Bethlehem - Hexakosioihexekontahexaphobia

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VÖ: 10.10.2014
Bandinfo: BETHLEHEM
Genre: Dark Metal
Label: Prophecy Productions
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Lineup  |  Trackliste

Endlich ist es so weit und das Warten hat sich gelohnt – so viel sei gleich eingangs verraten. Es geht um das bereits sechste Studioalbum der eigenwilligen, deutschen Dark-Metal-Ikonen BETHLEHEM, welche uns mit "Hexakosioihexekontahexaphobia", eine abwechslungsreiche CD präsentieren. Der nahezu unaussprechbare Titel beschreibt, was die Truppe auszeichnet: Nonkonformität, Unbequemlichkeit und Undurchsichtigkeit. Nachdem seit „Stönkfitzchen“ (EP) bereits vier lange Jahre ins Land gezogen sind, hat das letzte reguläre Studioalbum („Mein Weg“) auch schon zehn Jahre auf dem Buckel. Grund genug nachzusehen, was lediglich zwei verbliebene Konstanten in der Bandbesetzung (Bartsch, Klein), auf ihren neuen Output zu Stande bringen.


Für den aktuellen Release holte sich das Duo aus Grevenbroich natürlich Verstärkung ins Studio. Die Chiffrenlyrik, mit welcher Jürgen Bartsch seit Beginn BETHLEHEM seinen ganz eigenen Stempel aufdrückt, ist nach wie vor eines der Aushängeschilder der Band. Bei "Hexakosioihexekontahexaphobia" intoniert einmal mehr Guido Meyer de Voltaire Bartsch`s abstrakte lyrische Ergüsse. Fans der Dark Metaller, mit Hang zum DSBM, kennen den Sänger bereits von "Schatten aus der Alexander Welt" und "Mein Weg", welche er ebenfalls einsang. Somit wäre das Lyrische bzw. die Gesangsmaschinerie gut geölt und bereits erprobt, obwohl dies zugleich die letzte Kooperation zwischen Voltaire und BETHLEHEM sein wird (geht es nach Voltaire). Musikalisch bzw. an der Gitarrenfront half Olaf Eckhardt aus und somit wuchs man während der Aufnahmen zum Quartett. Soweit die Eckdaten der neuen Scheibe, kommen wir nun zum musikalischen Ergebnis des neuen Werkes der Deutschen.


Die Hauptfrage, welche sich die HörerInnen stellen ist, ob es der Dark-Metal-Legende tatsächlich gelungen ist, wieder Songs zu schreiben, die an gute alte Zeiten (à la „Dark Metal“ oder „S.U.I.Z.I.D“) anknüpfen können. In der Kurzfassung lautet die Antwort „Jein“. Denn auf dem aktuellen Output spielt man sich gekonnt durch die verschiedensten Schaffensphasen der Band und hat natürlich auch Nummern an Bord („Verbracht in Plastiknacht“, „Spontaner Freitod“ oder „Antlitz eines Teilzeitfreaks“), welche an die enorm dunkle Seite der Truppe erinnern. Auffallend ist auf "Hexakosioihexekontahexaphobia“, dass man dieses Mal den Industrial-Anteil – in noch nie da gewesene – Höhen geschraubt hat. Nachzuhören unter anderem auf „Nazi Zombies mit Tourette-Syndrom“. Ebenfalls neu sind die vielen Chor-Elemente, doch ansonsten ist man den bandtypischen Trademarks treu geblieben! „Spontaner Freitod“ gilt als das Aushängeschild für die Verbeugung an ihre Anfangstage. Neben den schönen ruhigen Parts mit wunderbaren, minimalistischen Leadgitarrensoli und dem allzeit skurrilen Texteinlagen. Bei „Verbracht in Plastiknacht“ intoniert Voltaire die Textzeile: „Dein Freitod ist Teil meiner unheiligen Macht“ derart düster, dass man den Hauch des Sensenmannes zu spüren glaubt. Das Wechselspiel zwischen schnellen, aggressiven und langsamen, (musikalisch) minimalistischen Parts funktioniert (nach wie vor) sehr gut und auch bei diesem Song ist der Industrial-Anteil sehr hoch. Dies merkt man bei den Lyrics und der musikalischen Umsetzung. Mit „Höchst alberner Wichs“ haben die Jungs sogar ein Instrumental am Start, welches jedoch eher vor sich hin plätschert, als großartig heraus zu stechen. Balladeske Momente findet man in „Letale familiäre Insomnie“ und dies gelingt BETHLEHEM sehr gut. Hier hört man gut die musikalische Weiterentwicklung der Band ohne jedoch, sich nicht selbst treu zu bleiben. Gekonnt flechtet man die neuen Elemente ein, ohne an Glaubwürdigkeit zu verlieren, oder total andere musikalische Pfade zu bestreiten. Bei „Kinski`s Cordicepsgemach“ zeigt Voltaire einmal mehr mit einer glanzvollen gesanglichen Leistung auf und lässt einen – ob des großen stimmlichen Umfangs des Guten – mit offenem Mund staunen. Dieses Stück kann man getrost als Werk ansehen, in welchem die Gruppe alle möglichen und unmöglichen Songstrukturen zu einem fast sieben-minütigen Epos zusammenträgt.


Doch auch die Fans der letzten Studioalben („Mein Weg“, „Schatten aus Alexanderwelt“) kommen, gleich mit den ersten zwei Songs voll auf ihre Kosten. Der Opener „Kettenwolf greint 13-11-18“ und das darauffolgende „Egon Erwin`s Mongo Mumu“ knüpfen nahtlos da an, wo man mit den letztem Studioalbum aufgehört hat. Die Titel fressen sich nahezu mit jedem Hördurchlauf in die Lauscher des Hörers und Voltaire sorgt für einen schönen cleanen Gesang und der typische Hall auf den Gitarren darf natürlich auch nicht fehlen. Genauso wenig, wie die langsamen, ruhigen Gitarrenparts. Bei Song Nummer zwei bekommt man den Eindruck, ein Drumcomputer sei am Werk, so extrem punktgenau – wie ein Uhrwerk – hört sich das Schlagzeugarbeit an.

Fazit: Mit "Hexakosioihexekontahexaphobia“ knallen uns BETHLEHEM, nach einer vollen Dekade Wartezeit, ein abwechslungsreiches Album vor den Latz. Dabei dürften sie schallend lachen. Denn trotz der vermehrten Einflechtung von Industrial-Elementen und Chören, bleibt man den bandtypischen Dark-Metal-Sound – samt allen Bandtrademarks – treu. Diese Veröffentlichung wird sowohl Die-Hard-Fans, als auch Anhänger nicht so extremen Materials, ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Tolles „Comeback“! Da nicht alle Songs das hohe Niveau halten können, muss ich leider einen Punkt abziehen. Für alle, die mit dem normalen Album noch nicht genug haben, sei gesagt: Es gibt auch eine Special-Edition, bestehend aus einer zehn LPs umfassenden Vinyl-Box, inklusive 60-seitigem Booklet und Poster! Außerdem wird „Dark Metal“ mit einer Live-DVD re-released.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Gunther Starchl (16.10.2014)

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