Bei SUBWAY TO SALLY ist das so ähnlich wie bei einer oder einem alten Bekannten. Selbst wenn man sich jahrelang aus den Augen verloren hat, spätestens nach ein paar Minuten des Wiedersehens weiß man wieder was man voneinander hat. Demzufolge verstecken sich auch auf dem mittlerweile 10. (Jubiläum!!) Studioalbum der Folkgemeinschaft nur marginale Überraschungen, welche - auf den zweiten Blick betrachtet - aber durchaus erwähnenswert sind.
Zuerst einmal hab ich Irgendwie das Gefühl die SALLYs wären um einiges nachdenklicher geworden, „Nord, Nord Ost“ oder der direkte Vorgänger „Bastard“ waren da doch um Ecken straighter, hatten lang nicht so viele ruhige Töne, ja bei Zeiten versprüht „Kreuzfeuer“ sogar eine leicht depressive Stimmung…
Eine Coverversion hat man von StS auch kaum zu Ohren bekommen, diesmal darf (oder muss?) Madame EISBLUME dran glauben, deren „Komm in meinen Schlaf“ dürfte so was wie ein Tauschgeschäft gewesen sein, haben RIA plus Staffage doch auf ihrem „Unter dem Eis“ Album einen SUBWAY TO SALLY Song verwursten dürfen – ja ja natürlich „Eisblumen“!
Der „Meersong“ geht mir ab! Und zwar gewaltig! War es in der Vergangenheit schon zum Usus geworden, dass ein Track thematisch irgendwie mit dem Meer zu tun hatte, ich erinnere nur an „Auf Kiel“ (dem Bundesvision Triumphator 2008), oder „Seemannslied“, „2000 Meilen unter dem Meer“ bzw. „Knochenschiff“. Ein thematischer Stilbruch diesmal, welcher aber absolut nicht mit einer Qualitätseinbuße einhergeht!
Trotz all der Zeitweisen Gedanken Versunkenheit geizt „Kreuzfeuer“ nicht mit knackiger Umsetzung, allein das Einstiegsdoppel „Aufstieg“ und „Judaskuss“ donnern doch sehr amtlich aus den Boxen, natürlich ist auch der zehnte Streich im Hause SUBWAY TO SALLY prosaisch wieder eine Ausnahmescheibe geworden, mir geht es nach wie vor so, dass ich das gesprochene bzw. natürlich gesungene Wort zwar verstehe, allein der Zusammenhang des Ganzen will sich mir (noch immer) nicht erschließen, und das liegt mit größter Wahrscheinlichkeit am immensen Tiefgang, sowie der immer noch reichlich abstrakten Herangehensweise an die vorgetragenen Textphrasierungen.
„Kreuzfeuer“ ist zwar eine Spur bedachter ausgefallen als seine unmittelbaren Vorgänger, aber es ist definitiv noch zu 100% ein SUBWAY TO SALLY Album geworden. Die Stammklientel (die ja mittlerweile gar nicht mehr so klein ist!) kauft sowieso blind, wer aber mit tiefgründiger, bei Zeiten leicht nachvollziehbarer, aber stets vieldeutiger Musik jenseits aller Hitparadengedanken was anzufangen weiß, der sollte auch an „Kreuzfeuer“ Gefallen finden!
Wertung: 4.0 von 5.0
Autor: reini (23. März 2009)
Mein lieber Kollege Reini, ich kann mir die Möglichkeit leider nicht nehmen lassen und dir an dieser Stelle...
...recht geben! SUBWAY TO SALLY sind also zurück und legen knappe 1 1/2 Jahre nach dem grandiosen Vorgänger "Bastard" nun also die neue Scheibe "Kreuzfeuer" ab. Nachdem ich mir das Cover-Artwork so betrachtet habe, kam mir aber sofort der Gedanke, dass mich das Ganze schon ein wenig an den jungen "Bastard" zurückerinnerte. Als dann die Scheibe in meinem Player lief und der "Aufstieg" durch mein Zimmer wallte, spürte ich sogleich ein neuerliches Deja-Vu. Zu stark klang der Opener des neuen Albums nach dem Türsteher des Vorgängers.
Kurzerhand entschied ich mich mit dem Projekt SUBWAY TO SALLY noch einmal neu zu beginnen, doch der Eindruck legte sich im Endeffekt dann doch nicht. "Kreuzfeuer" ist für mich irgendwo eine Art Resteverwertung der alten Platte. Nicht nur das Songmaterial, sondern die ganze musikalische Ausrichtung klingt wie ein "Bastard Part 2". Die Potsdamer haben auch sofort zugegeben, dass auf der Scheibe noch einige, ältere Songs noch einmal auf neue Weise eingespielt und verwendet wurden und genau danach klingt es auch. Der ausschlaggebende Punkt an dieser ganzen Sache ist aber, dass "Kreuzfeuer" deswegen überhaupt nicht schlecht oder abgekupfert klingt. Nein, ganz im Gegenteil; SUBWAY TO SALLY legen wahrlich hochwertiges Material ab, das zwar eindeutig im Fahrwasser des direkten Vorgängers fährt und trotzdem in reichendem Ausmaße eigenständig und überzeugend klingt.
Stiltechnisch haben sich SUBWAY TO SALLY also keinen Millimeter von der Stelle gerührt und fahren ihr, kommerziell wie qualitativ, erfolgreiches Konzept weiter. Sie entfernen sich zwar immer mehr von der netten, alten Mittelalter-Schiene und spielen im Prinzip nur noch reinen, folkig angehauchten Metal. Frau Schmitts Geige und einige andere mittelalterliche Instrumente finden zwar noch Platz auf dem gebotenen Material, doch werden sie im Gegensatz zu früher schon eindeutig in den Hintergrund getrieben. Das ist eigentlich das einzige Ungewöhnliche an diesem Album: Dass sich die Deutschen im engeren Sinne nicht "weiterentwickelt" haben.
Ansonsten ist "Kreuzfeuer" ein durchwegs überzeugendes Folk-Album, dass sich STS-Jünger sowieso blindlings kaufen, aber prinzipiell kann jeder geneigte Genre-Hörer bedenkenlos zugreifen. So ganz die Qualität des "Bastards" erreicht der neue Silberling zwar nicht, da dieser noch den so wichtigen Überraschungseffekt des Neuen auf seiner Habenseite hatte. Trotz allem können SUBWAY TO SALLY stolz auf "Kreuzfeuer" sein und es bleibt abzuwarten, wie sich diese, immer wieder für Überraschungen gute, Band in nächster Zukunft entwickeln wird...
Wertung: 4.0 von 5.0
Autor: mat (06. April 2009)
Überblick...