Deison & Uggeri - In The Other House

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VÖ: 01.06.2015
Bandinfo: Deison & Uggeri
Genre: Post-Rock
Label: Loud!
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Lineup  |  Trackliste

Wer Musik nicht als reines, schnelllebiges Konsumgut begreift, nimmt sich Zeit. Zeit, um Details und Nuancen zu erfassen, die vielleicht bisher verborgen geblieben sind. Zeit, um Kompositionen zu erfassen, und sie im Zusammenhang mit dem Konzept des Albums und den folgenden Stücken zu sehen. Zeit, um Musik als das zu begreifen, was sie sein sollte: Kunst. Im besten Fall stimuliert sie den Geist, regt zum Träumen an, lässt einen inneren Film ablaufen. Den ganz eigenen Film. Den, den sonst niemand sonst sehen kann.

Die italienischen Musiker DEISON & UGGERI haben mit "The Other House" ein solches Album geschaffen. Es will entdeckt und erforscht werden. "The Other House" ist eine Art Soundtrack zu einem ganz persönlichen Geisterfilm. Es geht um Räume, in jedem dieser Räume versteckt sich eine unheimliche, dunkle Präsenz. So kommt es, dass es viele Field-Recordings zu hören gibt. Geräusche von Türen, Schritte. Diese werden untermalt von äußerst atmosphärischen Drones, die nicht einfach nur erzeugt, sondern tatsächlich komponiert wurden. Dazu gesellen sich immer wieder Streicher, deren tieftrauriger Klang sich Lava-artig in den Klangfluss ergießt und eins wird mit dem "Raum".

Wirkt "Fessure (Attic & Stairs)" mit seinen Bass- und Pianolinien noch seltsam zugänglich, wie der Eintritt in ein altes, verlassenes Spukhaus, fordert spätestens das folgende "So Detached (Dining Room & Terrace)" die volle Aufmerksamkeit des Hörers und den Willen, sich auf den Klang zu konzentrieren. "Micro Drama (Kitchen)" bindet wieder wundervolle Pianopassagen mit ein, natürlich nur sehr minimalistisch, während "Stasis (Bathroom)" schon fast noisige Elemente in den Sound mit einbringt.

"Worried Stagnation (Bedroom)" ist hauptsächlich ein langer, von einigen Geräuschen begleiteter Drone, nicht unähnlich der Stimmung von ULVERS "Perdition City". "Prelude, Largo (Stairs & Cellar)" schließt die Platte dann wieder etwas zugänglicher ab. Selbst ein Begriff wie "Post-Rock" ist sehr gewagt für dieses Album. Liebhaber von Klanglandschaften und generell von Ambient lastigen Soundtracks sollten definitiv rein hören.

Kurz: Klingt wie eine Kreuzung aus Soundtrack, LUSTMORD und SOPHIA mit dezenten Streichern, Klavier und dezenten Gitarren.Für anspruchsvolle Klangforscher ein Muss.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Alex M. (29.07.2015)

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