Die Geschichte des Black Metal ist selbst in der an seltsamen Entwicklungen, Eigenartigkeiten und haarsträubenden Experimenten nicht armen Welt der verzerrten Gitarre immer noch eine Idee intensiver als der Rest. Ein Mehr an Härte (diskutabel), ein Mehr an Eigenartigkeit/Eigenständigkeit (Sichtweise), ein Mehr an loyal-fanatischem Anhang, der sich sehr oft zu einem widerlichen Elitarismus hin entwickelt. Ein "Mehr", simpel gesagt.
Es begann ganz schüchtern mit BATHORY, VENOM lassen wir außen vor, und explodierte nördlich der Ostsee Anfang der 90er des vorigen Jahrtausends. Roh, primitiv, misanthropisch (erneut: diskutabel, leben doch einige der Protagonisten ganz gut davon) und sehr oft ganz einfach kriminell.
Man ermordete sich gegenseitig, tat selbiges mit Außenstehenden, Andersdenkenden.
Konvertierte seine Gedanken zu Blut und Boden, türmte aus Gefängnissen und änderte seine Namen.
Die Faszination dieses so genannten "Inner Circle", lebt bis heute in den Gedanken und Werken unzähliger Lo-Fi Bands, in tausenden Projekten und Produkten. Der Markt wird zugemüllt mit Soloalben von irgendwelchen unter Pseudonymen agierenden Witzfiguren, die ungeachtet ihres Daseins als Zivildiener und einem Nachnahmen, der eine Herkunft vom Balkan oder aus der Ukraine verrät, "arische Krieger" sind und mit der Kettensäge, ein "Der Stürmer"-Shirt tragend in Papis Garten posieren.
Und ganz, ganz wichtig ist es, intolerant zu sein. Nur keine neuen Ideen zulassen, keine Veränderung, keine Entwicklung.
Zum Glück für jeden Musikfreund der/die sich nicht in die Geiselhaft dieser Szene nehmen lässt, gibt es immer wieder und immer öfter, Gruppen, denen es einfach nicht genügt mithilfe eines Mono-Kasettenrecorders die neuntausendste Version von "A Blaze In The Northern Sky" aufzunehmen und dies auch noch bei einem "Kultlabel" zu veröffentlichen.
Der trve Black Metal, Trve Norwegian Black Metal um noch genauer zu sein, ein sich stetig wiederholender Moloch.
Zurück zu den Innovatoren - ob aus Amerika (u.a. WOLVES IN THE THRONE ROOM), Irland (ALTAR OF PLAGUES), Frankreich (u.a. BLUT AUS NORD) stammend, oder wie MALADIE aus Deutschland.
Das Fundament ist ganz klar Black Metal. Einiges an Raserei und flinkem Schlagzeug zeigt den Weg, immer wieder eingebettet in Klavierzwischenspiele, welche eine zusätzliche, tieftraurige Note mit einfließen lassen.
Mehrstimmig wird geschrien, gekeift und gesungen, dem Wahnsinn wird eine Stimme gegeben. Der Krankheit, dem Leiden in den Texten wird auf mehrsprachige Art und Weise Ausdruck verliehen. Der Sound ist klar, extrem heftig, transparent und lässt jedem Instrument Raum. Vor allem der beinahe liebevollen - wenn man in diesem Genre überhaupt so sagen darf - Gitarrenarbeit wird Platz zur Entfaltung gegeben und genau diese Vielschichtigkeit macht den Reiz dieses Albums aus. Nicht vordergründig plakativ sondern subtil und verschachtelt, bisweilen dissonant aber immer verständlich machen diese Gitarren "Plague Within" zu einem völlig eigenständigen Werk fernab vieler Genregrenzen.
Die Klavierinterludien lullen ein, lassen in Trauer und Verzweiflung schwelgen, nur um bald darauf in Geschwindigkeitsextremen zu mäandern, die sich dann in stimmungsvollen Refrains und großen Melodien auflösen. Die Hysterie, der Hass und die Verzweiflung in den Gesangslinien ist oft mehr als verstörend und lässt zumindest mich ratlos und leer zurück.
Das mag alles ein wenig pathosgeschwängert klingen, aber mit diesem Album ist dem Projekt um Björn Köppler (TOMBTHROAT) in der Tat großes geglückt.
Ein Album, das sicher schwierig im Alltagsgebrauch ist, welches aber in seiner Vielschichtigkeit ein wahres Juwel darstellt.
Wertung: 4.0 von 5.0
Autor: Christian Wiederwald (12. Juli 2012)
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