Heldmaschine - Lügen

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VÖ: 21.08.2015
Bandinfo: HELDMASCHINE
Genre: Industrial
Label: Soulfood Music
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Lineup  |  Trackliste

HELDMASCHINE gingen 2011 aus der RAMMSTEIN-Tribute-Band VÖLKERBALL hervor, die sich mit dem Album "Weichen + Zunder" auf eigenständige Pfade begab. Seitdem sind die beiden Bands als jeweils eigenständige Projekte parallel unterwegs, und HELDMASCHINE legen nun mit "Lügen" ihr bereits drittes Album vor. Durch den Ursprung der Band ist auch die musikalische Ausrichtung die sich im Bereich NDH/Industrial bewegt nicht wirklich überraschend - aber dennoch bemühen sich die sechs Deutschen rund um Fronter René Anlauff (stilecht als Till-Lindemann-Lookalike unterwegs) möglichst viel Eigenständigkeit in ihren Sound zu packen, was ihnen auch über weite Strecken ganz gut gelingt.

Von den Livequalitäten der Truppe durfte sich Stormbringer ja schon bei der Eisheiligen Nacht im Vorjahr überzeugen, so ist es nun an der Zeit die HELDMASCHINE auch auf Konserve einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. War das Vorgängeralbum "Propaganda" noch extrem von der RAMMSTEIN-Cover-Vergangenheit beeinflusst, bemüht man sich nun auf "Lügen" sehr stark sich von diesem Nimbus zu befreien. Das funktioniert über weite Strecken auch sehr gut, schraubt man doch Zugunsten eigenständigeren Sounds den Elektro-Anteil um ein ordentliches Stück nach oben.

Doch halt - Elektro? Ja, ihr habt richtig gehört! Deutlich mehr elektronische Beats als bisher von HELDMASCHINE gewöhnt bekommt man auf dem neuen Silberling zu hören - teilweise in den Electrogoth/Cyberpunk-Bereich vorstoßend, und vielfach tanzbar. Die Synthie-Ausflüge sind dabei mit die Aushängeschilder des Albums, werden jedoch gerade jene Hörer die auf kernige Industrial-Kost gehofft haben eher verschrecken. Zumal die Singleauskopplung "Wer Einmal Lügt" im Vergleich zum Rest des Albums eher hart daherkommt, und nicht unbedingt als Gradmesser für den generellen Sound auf "Lügen" herangezogen werden kann.

Schon der Opener "Collateral" geht deutlich in die elektrolastige Ecke, und auch das folgende "Schwerelos" mit Überlänge und tanzbarem Rhythmus führt das Begonnene fort. Hier erinnern HELDMASCHINE mit ihren pointierten Schüttelreimen den österreichischen Hörer gar ein klein wenig an die Kultblödler von der EAV. Das ohrenschmeichelnde "Wir Danken Euch" bleibt im Kontext dazu musikalisch eher blass und unspektakulär, dafür darf beim Text geschmunzelt werden - 'Der Wahnsinn packt uns, und wir feiern / mit euch - und viel zu dicken Eiern'

Dicke Eier beweisen HELDMASCHINE dann im Verlaufe des Albums bei ihren Texten - da werden schon einmal die selbsternannten Asylkritiker demontiert ("Ich Will Dein Bestes"), mit ziemlich krassen Worten das politische Geschehen interpretiert ("Ein Traum", hier zeigt Fronter René auch beeindruckende stimmliche Tiefe), oder auch häusliche Gewalt zum Thema gemacht ("Einmal Ist Keinmal"). Vor allem in letzterem, sehr balladesken Titel wirken die harten Lyrics mit ihrem krassen Gegensatz zur sanften Musik sehr gut. Fast ein wenig poppig die beiden Songs in denen sich HELDMASCHINE mit ihren Tourkollegen der Eisheiligen Nacht, UNZUCHT, zusammengetan haben, "Tränenblut" und "Die Zeit Ist Reif". Richtig cool dafür der Titel an dem TANZWUT mitwirken durften - "Der Hammer Fällt" geht äußerst gut ins Ohr, und verweilt dort ziemlich lange, genau wie der Rausschmeißer "Die Roboter", dessen Synthiemelodie man nur schwer wieder aus dem Schädel bekommt.

HELDMASCHINE liefern mit ihrem dritten Silberling "Lügen" ein verdammt gutes Album ab, das durch seine Elektrolastigkeit allerdings ziemlich polarisieren wird. Gut möglich dass sich Fans der ersten Stunde damit nicht mehr identifizieren werden können, dafür werden sich HELDMASCHINE durch die inzwischen ziemlich klare Abgrenzung zu ihren Wurzeln und ihrem Parallelprojekt bestimmt auch so einige neue Fans erschließen können. Für den Hardcore-Metaller oder RAMMSTEIN-Fanatiker ist "Lügen" nicht wirklich geeignet, dafür dürfen stiloffene Hörer die in tanzbaren Beats kein Teufelszeichen sehen gerne zugreifen. Denn live wird das Material ohne Frage ordentlich knallen!



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (28.08.2015)

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