SERENITY!
So in etwa muß ab jetzt das Buch der Bücher des schweren Metalls beginnen, denn die fünf Gletscherflöhe (O-Ton Band wohlgemerkt!) haben mit „Words Untold & Dreams Unlived“ genau die Scheibe aufgenommen, die wir uns nach der letzten Eigenproduktion (und ich schreibe nicht „Demo“, denn das wäre ob der professionellen Aufmachung und Klasse der Scheibe pure Blasphemie…) „Engraved Within“ erhofft haben! Wahrlich, es gab in letzter Zeit absolut keine CD, die bei mir mindestens einmal pro Tag durch die heimische PA donnert – bis auf eben diese hier nun besprochene…
Schon der Operner „Canopus 3“ (wie jedes Kind weiß handelt es sich hierbei um den weltberühmten Wüstenplaneten) sorgt nach dem orientalischen Sitar-Intro für eine Mega-Gänsehaut auf sämtlichen Körperteilen. Die Soundwand, die einem von der ersten Sekunde an aus den Boxen schießt, sucht ihresgleichen. „Revolution´s here!“ heißt es da im Text, treffender hätte man es nicht ausdrücken können!
Das darauffolgende „Reduced To Nothingness“ ist dann auch gleich mein persönlicher Favorit – beinhartes Geschreddere trifft auf gefühlvolle Pianopassagen und ultrafette Chorparts (unter anderem auch von Inzest/Tristwood-Goldkehlchen Axumis eingeröchelt) – was für ein Hammer!
„Words Untold“ entpuppt sich als feines Akustikgitarrenteil, das direkt in „Circle Of My Second Life“ übergeht – meine Fresse, geht’s überhaupt noch geiler? Fettestes Doublebass-Massaker trifft auf ruhige Orchesterparts, und über allem thront Georgs geniales Organ… spätestens jetzt sollte man sich schon mit seinen Knien im Staub vor der Stereoanlage befinden!
Die Songs „Engraved Within“, „Forever“, “Dead Man Walking” und “Thriven” sind zwar alle schon von der letzten CD bekannt, wurden aber etwas umarrangiert beziehungsweise verfeinert, was ihnen zu noch mehr Durchschlagkraft verholfen hat. Wenn man bedenkt, dass die Band keine Kosten und Mühen gescheut hat, ja auch kein Wunder!
In „Dreams Unlived“ zeigt uns Keyboarder Mario, was in ihm steckt – ein feines kurzes Pianostück, das mit Streichern unterlegt wurde.
Bleibt noch „From Where The Dark Is Born“, welches mit Klavier und Streichern beginnt, umrahmt von Vocals, die einmal mehr einem sämtliche Haare ob der Gänsehaut zu Berge stehen lassen, sich aber schon bald als variabler Midtempo-Brecher entpuppt, der teilweise auch nicht vor exzellenten Doublebass-Attacken zurückschreckt – Genial!
So, nun, am Ende der Bibel steht bekanntermaßen die OFFENBARUNG, und nichts Anderes ist diese Scheibe – ein Meisterwerk, an dem sich Bands in Zukunft orientieren müssen, ein Meilenstein in der Geschichte des österreichischen Schwermetalls! Jeder, aber ABSOLUT JEDER Metalfan MUSS diese Scheibe haben, denn wie heißt das elfte Gebot:
DU SOLLST „WORDS UNTOLD & DREAMS UNLIVED“ KAUFEN!!!
Wertung: 5.0 von 5.0
Autor: deimon (16. April 2007)
Machen wir eine Reise in die ferne Zukunft. Der mittlerweile als STORMBRINGER Urgestein geltende Tattergreis Reini verbringt seinen Lebensabend im Altersheim. Die ersten Sonnenstrahlen des Frühlings ausnutzend verbringt er - wieder einmal - die Zeit auf der Terrasse um ein wenig in der Vergangenheit zu schwelgen. Die nicht mehr so taufrischen Beine in eine wohlig warme Decke gehüllt, welche gerade von der 19 jährigen, strohblonden Pflegerin aus Litauen zurecht gerückt wurde, lässt sich der Senior via der beiden Audioohrimplantate mit dem Debüt Album einer mittlerweile zum Weltruhm gelangten Band berieseln. SERENITY heißt die Truppe, anno dazumal – der Reini kann sich noch genau erinnern, dass deren Album irgendwann 2007 erschienen sein muss – waren die noch alle in Österreich sesshaft, heutzutage pflegen die Fünf ja das Jet-Life und bewegen sich hauptsächlich auf Promi Partys in und um Los Angeles. Dann und wann erzählt der Hochangesehene Pflegling auch den zu Besuch kommenden Enkeln diverser Mitbewohner, dass zu seiner Zeit noch das Medium CD weit verbreitet war, aber außer kollektivem Staunen bzw. meistens Spott und Hohn, erntet er sonst keinerlei Aufmerksamkeit ob dieser Tatsache - ja so ändern sich die Zeiten halt.
