15. August 1992 - Mainmarktgelände, Mannheim. SuperRock 1992. IRON MAIDEN als Headliner, SLAYER, HELLOWEEN, BLACK SABBATH, THE ALMIGHTY, W.A.S.P. und TESTAMENT.
Nach einer nächtlichen Busfahrt mit dem Startpunkt Deutschlandsberg und dem Endpunkt in Mannheim traf ein Reisebus voller Südweststeirer zu ebendiesem Ereignis in ebendieser Stadt ein. Einer nächtlichen Busfahrt, welche heute wohl von der permanent hysterischen Tagespresse als "mobiles Komatrinken" bezeichnet werden würde.
Es gab noch diese eintägigen Metal-Festivals, nicht wie heute eine Woche langes Wohnen in einer Wiese im Nirgendwo mit Preisen wie in der Londoner Innenstadt oder an der Park Avenue.
Damals (als die Welt noch Schwarz-Weiß war - wir stellten erst später auf Farbe um) trank man sich bei der Anreise einen Vorsprung heraus, kämpfte sich durch den Tag und zog dann wieder durch die Nacht nach Hause.
Warum, werden sich einige Mitglieder meiner stetig stagnierenden Fangemeinde fragen, erzählt er uns das schon wieder?
Ganz einfach, ich versuche ein wenig Bezug zu Mannheim, der zweitgrößten Stadt Baden-Württembergs, herzustellen, denn aus genau dieser, mit eigenartigen Straßenbezeichnungen ausgestatteten, Stadt kommen SCEPTOR und stellen uns ihr erstes vollständiges Album vor.
Nach der Gründung im Jahre 2009 gab es eine Single namens ,,Introducing...Sceptor" mit Bob Mitchell (SLEEPY HOLLOW, Ex-ATTACKER) am Gesang, welcher allerdings schon a priori nur als Übergangslösung, respektive Aushilfe vorgesehen war.
Nach einigem Hin und Her übernahm dann Gitarrist Todd die Position am mittigen Bühnenrand und dabei ist es geblieben. Nach dem 2011er Demo "A Hellish Demo" wagte man den Schritt ins Studio und machte sich an die Aufnahmen für das vollständige Debüt "Take Command!".
Klischees hin, trver Metal her, das Album ist richtig stark geworden, vereinigt deutschen Metal in seiner eher stampfenden Tradition mit der amerikanischen Spielart. Und das gelingt richtig gut.
Begonnen wird mit einem kleinen Hörspiel welches mit einem sensationell sympathischen "denglischen" Akzent vorgetragen wird und in das knackige, supermelodiöse "Shadows In The Maze" übergeht und von Beginn an zeigt, dass die Herren Songs schreiben und inszenieren können.
Darüber thront die mittelhohe, souveräne Stimme von Todd, die für mich den ganz großen Trumpf darstellt.
Klar, melodiös, kräftig und mit Verve und Elan trägt er die großen, auf den mächtigen Riffs aufbauenden Gesangslinien und verleiht dabei dem Gesamtbild eine schön eigenständige, leicht old-schoolige Note.
Die Songs bauen auf einer, in meist getragenem Tempo, vorgetragenen Strophe auf und steigern sich hin zu ausnahmslos eingängigen Refrains. Selten ein so durchgehend hochklassiges Metal-Album gehört. Es ist auf jeden Fall schon eine Weile her, dass mich ein Album von Beginn an so zu packen wusste.
Wenn man dem Album etwas ankreiden kann, dann dass man ab und an etwas zu lange auf den einzelnen Riffs herumreitet und Songs etwas zu sehr in die Länge zieht.
Der Sound ist recht natürlich gelungen, fernab von dem was heute sehr oft an Ultra-High-Gain-Produktionen von den Studios in die freie Wildbahn entlassen wird. Angenehm heavy, klar und druckvoll.
Sehr starkes Album bei dem der "True Metal"-Aufkleber viel zu kurz greift, das Album bietet ganz einfach gesagt äußerst gelungene Musik im Heavy Metal-Bereich.
Und das ist erst das erste Album, man darf gespannt sein, was da noch aus Mannheim kommt.
Beide Daumen hoch!
Wertung: 4.5 von 5.0
Autor: Christian Wiederwald (13. Juli 2012)
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