PURE LEGEND RECORDS

:: Nachtblut - Dogma (CD)

Redaktionswertung: 4.0 Points
Userwertung: ohne Bewertung
VÖ Datum: 25. Mai 2012
Genre: Dark Metal
Label: Napalm Records
Info:
Nachtblut bei Myspace
Laufzeit: 50:32 Min.
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Trackliste...
01. Dogma
02. Der Weg Ist Das Ziel
03. Ich Trinke Blut
04. Eiskönigin
05. Rache
06. Mein Herz In Ihren Händen
07. Mordlust
08. Macht
09. Busssakrament
10. Vulva
11. Schritte

Line Up
Vocals: Askeroth
Bass: Sacerdos
Guitars: Greif
Drums: Skoll
Keys: Lymania
Review...
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Wenn eine Band mit "Sie polarisieren - entweder man liebt sie oder hasst sie" beworben wird, sollte man üblicherweise aufpassen, denn meist sind die Bands dann nicht das sprichwörtliche Gelbe vom Ei.

Auch die Interviews von Sänger Askeroth, die ich in meinen Recherchen gelesen habe, mahnten mich vor dem Review zur Obacht. Aussagen wie "Ich sage was sich andere nicht zu sagen trauen" und "wir provozieren um etwas zu sagen, statt lediglich etwas zu sagen um zu provozieren" sind für mich in der Liga der ONKELZ (genau, die halte ich nicht aus), die dieses „wenn ihr nicht für uns seid, seid ihr gegen uns“ zur Karriere gemacht haben. Das steht für mich beinahe synonym für jugendliches auf-den-Tisch-hauen. Hier wird recht plakativ mit dem Banner der Sozialkritik gewunken. Ich bin ja der Überzeugung, dass der allzu grobe Umgang mit solchen Dingen die Auseinandersetzung mit den Texten an sich etwas erschwert. Man ist einfach vorbelastet wenn im Interview oder im Pressetext schon so massiv mit dem Zaunpfahl gewedelt wird.

Meine Ansicht, womöglich nicht nachvollziehbar in diesem Wulst an Worten…

Ich ging also leicht beeinflusst in den ersten Hördurchgang von "Dogma", dem neuen Album der Jungs und dem Mädel und war alsbaldigst nicht nur positiv überrascht, sondern bisweilen durchaus sehr angetan von dem, was NACHTBLUT auf ihrem zweiten Album präsentieren.

Dark Metal wird das genannt und damit kann man leben. Die großen Einflüsse CRADLE OF FILTH und RAMMSTEIN werden immer wieder zitiert, ohne hier bloß eine Kopie zu sein. Ganz im Gegenteil, man arbeitet mit großen Melodien, mit elf Songs die wirklich alle eigenständig klingen und als einzelne (Meister)werke bestehen können. Die Stimme wandert vom Klargesang hin zum Dani Filth-mäßigen Gekreische, die Gitarren sind simpel aber heavy und effektiv, das Schlagzeug gibt einfach und gerade den Takt vor und die Keys unterstützen den Gesamtsound mit wirklich großen Melodien.

Klar ist das Album geeignet für die Gothic-Disco und klar hauen die Texte bisweilen aufs Auge ("Ich trinke Blut" - für die Gothic/Twilight-Fraktion), aber ich ertappe mich immer mehr beim lockeren Mitwippen wenn ich mir die CD anhöre.

Mit "Dogma", dem Titeltrack, geht es gleich richtig gut los. Man verbindet alle Stärken und kann mit einem lässigen Refrain punkten. "Der Weg ist das Ziel" beinhaltet sogar etwas wie eine positive Maxime, man soll an sich glauben und wenn möglich nicht aufgeben. Nicht schlecht, und den Refrain kriegt ihr unter Garantie nicht aus dem Kopf, zweistimmig wird hier positiver Pathos sehr gelungen transportiert.