Die Zeiten haben sich auch für die Band SERENITY geändert. Das Erstlingswerk „Words Untold & Dreams Unlived“ war damals noch ein richtig hartes Brett, heutzutage füllen die Herren Millionäre zwar mühelos jedes noch so große Stadion mehrmals hintereinander, haben jedoch den Härtegrad in ihren Kompositionen ein wenig zurückgeschraubt. Was sich seitdem jedoch nicht geändert hat, der auch schon in die Jahre gekommene, nun grau melierte Sänger Georg Neuhauser ist unumstritten der Schwarm aller Frauen und begeistert kollektiv mindestens drei Generationen – vom Teenie übers Hausmütterchen bis zur Großmutter! Und wenn der Rein wieder einmal seinen Besserwisser Tag hat, erzählt er frank und frei davon, dass ja „Words Untold & Dreams Unlived“ de facto gar nicht das Erstlingswerk dieser Truppe war, neben einem Demo in noch anderer Besetzung, war es ja hauptsächlich die in Eigenproduktion veröffentlichte CD „Engraved Within“ die damals geradezu wie eine Bombe in der deutschsprachigen Metal Landschaft eingeschlagen hat. Ganze vier Nummern fanden in leicht veränderter und obendrein soundtechnisch aufgemotzter Weise ihren Weg auf WU&DU. Viel bemerkenswerter jedoch – und das ist auch heute, mehrere Jahrzehnte nach Erscheinen der CD noch so – dass gerade die damals neu verfassten Stücke noch einen Zacken prickelnder, hörenswerter, ja, Aufsehen erregender ausgefallen sind. Sei es jetzt der anno dazumal seit mindestens zwei Jahren im Live Programm befindliche Opener „Canopus 9“, das hypermelodische, mit einer Raffinesse dargebotene „Reduced to Nothingness“(mit abartigen Growls eines AXUMIS genannten Außerirdischen versehen), oder das unumstrittene Highlight namens „Circle of my 2nd Life“ – hier spaziert das Quintett geradezu mühelos die Gefühltreppe auf und ab, sorgt damals wie heute (der Song befindet sich als einziger dieser Schaffensperiode nach wie vor im Live Programm der Superstars!) gerade im akustisch vorgetragenen Teil für kollektive Ausraster und war in seiner Neueinspielung vor einigen Jahren völlig zu Recht wochenlang die Nummer eins jeglicher Hitparaden (Online Hitparaden versteht sich, weil CDs, geschweige denn Plattenfirmen und so Zeugs gibt es ja schon seit zig Jahren nicht mehr! Wir bewegen uns einzig und allein musiktechnisch gesehen im virtuellen Raum). Und da es unser rockender Pensionist namens Reini natürlich nicht lassen kann, wirft er jeder Person – ob die das jetzt hören mag oder nicht – gen Kopf, dass selbst Arjen Anders Lucasson diese Emotionalität in seinen AYREON Projekten, rein akustisch gesehen jetzt, nie so hinbekommen hat, wie SERENITY in diesem Kleinod. AYREON erwähnt der Reini in diesem Kontext natürlich nur zu gern, kann er sodann ja gleich wieder sein an ein Rocklexikon erinnerndes Gedächtnis bemühen und all jenen die Wichtigkeit dieser (und vieler anderer) Bands in den early 2000’s nahe bringen. Steigert er sich dann in einen Redeschwall darf natürlich auch der Name SAVATAGE nicht fehlen – „From Where the Dark is Born“ heißt das SERENITY’sche Pendant dazu, allein ob der von Mario Hirzinger vollbrachten Pianodarbietung schon ein Zungenschnalzer, dabei wurde nebst aller melodischen Akzente, so was von einem Brettriff beigemengt – ein Umstand, der heutzutage leider viel zu oft vernachlässigt wird!
