DELIRIUM TREMENS - Read My Fist

Artikel-Bild
VÖ: 11.04.2014
Bandinfo: DELIRIUM TREMENS
Genre: Thrash Metal
Label: Iron Shield Records
Hören & Kaufen: Amazon | Webshop
Lineup  |  Trackliste

Rückblende: es ist 1987, und wir tragen alle hautenge Jeans, ausgewaschene Band-Shirts, Jogging High und natürlich auch stolz unsere Kutten, die Patches sind unsere Jagdtrophäen. Wir haben die Haare schön (sprich: lang) und trinken nicht zu wenig, die Welt ist eine endlose Party, und immer, wenn man unseren heiligen Metal irgendwo öffentlich spielt, sind wir im siebten Himmel. "Bang that head that doesn't bang!" ist das Gebot der Stunde. Und Thrash Metal. Ganz viel Thrash Metal! Die CD hat sich gerade erst begonnen durchzusetzen, wurscht - Metaller von Welt tape-traden sowieso und kopieren knarzige Vinyl-Rillen auf noch knarzigere Audiokassetten, die dann der Autoradio frisst. Schwamm drüber, es ist ja 1987 und die Welt ist noch in Ordnung. Zumindest solange man Thrash Metal hat. ganz viel Thrash Metal...

2014. Wenn er sich dann am Mittwoch mal vom Samstags-Damenspitzchen erholt hat, kramt der Verfasser dieser Zeilen in seinen Erinnerungen, im Hintergrund läuft "Nothing Else Matters" im Radio. Zwischendurch schreibt er auch mal ein wenig was, und manchmal, ja manchmal schiebt er eine CD (hat sich mittlerweile komplett durchgesetzt) in den Schacht, wo es ihm dann die leicht angegrauten Gehirnwindungen ganz schön ordentlich durchzwirbelt, Haare sind ja schon längst ab. DELIRIUM TREMENS aus Bamberg? Never heard of. Obwohl, gibt's bereits seit 1996, und die Jungs sehen immer noch aus wie ich vor 25 Jahren. Sprich: genauso cool. Das Cover ist natürlich Klischee vom feinsten, chefmäßiger (aber ziemlich hässlicher) Metaller mag armes Skater-Würstchen vermöbeln, im Hintergrund die Chaostage. "Read My Fist", das dritte Langeisen des Quintetts fetzt ordentlich in Richtung Vergangenheit, aber ohne den Retourzug in die Gegenwart zu versäumen.

Hier regiert der Spaß, der Punk, der Rock'n Roll, das hört man von der ersten Takten des Openers "Rough Ride" weg, und auf eben selbigen dürfen wir uns mit der chaotischen Gang die nächsten 42 Minuten begeben. Das Schlagzeug scheint dem Rest immer ein wenig vorauszuhöppeln, so auf Druck ist das Zeug ausgelegt, und manchmal wird mir einfach nur schwindelig. Vielleicht bin ich ja schon zu alt für so was? Ach, nein. Das Rezept, denkbar einfach: fette Riffs in alter EXODUS- und ganz alter METALLICA-Manier ("Bonded By Blood" wohl einmal zu oft gehört, wa?!), die Songs echt kurzweilig und so voller Power und Speed, dass selbst KREATOR oder MORGOTH daneben aussehen wie der Oberstockstaller Kegelclub. Vielleicht sollte auch Mille des Öfteren "We'll Be Drunk Forever" grölen anstatt ständig seine nöligen "Do you want to kill each other?"-Ansagen zu strapazieren?

Read My Fist" geht auf jeder Party und ist nicht nur herrlich retro, sondern auch ganz schön mit Schmackes produziert. Retro mit Blick in die Zukunft sozusagen. Am ehesten fallen mir da noch TANKARD ein, da regiert nämlich ein ganz ähnlicher Spaßfaktor. Und damit der Ahnenkult nicht einseitig wirkt, kann man sich "Read My Fist" natürlich auch als Audiokassette bestellen - ach wie geil ist das denn! Mal ehrlich? Für mich eine der besten Thrash-Platten der letzten Zeit, weil sie einfach Spaß macht und voll in die Fresse fährt. Scheiß auf den Rest, schließlich ist 1987 ...oder etwa nicht?!



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Mike Seidinger (09.05.2014)

WERBUNG: Hard
WERBUNG: The Adicts - And It Was So!