Words Of Farewell - The Black Wild Yonder

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VÖ: 28.02.2014
Bandinfo: WORDS OF FAREWELL
Genre: Melodic Death Metal
Label: AFM Records
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Lineup  |  Trackliste

Meine Welt wurde soeben gänzlich auf den Kopf gestellt. Keine Sorge: AT THE GATES haben ihre kürzliche Re-Union nicht abgeblasen und das "soeben" darf man durchaus als eine Zeitspanne von ca. drei bis vier Wochen interpretieren. Klingt abwegig? Mitnichten, denn es gibt einen guten Grund für diese vermeintlich konfuse Äußerung: "The Black Wild Yonder". Melodic Death Metal war für Deutschland bisweilen ein ähnlich fremdartiger Begriff wie "National Security Agency", aber wie wir jüngst gelernt haben, weilte es stets unter uns. WORDS OF FAREWELL sogar schon seit dem Jahre 2006, wobei das eigentliche Debütalbum "Immersion" erst vor zwei Jahren von der Musiklandschaft entdeckt wurde und durchaus ansprechende, zeitweilen aber kaum autarke Kreationen bot.

Das ändert sich mit dem Ende Februar erscheinenden Zweitling allerdings zum Besseren, auch wenn die atmosphärisch-melancholischen Keyboard- und Cleangitarren-Wechselspiele zum Beginn des Openers "Continuum Shift" auch auf DARK TRANQUILLITYs "Fiction" hätten ertönen können, und die danach einsetzenden Riffvariationen an eine deutlich kräftigere Melodic Death Version von SOILWORKs "Stalemate" ("Stabbing The Drama") erinnern. Die Grenzen verschwimmen bereits zu Beginn zunehmends und "Telltale Notion" zeigt, in welchen Problemzonen sich die Truppe verbessert hat: Die Übergänge und Taktwechsel schallen schlüssiger, die technischen Frickeleien wohldosierter und der Semi-Breakdown im Mittelpart fügt sich wunderbar in das Bild einer jungen und aufgeschlossenen Band, die das "Death" im "Melodic Death Metal" trotzdem sehr ernst nimmt.

Erstaunlich ist im übrigen die Klischeefreiheit des Keyboardspiels von Leo Wichmann, der sich ein um's andere mal einige bodom'sche Tasten-Riffbrett Duelle mit dem Kollegen Tschierschky liefert (das zuvor besprochene "Telltale Notion") und im nächsten Moment wohlig-sphärische Ruhephasen ("In Kingdoms Of Rain") eingeräumt bekommt, die dem sonst aggressiven Soundgewand sehr gut Paroli bieten. Das zeugt gleichzeitig von einem erheblich verbesserten Songwriting, im Vergleich zum Vorgänger ist das ab und an gar ein Klassenunterschied. Ein Wort, welches mir bei den vielen Durchgängen von "The Black Wild Yonder" dabei am meisten durch den eigenen Kosmos schwebte, war "Stimmungsvoll", denn in "Damaged Beyond Repair" schafft man es nicht zum ersten Mal auf diesem Album, durch eine reife Mischung aus manchmal gar idyllischen Ambient-Klanglandschaften und einprägsamen aber dennoch harten Riffwänden zu überzeugen. Das scheint mir persönlich auch die große Stärke von WORDS OF FAREWELL zu sein, da ihr Zweitwerk das hohe künstlerische Niveau über die volle Distanz wahrt, mit "Beauty In Passing" einen lupenreinen Nackenbrecher inklusive euphonisch-toller Refrain-Pointe hat, mit "Outer Rim" einen mitreißenden Stampfer und mit "Riven" einen anfangs epischen, später dann an eine Art Werkschau erinnernden Song im Gepäck hat, der zumindest meinem Verständnis nach der am meisten prädestinierteste Titelsong für "The Black Wild Yonder" ist bzw. wäre, weil er in gut sieben Minuten musikalisch all den fantastischen Momenten des Albums Revue passieren lässt, die diese Veröffentlichung zu einem echten Highlight machen.

Auch wenn man WORDS OF FAREWELL häufig ankreidet, Eigenständigkeit vermissen zu lassen: Das ist nicht mal der Ansatz von Wahrheit. Wie eingangs erwähnt, erinnert das aus Marl stammende Sextett sicherlich an das ein oder andere Vorbild aus Schweden oder Finnland, was aufgrund der musikalischen Ausrichtung ohnehin schwer gegenteilig zu bewerkstelligen wäre (man motzt bei deutschen Old School Death Bands auch nicht, wenn sie den typisch-skandinavischen Sound fahren). Nach oben erwähntem "Continuum Shift" war die Abtastphase und die damit verbundene Vergleicheklauberei nämlich äußerst schnell verflogen und übrig bleibt die Feststellung, dass man sich mit "The Black Wild Yonder" enorm gesteigert, weiterentwickelt und aus der Leidenschaft zu skandinavischem Melodeath ein durchaus eigenständiges Konstrukt geformt hat, auf das man auch in unseren Breitengraden gerne mal stolz sein darf. Ganz ohne Klargesang ist das Album eingängig und trotzdem mitunter auch mal komplex, atmosphärisch dicht aber nicht zu erdrückend, und vor allem Melodic Death Metal ohne Etikettenschwindel und amerikanisierte Soundbiederei. Und um mit einem abschließenden Kompliment an die Band den vermeintlichen Wirrsal des anfangs gewählten "soeben" auszuräumen: "The Black Wild Yonder" klingt mit jedem Durchgang frisch und nach einer Weile dennoch vertraut. Genug gesagt, reinhören!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (23.02.2014)

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