Kurz bevor der Reini einzunicken droht (in seinem Alter und dem damit verbundenen körperlichen Zustand ist es ihm nun mal nicht mehr möglich länger als eine knappe Stunde am Stück wach zu bleiben), platzt ihm der letzte Song dieses Albums um die Ohren „Thriven“ – schon sattsam bekannt gewesen dem Herrn „wandelndes Musiklexikon“, aber immer wieder ein Genuss – nicht nur weil er extrem verspielt daherkommt, nein, auch weil dieses für die Band schon irgendwie als Trademark geltende Grunzwesen wieder seinen Einzug fand. Nebst dem akustisch eingeleitetem Beginn, dem flotten Hauptriff wohl der ohrenscheinlichste Beweise für die schon damals aufblitzende Ausnahmestellung dieser Combo….. Die wärmenden Sonnenstrahlen, die immer wieder hoch keimende Begeisterung und der Lebenswille, welcher den Reini in solchen Momenten übermannt, all das hat unseren Rentner jetzt extrem müde gemacht, die litauische Pflegerin eilt herbei, dieses herzerwärmende Lächeln, sanft rückt sie zum x-tem Male die Decke zu Recht, leicht, ganz leicht streifen ihre Finger über den Oberschenkel des Pfleglings, dieser schließt die Augen und denkt sich „SERENITY mit einer Göttergabe im Ohr und diese knackig junge Pflegerin in meiner Nähe, hach das Leben ist einfach nur schön“………………
Wertung: 5.0 von 5.0
Autor: reini (16. April 2007)
SERENITY sind der heißeste Metalexport aus heimischen Landen und beweisen mit ihrem Debüt auf Napalm Records ein kreatives Potential, von dem so manche andere Band auch nach dem 10. Album nur träumen kann. Schon das Demo „Engraved Within“ enthielt vielversprechende Songs, Ohrwurmmelodien und eine Menge Talent für gute Arrangements, eingängige Gesangslinien sowie groovige und auch mal frickelige Gitarren- und Keyboardläufe. Doch was die Jungs auf „Words Untold & Dreams Unlived“ erschaffen, toppt den Zauber des Demos noch um einiges... Und das ist wirklich eine große Leistung!
SERENITY wagen ihre musikalische Reise irgendwo im Schnitt zwischen EVERGREY, KAMELOT, SAVATAGE und MERCENARY, ohne aber als Kopie jener genannten Vorbilder hervorzugehen. Stets sind die Kompositionen originell, bleiben im Ohr hängen und sprühen nur so vor schönen Melodien und tollen Riffs. Dazu kommt der absolut eingängige Gesang von Georg Neuhauser und wer einen derartig guten Sänger mit Wiedererkennungswert in seinen Reihen hat, der muss einfach irgendwann mit Erfolg rechnen. Doch auch die musikalischen Leistungen der anderen Bandmitglieder sind keineswegs zu verachten, jeder trägt seinen eigenen Teil zum Gelingen der SERENITY-Welt bei und diese Mischung aus Talent, Kreativität und unbändigem Optimismus wurde schließlich mit einem Plattenvertrag belohnt.
Mit den exotischen Klängen von „Canopus 3“ taucht man in das SERENITY-Hörerlebnis ein und findet sich mit einer coolen Riffwand und proggigen Keyboardklängen konfrontiert. Die dramatische Steigerung des Songs und die leidenschaftliche Gesangslinie machen schon das erste Stück des Albums zu einem echten Highlight. Aber eigentlich gibt’s hier auch keine Aussetzer und mit „Reduced To Nothingness“ erwartet den Hörer gleich ein Song mit Abwechslung. Klingt das Intro noch nach IN FLAMES, so wird man schnell mit einem chorartigen Zwischenpart beschallt und bekommt eingängige Melodien und dezenten Grunzgesang im Hintergrund geboten. Das kompositorische Geschick gipfelt schließlich in einem SAVATAGE-artigen Gesangsteil, dem ein kurzer gesprochener Part vorausgeht: Großartig! Mehr kann man dazu fast nicht sagen. „Words Untold“ sorgt als akustisches Gitarrenstück für eine kurze Verschnaufspause zwischen den ergreifenden Songs. Bevor das balladeske „Circle Of My 2nd Life“ die gesamte Bandbreite musikalischer Emotionen ausschöpft und mit extrem gelungenen Gitarrenläufen daherkommt. Bei „Engraved Within“, „Forever“, „Thriven“ und „Dead Man Walking“, die auch am Demo zu hören waren, wurden ebenfalls einige Strukturen verändert, ja fast würde ich sagen verbessert und so passen auch die alten Songs im neuen Gewand perfekt zum Rest des Albums. „From Where The Dark Is Born“ bietet viele sanfte Momente zwischen groovenden Riffs. Vor allem der Mittelteil mit einem Piano-Gesangspart und das darauf folgende Gitarrensolo zeichnen SERENITY mal wieder als talentierte Musiker aus.
SERENITY haben mit „Words Untold & Dreams Unlived“ ein Debüt-Album abgeliefert, welches Fans von melodischem Power-Prog-Metal so schnell nicht vergessen werden und zeigen mit ihren abwechslungsreichen Songs und Ohrwum-Stücken ein unvergleichliches Gespür für Melodien!
Favoriten: Reduced To Nothingness, Circle Of My 2nd Life, Thriven.
Wertung: 4.5 von 5.0
Autor: caroline (16. April 2007)
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