Drescher - Erntezeit

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VÖ: 00.05.2014
Bandinfo: DRESCHER
Genre: Crossover
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Jawohl! Ladies und Gentlemen haltet euch fest: es ist Zeit für eine ordentliche Portion „Dresch – Metal“! Die härteste Volksmusik, die wir je gehört haben, ein Hybrid aus GOISERN und METALLICA – so beschreibt die Band aus der buckligen Welt (Niederösterreich) selbst ihren eigenwilligen Sound. Jetzt ist „Erntezeit“ (so auch der Titel des Debuts) und man kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus! Die Mundart – Kompositionen brennen sich ins Kleinhirn und sorgen – zumindest für die Spieldauer von „Erntezeit“ – für eine erhöhte Endorphin – Ausschüttung. Österreich hat ein neues, fünfköpfiges Aushängeschild in Sachen Alpenrock oder besser gesagt Metal. DRESCHER definieren den Stil Crossover völlig neu – nicht nur ob der Tatsache – dass u.a. eine Harmonika zum Einsatz kommt und somit der Begriff „Volksmetal“ wohl passender erscheint. Nein, hier verschmelzen volkstümliche (Harmonika, Mundart – Gesang) mit schwermetallischen Elementen zu einer einzigartigen, noch nie gehörten Sound – Collage…kurz: Dresch Metal! Doch immer der Reihe nach…

Mit „First Blood“ kann der Reigen beginnen. Nach einem kurzen, reinen Harmonika Intro, setzen langsam Stakkato – artige Gitarrenriffs und Drums ein und plötzlich findet man sich mitten im Song wieder. An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Harmonika – wie in ausnahmslos allen anderen Songs des Albums – zusammen mit den alt bekannten (Thrash)Metal Zutaten zu einer wunderbar harten Symbiose verschmelzen. Die orhwurmtaugliche Melodie, der Text in Mundart und die punkigen Thrash Metal Elemente machen „First Blood“ zum absolut gelungenen Opener! Da ist man sogar wieder stolz, Österreicher zu sein! Denn DRESCHER zeigen, dass unsere verpönte Volksmusik durchaus Metal – tauglich ist. Nur muss man wissen, wie man das Ganze anstellt und dieses Talent besitzen die Steinfeldner zweifelslos. Inhaltlich geht es um das ewige Spiel der Liebe, in welchem die weibliche Protagonistin zum Ende gewinnt. Passend dazu, ist das abrupte musikalische Ende, nach gut vier Minuten.

Ein weiteres Highlight ist „Zeit zum Gehen“, welches man aufgrund seiner Thematik (Trauer, Loslassen) und dem Midtempo – Feeling, noch am ehesten als Ballade bezeichnen kann. Passend dazu die tiefen, schweren Gitarrenwände und selbst die sonst so fröhliche Harmonika zeigt sich hier von ihrer melodiösen Seite.

Mit „5 Minuten Ruhm“ gibt man vom ersten Takt an Vollgas, passend zum lyrischen Thema Castingshows. Hier schwebt ein Hauch Humpaa – Feeling in der Luft und wird von den schnellen, abgehackten Gitarrenriffs unterstrichen. Der Refrain bleibt gleich, nach dem ersten Hördurchlauf, hängen und die Drums treiben den Song mit ihren Doublebase – Salven zusätzlich an. In der Mitte des Songs zeigen DRESCHER einmal mehr, dass sie technisch sehr versierte Musiker sind: ein Moshpart inkl. typischen Heavy Metal Gitarrensolo reißen den Hörer vom Hocker und verursachen zumindest ein gewisses, nervöses Zucken im Nackenbereich.

Bei „Bled grennt“ glänzt man einmal mehr durch musikalische Qualität. Die Soli der Gitarrenfraktion können sich wirklich - mehr als nur - hören lassen. Abermals ist das spielerische Tempo sehr hoch und der Titel geht als lupenreine Thrash Metal Nummer durch. Lediglich die reinen Harmonika Parts, sorgen gelegentlich für eine Verschnaufpause. Die musikalische Balance ist dadurch, was das Tempo betrifft, elegant ausgeglichen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass Bernd Wograndls Gesang des Öfteren mit Hall Effekten versehen ist. Thematisch werden sowohl ernste, als auch humorvolle Inhalte verwendet (bisher nicht erwähnte Titel wie „ Gscheitling“ handelt von selbstverliebten Idioten, oder in „Ois wos ma föht“ geht es um die sexuelle Revolution, die heutzutage oft vor dem Computer stadtfindet).

Als eine musikalische Bedienungsanleitung zum Beenden von Beziehungen , umschreibt die Band den Titel „Danke für Nix“. Ähnlich wie „Zeitung von Morgen“ eine sehr rhythmische Nummer, vor allem was die Gitarrenarbeit des dafür verantwortlichen Duos Wograndl/Engel angeht. Ebenfalls flott und mit einem enorm thrashigen, Headbang – tauglichen Riff kommt „Dresch Quetschn“ um die Ecke. Kommt live mit Sicherheit gut rüber und ist somit ein prädestinierter Hit für den Festival Sommer.

Als Rausschmeißer hat man sich die Band ein Ass im Ärmel aufbehalten. „Hallowed Be Thy Name“ von IRON MAIDEN zu covern – daran haben sich schon so manche Acts die Zähne ausgebissen. DRESCHER gehören mit ihrer Version, namens „Geheiligt werde dein Name“, definitiv nicht dazu. Die Harmonika übernimmt hier gemeinsam mit der Leadgitarre das Zepter und zusammen mit den üblichen Mundart Lyrics, mausert sich dieses Cover zu einem Highlight auf „Erntezeit“. Unfassbar, mit welcher Präzession und mit was für einem Mut, dem MAIDEN Klassiker hier gehuldigt wird. Am besten ihr hört es euch selbst an, denn mir fehlen die Worte für so eine einzigartige, noch nie da gewesene Leistung!

Das Fazit zu „Erntezeit“ kann und muss positiv ausfallen. Endlich hat Österreich eine Band am Start die nicht davor scheut, volkstümliche Elemente - in den so oft einheitlichen – Metal Brei zu integrieren. Doch die Art und Weise wie DRESCHER dieser Symbiose neues Leben einhauchen, ist einfach genial. Für mich ist das Quintett die Überraschung schlechthin, was den (österreichischen) Markt betrifft. Sympathische Musik von sympathischen Leuten – der „Dresch Metal“ hat es mir angetan. Unbedingt reinhören bzw. kaufen! Oder wollt ihr die österreichische Sensation in Sachen Metal etwa versäumen? Klarer Fall von Höchstpunkteanzahl...




Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Gunther Starchl (20.05.2014)

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