Tip The Balance - Tip The Balance

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VÖ: 12.12.2015
Bandinfo: Tip The Balance
Genre: Progressive Metal
Label: logischdenker Records
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Lineup  |  Trackliste

TIP THE BALANCE waren mir bisher kein Begriff, trotzdem hab ich mir das Album ausgesucht, da ich schon ein wenig Fan von Konzeptalben im Rock und Metalbereich bin. So einfach bin ich gestrickt ("I´m a Bergbauernbua from the Mountains hight - Volksrock´nroll" jammert dem alten Gabalier sein Sohn).

Seit der "Into The Electric Castle" von AYREON bin ich immer wieder gespannt, wie man das Metier anlegen kann, welche Themen auf den Tisch gebracht werden und ob es funktioniert oder eben nicht. Die schönste Geschichte mit hochliterarisch feinst ziselierten Themen hilft nichts wenn die Musik auf HARD STEEL-Niveau ausrutscht.

Ein paar Eckdaten zum vorliegenden Projekt: 2013 schlossen sich Heiko Mürkens (Keyboards bei JANUS EXPERIMENT), Bastian Knochel (logischdenker Records) zusammen, um ein Konzeptalbum zu komponieren, das es so noch nicht gab. Die Prämisse war/ist, den Kampf zwischen den Abstrakta "Gut" und "Böse" zu verewigen. Da kann man schon sagen, dass das vielleicht so nicht richtig ist. Der Kampf zwischen diesen beiden Antipoden begleitet die Rockmusik seit den 1960ern. Und wahrscheinlich schon viel länger in anderen Formen der Musik, wie zum Beispiel dem Blues, von der Klassik ganz zu schweigen. (/Klugscheissermodus)

Bei vorliegendem Material wird das "Gute" im Schublädchen des Progressive Power Metal abgelegt, das "Böse" geht in die Thrash/Death-Metal Ecke.
Dabei sind noch weitere JANUS EXPERIMENT- Musiker und für die fiese Seite konnte Becky Gaber an Bord geholt werden.

Soda, jetzt wissen wir wer, was und auch warum gemacht hat.

Und wie hört es sich an?

Wie ein Konzeptalbum zwischen 70er-Verwirrtheiten und AYREON.
Grob, meine lieben Malzwhiskyfreunde. Was TIP THE BALANCE im Unterschied zu vorgenannten schaffen ist es, ein paar wirklich gute Songs geschrieben zu haben ("Atwain" ist ein hundsgemeines Stück Thrash/Death mit superbem Riffing).
Die Band schafft es spielend, progressiv angehauchtes Material (der Beginn von "Voices" zum Beispiel") mit recht straightem Power Metal zu vereinigen.

Mit 42 Minuten ist das Album für ein Konzeptwerk recht knapp bemessen, was andererseits aber dann auch löblich ist, bedenkt man was sich an Ödnis bei vielen überlangen Album in diesem Genre tut. Da geht eine Elfe durch die Gegend. Eine "Band of Merry Men" sitzt in der Schenke bei einen Krug Bier und einem Kanten Brot und irgendein Oberevil macht etwas extrem obereviles. Meist sogar noch eviler als beim vorigen Album.

Nicht hier, Spaziergänge von links nach rechts in Richtung Gegner werden hier wohlweislich unterlassen.

Gut, igentlich ist jedes Lied des Albums gelungen und durch die Aufteilung in eher melodisches Liedgut einerseits und andererseits in etwas härtere Schichten zieht sich das Album nicht extravagant in die Länge
Ich gebe es zu, ich hatte anfangs Probleme mit der Produktion. Die ist zwar schön transparent, aber offensichtlich muss ich mir neue In-Ears für meinen mp3 Player kaufen denn mit dieser Ausrüstung klang das ganze wie eine Fleisch und Erdäpfel-Produktion. Über die Anlage (hüstel, PC-Lautsprecher) ist aber der volle Sound da, die Gitarren kräftig und das ganze Klangbild extrem transparent. Und zum Glück nicht auf modernst getrimmt sondern richtiggehend traditionell. Nicht komprimiert, nicht überlaut und sollte bei den Drums getriggert worden sein, dann wirklich fachmännisch. Hören tut man es nicht.

Bis auf das extreme Growlen (klingt ein wenig wie Chris Barnes) sind die Stimmen alle in meinem Geschmacksrepertoir. Also auch hier weiße Fahne.

Für ein Erstlingswerk darf man "Tip The Balance" schon als gelungen bezeichnen. Klar, ab und an biegt man einige Gesangszeilen schon etwas mühevoll an die Musik heran und das Cookie Monster am Gesang ist heutzutage im Metal auch nicht mehr wirklich als der böse Watz bekannt.

Aber insgesamt kann man sich das schon antun. Noch dazu sind die Texte richtig gut gelungen.

Mehr davon, meine Herren (und Damen)!





Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (24.01.2015)

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