Waldgeflüster - Meine Fesseln

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VÖ: 10.01.2014
Bandinfo: Waldgeflüster
Genre: Black Metal
Label: Black Blood Records
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Lineup  |  Trackliste

WALDGEFLÜSTER haben Anfang diesen Jahres ihr Drittwerk "Meine Fesseln" veröffentlicht und lassen das Gefühl aufkommen, 2014 wird ein spannendes musikalisches Jahr, wenn es schon so gut anfängt. Wer den Vorgänger "Femundsmarka – Eine Reise in drei Kapiteln" kennt und mag, dürfte nicht überrascht sein, dass die Weiterentwicklung in genau die richtige Richtung geht.

"Meine Fesseln" ist ein absolut treffendes Album. Nicht nur musikalisch ist es ein Genuss, mit den Riffs, den Songverläufen, dem Sound, sondern auch textlich regt es zum Nachdenken an. "Wohin soll ich mich noch retten, wenn die alte Welt in Trümmern liegt..." - solche Textpassagen können Anlass für wunderbare biergetränkte tiefsinnige Gespräche bieten.

Die Herausforderung besteht für mich gerade darin, Worte zu finden, dieses Werk zu beschreiben, weil es mich sprachlos macht. Die Musik läuft, ich bewundere die Drums, die von dem DER WEG EINER FREIHEIT-Schlagzeuger, Tobias Schuler, eingespielt wurden. Die Riffs lenken meine Gedanken vollständig in die Musik, mit dem Wechsel zwischen verspielt akkustisch hin zu treibend schnell und diese Art von Riffs, die pure Sehnsucht, verbreiten, für die mir vollständig die Worte fehlen. Bis auf einer Ausnahme, kommen in jedem Song zweistimmig gesungene Passagen vor. Winterherz beweist hier wieder seine Cleangesang-Künste, selbstverständlich hat er das wütend-verzweifelte Brüllen auch nicht verlernt.

Die Songverläufe und auch die Riffs sind noch ausgereifter als auf den Vorgängeralben. "Meine Fesseln" weiß um dessen Wurzeln und hat sich neue Äste und Triebe wachsen lassen. Akkustikriffs, die zu stürmenden Passagen führen, die nach vorne gehen, Screams gepaart mit Cleanvocals und dann ein Riff, dass die Vorwärtsbewegung kurzfristig bremst, um dann wieder anzuziehen. Es ist ein Auf und Ab in den Songs, ein Spiel mit Intensität und Emotionen. Diesem Spiel kann man gut folgen, die Regeln sind trotz der Vielschichtigkeit verständlich und es macht tierisch Spaß mitzuspielen.

Der Song "Trauerweide Teil I" muss gesondert benannt werden. Beim erstmaligen Hören stand ich wie vom Donner gerührt da, solch wunderschöne Gitarrenriffs habe ich lange Zeit nicht mehr gehört. Langsam schleppend beginnt der Track, nur ein Wort wird immer mal wieder geschrien "Trauerweide" und dann setzt die Leadgitarre zusammen mit der Doublebass ein. Die Leadmelodie wird zunehmend lauter und kräftiger, bis mir bewusst wird, diese Gitarre weint und es klingt so herrlich. In diesem Moment bekomme auch ich tatsächlich Tränen in die Augen und mir stockt der Atem. Einfach zum niederknien. OMEGA MASSIF haben es auch drauf die Leadgitarre derartig in Szene zu setzen, dass man kaum glauben kann, was man gerade hört.

Winterherz hat mit dieser Veröffentlichung auch wieder sehr naturverbundene Texte verfasst, im Gegensatz zu den Vorgängern empfinde ich die Lyrics jedoch dichter an der menschlichen Natur, was mir sehr entgegenkommt. In dem Stück "Der Nebel" heißt es zum Beispiel "Stille, wo sonst rasende Wut – Nur einsame Leere bleibt zurück...." ich mag es mir gar nicht vorstellen, wie es ist, auf einmal innere Leere zu finden, wo sonst ein Vulkanausbruch der Wut das Denken übernahm.

Auffallend häufig wird die Weide besungen, es spart sich die Frage nach dem Warum. Wer jemals als Kind auf Bäume geklettert ist, der weiß, dass gerade die Weiden sich besonders gut als gemütlicher Sitzplatz eignen, ganze Stunden kann man in den Bäumen verbringen. Eine Kiefer zum Beispiel, eignet sich nicht gerade für ein Kind zum darauf herum turnen. Die Weide ist zum Klettern und darauf sitzen der absolute Favorit, sie hat es verdient, oft Erwähnung zu finden. Selbst heute erwische ich mich noch dabei, darüber nachzudenken, ob die eine oder andere Weide nicht ein schöner Platz zum Sitzen wäre, da ich aber größer und unbeweglicher geworden bin und auch die kindliche Leichtsinnigkeit zum Großteil verloren habe, lasse ich die Klettervorhaben dann doch sein.

WALDGEFLÜSTER haben mal wieder bewiesen, dass naturverbundener Black Metal nicht im Kitsch abrutschen muss und er auch ernsthaft und formvollendet transportiert werden kann, wenn man es denn kann. Es bleibt jetzt nur zu hoffen, dass es dieses Jahr noch eine Tour gibt, diese Songs muss ich einfach auch einmal live erleben.



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Natascha Schmieding (24.05.2014)

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