Fünf Euro hätte ich just übrig für die Phrasenkasse, denn "Second Hand Wonderland" ist ein massiv zweischneidiges Schwert. Einerseits veritable Hits, andererseits, ähm, nicht wirklich hitverdächtiges Material.
Seit "Bomba" und dem dazugehörigen Video ist die Band so ziemlich jedem/jeder bekannt, wird abfällig als österreichische GUANO APES oder positiv als erfrischendes Wiederaufleben des Crossover-Genres bezeichnet.
Völlig (bis eben auf "Bomba") unbedarft pirscht sich der Rezensent nun also an das neue Album der Jungs und des Mädels heran.
Und wird gleich mit der "Heidi"-Eröffnung und SHAGGY (© ADL) niedergebügelt. Wie man auf die Idee kommt dieses Intro im Jahr 2012 zu verwenden ist mir ein Rätsel. Früher vielleicht witzig (wir erinnern uns an "Fast As A Shark" von ACCEPT), aber heutzutage beinahe ärgerlich. Und der Song ist generell eher, wie soll ich sagen, nix. Reggae, SHAGGY, ein wenig Funk und Heimatmusik (Ziehharmonika und Jodeln) in ein Lied zu packen mag kühn sein, scheitert hier aber total.
"Falling" beginnt da gleich härter mit einem Nu-Metal-Riff bevor Agata und Stefan ihre vokalen Beiträge zart über die Musik legen. Geht ja. Der Chorus ist auch nicht schlecht, setzt sich sofort im Ohr fest. Wäre vielleicht die bessere Wahl als Opener gewesen. Starkes Lied. Wäre Ö3 nicht so übel wie es denn ist, würde man solch Liedgut sicher öfter dort hören.
Der erste Höhepunkt folgt mit "Monkey Boy", welches über einen sensationellen Refrain verfügt. Einen so griffigen Kehrreim (...) komponiert man nicht jeden Tag - fantastisch! Dabei beginnt das Lied recht unspektakulär mit Percussion und sehr gefühlvollem Gesang von Agata, bevor Stefan wieder SHAGGY ins Spiel bringt. Aber der Refrain... sensationell!. Ganz, ganz großes Tischtennis!
Nahezu klassisch metallisch beginnen wir mit "U Say What", welches ein bisschen fernöstlich angehaucht klingt, bevor der Gesang eher in die Knie geht. Stefans Art zu singen ist eben nicht meins. Da kamma nix ändern. Unspektakulärer Song. Tut keinem weh.
"The Butterfly Defect" stampft anfangs schön heavy, bevor... Stefan halt. Ich habe nichts persönliches gegen ihn, kenne ihn gar nicht, aber ich bevorzuge Agata´s Stimme. Und diese Mischung aus diesem London-Clubsound und seiner Stimme reißt beinahe jedes Lied nieder.
Der Chorus allerdings, wie durch ein Wunder von Agata intoniert ist klasse.
"Rasputin" - Stefan klingt besser, Agata gut wie immer, ein ungewöhnlicher Zweigesang-Anfang. Der Chorus ist deftig und gut anzuhören. Eigenartiges Lied, welches auf jeden Fall einen der Höhepunkte der CD darstellt.
"Heya, Heya, You´re A Bad Betrayer", nun gut, wenn es so ist. Agata beginnt diesen Song mit dieser wenig unterschwelligen Beschuldigung. Dann Popmusik der üblen Sorte. Zuckersüß, klebrig, vernachlässigbar.
Weiter geht´s mit "Adrenalin" - und selbiges wird am Anfang in Massen ausgeschüttet. Ein Nu-Metal-Riff, und man ist dankbar, dass diese Art von Musik seit einigen Jahren kaum mehr wahrnehmbar ist. Glücklicherweise reißt Agata den Song im Refrain noch aus dem Sumpf der Gleichgültigkeit.
"Hocus Pocus" beginnt mit einem Jahrmarktsample, oder -anfang, wie auch immer. Schwere Keyboards legen sich auf harte Gitarren und spätestens bei "Hocus Pocus Fidibus" greife ich mich auf meine immer größer werdende Stimme. Der Refrain allerdings - siehe voriger Song.
Endlich ein Song, den Agata beginnt, ihre Stimme ist der absolute Träger des Albums - daran besteht kein Zweifel. Auch bei "Raise Me Up" ist sie das Um und Auf und hebt den Song aus dem unteren Mittelmaß mit dem Chorus über den Durchschnitt.
"Hey DJ" - hart, und ich bin wieder dankbar, geneigt eine Messe zu zahlen, dass es diesen Nu-Metal-Rotz nicht mehr gibt.
"Police" - und wir sind am Ende,
Positiv: Refrains - das können sie. Agata´s Stimme - ganz Groß.
Negativ: Nu-Metal-Einflüsse, einige völlig belanglose Stücke, SHAGGY.
Komisches Album...
Wertung: 2.5 von 5.0
Autor: Christian Wiederwald (20. April 2012)
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