Thy Art Is Murder - Holy War

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VÖ: 26.06.2015
Bandinfo: THY ART IS MURDER
Genre: Deathcore
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

Wenn man's heutzutage als eine Band mit Core-Einflüssen schafft, in den Tausendsassa des Metals - die Encyclopaedia Metallum (The Metal Archives) - vorzudringen, kann man sich eigentlich schon wieder auflösen, denn viel besser kann die Karriere eigentlich gar nicht mehr verlaufen. Kleiner Scherz am Rande, keine Sorge: THY ART IS MURDER geben sich noch lange nicht geschlagen und schicken mit "Holy War" ihr drittes Werk an, das wie schon das Album ihres Durchbruchs, "Hate", in Europa über Nuclear Blast erscheint.

Seine berechtigten Gründe hat die Aufnahme im heiligen Archiv jedenfalls, denn die Australier konnten mit besagtem "Hate" nicht nur bei eingefleischten Deathcore-Fans, sondern auch bei Death-Metal-Puristen landen, was im modernen Schubladendenken und Musik-Elitismus ungefähr so einfach zu erreichen ist, wie das Auslöschen des politischen oder religiösen Extremismus' aus den Köpfen einiger Verwirrter. Letzterem scheinen sich THY ART IS MURDER auf "Holy War" auch anzunehmen, wie der Titel, die Texte und vor allem das Coverartwork der Digipack-Edition zumindest vermuten lassen. Die Tatsache, dass jenes zukünftig schon Grund für Anstoß sein könnte, spricht durchaus ihr eigenes Plädoyer zu diesem Thema.

Wer "Hate" kennt, wird wissen, dass THY ART IS MURDER mit ihrer bestialischen und kompromisslosen Mischung aus angeschwärztem Death Metal, vielen Tempowechseln und brutalen Breakdowns aus dem Core-Genre geradezu prädestiniert für schallende Hasstiraden sind. Große Neuerungen im Sound des Quartetts sollte man von "Holy War" allerdings nicht erwarten, was man den Aussies irgendwo auch nicht verdenken kann, denn: Einerseits funktionierte der Sound bisher und führte letzten Endes auch zur stark gestiegenen Popularität, andererseits ist die technische Versiertheit der einzelnen Bandbausteine ohnehin schon stark ausgeprägt.

Auf "Holy War" übersetzt heißt das, dass THY ART IS MURDER zwar in der Lage sind, die Qualität des direkten Vorgängers zu erreichen, das Einschleichen erster leichter Abnutzungserscheinungen aber nicht verhindern zu können. Anders ausgedrückt: Der Opener "Absolute Genocide", der Titeltrack des Albums oder auch "Emptiness" z.B. beginnen mit wie vom Quartett gewohnten finsteren Gitarrenläufen, die auch von BEHEMOTH stammen könnten und stauen mit schleppendem Riffwerk ordentlich Wut auf, die sie im anschließenden Blast-Inferno entladen. Erschwernis ist hierbei, dass man das haargenau so von "Hate" kennt und man somit schnell übersättigt sein kann. Erschwerend kommt hinzu, dass THY ART IS MURDER sich nicht nur von Album zu Album quasi überhaupt nicht entwickeln, sondern auch innerhalb von "Holy War" eine gewisse Variation vermissen lassen, die man lediglich mit Midtempo-Brechern wie "Fur And Claw" und "Coffin Dragger" sowie dem melodischen "Child Of Sorrow" aufblitzen lässt.

"Holy War" ist also weder schlecht noch durchschnittlich, zeigt trotz der instrumentalen Stärke aber Defizite in Sachen Songwriting, die den heiligen Krieg zu einer insgesamt sehr eintönigen Intonierung diverser menschlicher Abgründe und Brutalitäten formen. Das ballert immer noch äußerst diabolisch aus der heimischen Anlage, ist lyrisch ein Aufmerksamkeit erregender Hassbatzen und weiß größtenteils auch zu gefallen, legt aber auch ganz klare Beweise dafür vor, dass THY ART IS MURDER wohl eher nicht zu der Sorte Bands gehören, die Album für Album ihren immergleichen, jahre- bis jahrzentelang getragenen Stiefel runterspielen können, ohne sich dabei abzunutzen. Der Stillstand sucht sich sein neues Gesicht und könnte sich im nächsten Longplayer bereits heimisch fühlen.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (18.06.2015)

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