Slayer - Repentless

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VÖ: 11.09.2015
Bandinfo: Slayer
Genre: Thrash Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

War ich nach dem ersten Höreindruck (im Juli in den heiligen Hallen von Nuclear Blast Records) noch hin und weg, erweist sich nun „Repentless“ als sehr gutes, aber keineswegs überragendes SLAYER-Album. Aber der Reihe nach:

Die Vorzeichen waren ja mehr schlecht als recht - sechs Jahre nach „World Painted Blood“, dem tragischen Tod von Gitarrist Jeff Hanneman und dem Rauswurf von Drummer Dave Lombardo markiert „Repentless“ ohne Zweifel eines der wichtigsten Alben in der langen Karriere von Kerry King und Tom Araya. Dass sie dabei auf die Unterstützung von Gitarrist Gary Holt (EXODUS) und Heimkehrer Paul Bostaph (war zwischen 1992 und 2001 schon einmal bei SLAYER aktiv) bauen konnten ist zwar löblich, ändert aber nichts an der Wichtigkeit der zwölf neuen Songs.

Wobei gar so neu ist jetzt nicht alles, was da auf „Repentless“ so herumfleucht – "Atrocity Vendor" wurde schon zu „World Painted Blood“-Zeiten aufgenommen und erschien bereits 2010 auf einer limited 7", „Implode“ kennen wir schon seit mehr als 12 Monaten, „When The Stillness Comes“ gab’s zum Records-Store-Day im April dieses Jahres und den Titelsong spendierten uns SLAYER schon im Sommer 2015.

Trotz all der Veränderungen in den letzten Jahren klingt das Gesamtwerk „Repentless“ dennoch eindeutig nach SLAYER, einige Songs könnten gar auf einem Klassiker wie „South Of Heaven“ ihren Platz finden, antiquiert ist das neue Material dennoch nicht. Nebst dem bereits vorab veröffentlichten, formidablen Titelsong, treten auch die nicht minder genialen „Take Control“ und „Atrocity Vendor“ beherzt in den Allerwertesten. Kritisch hinterfragen soll und darf man aber die Mid-Tempo-Phase, welche sich von „Vices“ bis einschließlich „Piano  Wire“ zieht. Dass „When The Stillness Comes“ ein Langeweiler ist, weiß man spätestens seit dem diesjährigen Schallplattentag, „Vices“ selbst ist so ein „South Of Heaven“-Track, „Cast The First Stone“ beginnt super-düster und mystisch, weist aber sonst nicht wirklich viele Höhepunkte auf. „Chasing Death“ kommt zumindest anfangs ein wenig aus den Pötten, grooved sich sonst aber eher dezent im Kreis. „Implode“ kennt der geneigte SLAYER-Fanat nach gefühlten 1000 Umdrehungen sowieso schon in und auswendig, angenehm, dass hier wenigstens ab und an das Gaspedal gegen Anschlag gedrückt wird.

Dann kommt das im Vorfeld hochstilisierte „Piano Wire“, das Jeff Hanneman-Vermächtnis. Araya singt gar zu Beginn (tut er übrigens gerne, oft und auch verdammt gut auf „Repentless“), abwechslungsreich, im Soliteil gar irrwitzig schnell, sonst aber ein weiterer „South Of Heaven“-kompatibler Song. Gar lechzend hechelt  man sich zum „Atrocity Vendor“, in dem die vier Herren endlich wieder drauflos bolzen und der wahrscheinlich gerade ob seiner Platzierung am Album eine wahre Wohltat geworden ist. Selbiges gilt übrigens auch für „You Against You“, welches nicht nur superb-schnell dahin donnert und obendrein neben dem Titelsong den wohl nachhaltigsten Refrain mitbringt, nein, auch diese wahnwitzigen Wah-Wah-Soli, wie man sie auf „Reign In Blood“ zum Beispiel bestaunen durfte, hielten wieder Einzug. Zum Abschluss gibt es – an sich mittlerweile Usus bei SLAYER – mit „Pride In Prejudice“ einen langsamen, bedrohlichen, gar beängstigenden SLAYER-Rausschmeißer, der auch ob seiner Trägheit, aber hauptsächlich wegen seines nachhaltigen, wenngleich auch subtilen Refrains gefällt.

Bei all der im vorliegenden Review geäußerten und von einer über drei Dekaden andauernden Liebesbeziehung zu dieser Band gestützten Kritik gerade den Mittelteil des Albums betreffend, muss man zusammenfassend sagen: SLAYER ist  mit „Repentless“ ein für manche wohl überraschender Befreiungsschlag geglückt. Die beiden „Neuen“ brachten eine Spur an frisches Blut in die Band, motivierten wohl auch Kerry King zusätzlich noch härter an seinem Songwriting zu arbeiten (neben Bostaphs-Ausnahmeleistung die größte Überraschung, dass King zumindest einige wirklich gute und auch langlebige Tracks schreiben kann!) und ein Terry Date hauchte der Truppe endlich wieder diesen dreckig-verzerrten Gitarrensound ein.

This is definitely SLAYER



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Reini (10.09.2015)

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