Die Blutsaugerhymne "Ich trinke Blut" beginnt mit einem schönen Spinettintro, bevor man sich in einer etwas unspektakulären Strophe verliert. Der Chorus ist ganz in Ordnung, auch wenn ich mit dem Text, wie schon erwähnt, nix anfangen kann. Das ist wohl etwas für Mittelschichtkids, die wochenends gerne mal böse sind.

Die "Eiskönigin" zitiert RAMMSTEIN und das nicht schlecht, bevor Askeroth sich gen Kehrreim keift. Die Keys blubbern fröhlich vor sich hin und im Text gibt man sich wieder ein wenig böse. Gerne würde ich den Texter näher zu seinen lyrischen Ergüssen befragen, diesen Text zum Beispiel kann man in mehrere Richtungen biegen. Wie gesagt, ein wenig böse, aber durchaus mehrdeutig und interessant geschrieben.

„Rache“ zitiert anfangs erneut in seiner Mischung aus stampfendem Metal und mehreren Lagen Elektronik eine recht erfolgreiche ostdeutsche Band. Auch im Gesang lehnt man sich an den Til an. Textlich geht’s um den Selbstmord des Protagonisten. Wenig spektakulär - aber live dürfte der Song ganz gut funktionieren.

"Mein Herz in ihren Händen" ist mächtiger Black Metal der symphonischen Sorte und der Titel wird auch mit einem klasse Foto im Booklet umgesetzt! Kommt gut, die etwas härtere Seite auch einmal herauszukehren. Das macht die Band aus, diese ungeheure Abwechslung, die aber dann doch nicht in halbgaren Songs endet. Hier haben wir es mit klugem Songwriting zu tun. Alle Ehre bei einer so jungen Band!

"Mordlust" gibt sich auch wieder etwas fieser, bis man mit "Macht" den großen Diktatoren, Generälen und anderen üblen Kerlen Tribut zollt. Der Song ist wieder etwas tanzbarer (kein Review einer solchen Band darf ohne diesen Ausdruck auskommen!).

Kirchenkritik gibt’s in "Bußsakrament", welches dann auch noch, damit es jeder versteht, mit einer Kirchenorgel eingeleitet wird, bevor ein schneidiges, auf flächigen Keys ruhendes Riff den Song lostritt. Was mir hier am Text gefällt ist, dass man Kirchenkritik ohne Satansgejohle schreibt. Kommt im Metal nicht allzu oft vor.

Nahezu beschwingt kommt "Vulva" und den Schluss des Albums gibt dann "Schritte". Beides wie beinahe das gesamte Album, klasse Songs die sich gut im Ohr festsetzen. "Schritte" kommt noch dazu ganz ohne Gitarren und Schlagzeug aus, hier wird Elektronik hochgehalten und dennoch klingt der Song heavy. Muss man auch erstmal schaffen.

Das Resümee: Trotz einiger plakativer Texte haben wir es hier mit einem erstaunlich starken Album zu tun, welches sauberst arrangiert und stark produziert wurde. Das mit den Texten ist natürlich äußerst subjektiv, aber der Rezensent erlaubt sich diese Meinung und ist wohl nicht die Zielgruppe. Aber diesen vielleicht etwas zu direkten Texten stehen auch einige fein ziselierte Lyrics gegenüber, die zum Nachdenken anregen.

Melodien ohne Ende, mächtige Refrains, die Grätsche zwischen Elektronik und Black Metal wird souverän geschafft. Heavy, melodiös, bisweilen garstig und auf jeden Fall superb geschriebene Songs.

Die Zielgruppe geht von Elektronik-, bis hin zu Black Metal-Freunden, die die symphonische Variante der dunklen Seite mögen.

Aber auch außerhalb der Zielgruppe sollte man dem Album eine Chance geben.

Wertung: 4.0 von 5.0
Autor: Christian Wiederwald (26. Mai 2012)

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