ILL NINO haben sich durch ihren ganz eigenen Stil mittlerweile einen festen Platz an der Spitze der Nu-Metal-Szene erarbeitet und faszinieren tausende von Fans mit ihrer Mischung aus latein-amerikanischen Musikeinflüssen und den harten Klängen des modernen Metals. Mit „Dead New World“ melden sie sich nach der üblichen 2-Jahres-Pause nach dem letzten Album „Enigma“ zurück und zeigen sich mit gewohnten Klängen, aber präsentieren uns gleichzeitig eine neue Seite, die die Band so noch nicht von sich hören gelassen hat.
Der Opener des Albums „God Is Only For The Dead“ leitet das Album zunächst mit den gewohnten Klängen der Band ein: Harte Gitarrenriffs auf zur Bewegung animierenden Schlagzeugrhythmen, die von den bekannten Percussions unterstützt werden und von der typischen Stimme Cristian Machados mit harten Screams und sanften Clear-Vocals geleitet werden. Andererseits fallen schon einige dezente Unterschiede zum Vorgänger auf, denn das Album scheint auf dem ersten Hörer wieder deutlich härter zu sein als „Enigma“. Die Rhythmik ist mit der anspruchsvollen Doublebass-Frasierung deutlich „metalliger“ und die Harten Gesangspassagen wirken kräftiger und brutaler. Im zweiten Song „The Art Of War“ wird dieser erste Eindruck noch verstärkt und auch die Gitarren kommen hier auf höherem Niveu zum Einsatz. „Against The Wall“ zeigt dann wieder im Refrain die gewohnt eingängigen Ohrwurmmelodien ganz im Stil von „What You Deserve“ aus dem Album „One Nation Underground“ und „March Against Me“ aus „Enigma“, während der nachfolgende Titel „Mi Revolucion“ uns spätestens bei der heftigen Bridge vom Sofa holt uns ordentlich die Haare schütteln lässt. In „Bleed Like You“ und vor allem in „Serve The Grave“ reißen wir dann spätestens beeindruckt die Augen und die Kaulade auf, wenn zwei wirklich grandiose Gitarrensoli ertönen, die wir so von ILL NINO keinesfalls gewohnt sind. Jetzt müsste dann auch dem letzten Zuhörer aufgefallen sein, dass sich die Band langsam aber sicher von den einfach gehaltenen Nu-Metal-Klängen abhebt und etwas erwachsener geworden ist.
Bei diesen zahlreichen Neuerungen kommen jedoch vielleicht einige andere Stil-Elemente zu kurz, die man an dieser Band eigentlich so liebt. Zum einen gibt es auf „Dead New World“ keine richtige ruhige Ballade im Stil von „Me Gusta Soledad“ und „De Sangre Hermosa“, die einem eine kleine Verschnaufpause gönnen und einen mit träumerischen Klängen unter die Haut gehen. Das wird natürlich viele von euch harten Metalheads nicht unbedingt stören, doch wären die ein oder anderen ruhigen Passagen auf dem Album nicht unbedingt fehl am Platz sondern eher eine Bereicherung. So muss man sich halt mit den nur etwas sanften Klängen von „Bleed Like You“ und „Ritual“ zufrieden geben, dann passt das schon. Was ebenfalls auffällt, ist dass kein einziges Wort spanisch gesungen wird, eine Sprache, die sonst auf jedem Album in wenigstens einem Song vertreten war und den Liedern durch ihren schönen Klang eine besondere Note verliehen hat. Das ist zwar vielleicht etwas schade, doch beseitigen die beiden Songs „How Could I Believe“ und vor allem „Killing Me, Killing You“ das Problem damit, dass diese musikalisch spanischer sind, als jeder Song, der auf einem ILL NINO Album je zu hören war.
Zusammengefasst ist das Album ein klarer Beweis dafür, dass ILL NINO sich weiter entwickelt haben und schlicht deutlich reifer geworden sind. Aber auch die unter euch, die den alten alten Stil der Band mögen, sollten von der neuen Scheibe keinesfalls enttäuscht werden, denn die typischen Stil-Elemente, die die Band ausmachen, sind immer noch zahlreich vorhanden und eins ist klar: das Album klingt auf jeden Fall nach ILL NINO so, wie wir sie lieben und das macht ihnen so schnell keiner nach.
Wertung: 4.5 von 5.0
Autor: Marco Frieborg (28. Oktober 2010)
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