Dawn Of Destiny - To Hell

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VÖ: 02.10.2015
Bandinfo: Dawn Of Destiny
Genre: Power Metal
Label: Phonotraxx Publishing
Lineup  |  Trackliste

Nachdem sich die Jungs und das Mädel von DAWN OF DESTINY im vergangenen Jahr mit "F.E.A.R." zum ersten Mal an ein Konzept ranwagten, soll dies nun keine Ausnahme bleiben. In einem Interview erzählte mir Alleskönner Jens bereits, dass auf den letzten Ableger einige positive Resonanzen folgten, die ihn darin bestärkten, das neue Werk "To Hell" erneut mit einer aussagekräftigen Geschichte auszustatten. Leider gibt's aber auch ein paar weniger erfreuliche News, was die Besetzung der Truppe anbelangt: Der langjährige Gitarrist Veith Offenbacher verfolgt in Schweden nun andere Pläne und spielte bereits vor geraumer Zeit seine Abschiedsshow. Bei den Aufnahmen zu "To Hell" ist er teilweise noch an der Gitarre zu hören, wohingegen der Großteil an Spuren diesmal von Jens höchstpersönlich eingespielt wurde. Weitere Verstärkung gab's noch vom ex-AXXIS Gitarristen Marco Wriedt. Wer im übrigen Gefallen an den Gastauftritten der letzten Platte gefunden hat (Jon Oliva, Mats Leven), dem wird mit großer Wahrscheinlichkeit die Info entgegenkommen, dass auch die neue Scheibe mit Björn "Speed" Strid (SOILWORK) und Zak Stevens (Circle II Circle, SAVATAGE) zwei Hochkaräter am Start hat.

Das Konzept von "To Hell" passt zeitlich zu den Ereignissen, die die Welt aktuell bewegen, denn man nimmt sich hier in gewisser Weise der Flüchtlingsthematik an, wobei gleichzeitig eine Liebe im Vordergrund steht, die augenscheinlich von einigen schwerwiegenden Lügen überschattet wird. Den Rest ergründet ihr am besten selbst, wenn ihr durch das mit Details gespickte Booklet blättert! Musikalisch ereilen uns mit dem Opener "Hide Our Sorrow" orientalische Klänge, die das Grundkonzept sehr gut in den Fokus rücken. In Relation zu "F.E.A.R." wirkt der ganze Sound noch düsterer, was sich im Folgenden auch fortsetzen wird. Während es auf dem letzten Werk einige Stimmungsschwankungen gab, folgt man hier eher einem roten Faden, der sich in der Musik sehr gut wiederspiegelt. "Hide Our Sorrow" wirkt an sich wie ein Cocktail bestehend aus Zutaten, die DAWN OF DESTINY in ihrer gesamten Diskografie bisher eingestreut haben - Atmosphäre, eine ordentliche Portion Härte und diesen epischen Hymnencharakter, der das Ganze zu einem Erlebnis der besonderen Art macht. "Fire" zeigt sich vom Gewand her zwar deutlich einseitiger, glänzt aber insbesondere mit Sängerin Jeanette Scherff, die hier unglaublich viel Kraft versprüht und den Hörer vollends für sich beansprucht. Zum Titeltrack wurde bereits ein schniekes Video abgedreht und der Track an sich funktioniert nach dem altbewährten DOD Rezept, was im Endeffekt nichts anderes aussagt als das die Nummer mit Sekunde Eins ins Ohr geht und sich dort langsam ausbreitet. Eines der absoluten Highlights erwartet uns mit "Scream", das von düsteren orchestralen Klängen eingeleitet wird, nur um in der nächsten Sekunde auszubrechen und uns einen der härtesten Tracks der Bandgeschichte zu präsentieren. Was DAWN OF DESTINY hier abbreißen, kann sich mehr als nur hören lassen. Allein die verschiedenen Tempowechsel heben den Song deutlich hervor und so marschiert das Teil in den Strophen mit ordentlich Tempo nach vorn, um im Chorus dann etwas Dampf rauszunehmen, worauf schlussendlich nochmal ein paar fette Blastbeats folgen. Hier fehlt es an nichts!

Nun kenne ich die Truppe nicht erst seit gestern und daher ist mir auch schon etwas länger bekannt, dass Bandleader Jens nicht gerade mit Kritik spart, was sein Stimmchen anbelangt. Alle Kritiker da draußen mögen sich nun bitte einmal "Hateful Heart" geben und danach die Behauptung aufstellen, das sei gesanglich nicht beeindruckend. Der gute Mann hat sich ganz stark weiterentwickelt und entfacht in diesem Stück ein Feuerwerk an Emotionen! Kommen wir zum ersten Gastauftritt, den niemand Geringeres als Mr. Björn "Speed" Strid, seines Zeichens SOILWORK Sänger, übernimmt. "Burn In The Fire" zeigt ein feuriges Gesangsduell zwischen Jeanette und Björn und ich muss mit offenem Mund einfach nur anerkennen, dass ich SELTEN zwei Sänger erlebt habe, die derart krass miteinander harmonieren. Die Kombination aus Strid's Screams, seiner samtweichen Stimme und Jeanette's extrem variablem Gesang treiben mir ungelogen Tränen in die Augen. Eine Band, die imstande dazu ist, solche Songs zu schreiben, müsste eine Hörerschaft hinter sich wissen, die weit über ein paar Tausend hinausgeht, doch das blieb den sympathischen Bochumern bis hierhin leider immer noch verwehrt! Allein die hochkarätigen Gäste der vergangenen zwei Alben sollten aufzeigen, was DAWN OF DESTINY Jahr für Jahr qualitativ abliefern, denn auch das folgende "Only The Ocean Knows" beinhaltet einfach mal so einen Gastauftritt von fucking Zak Stevens! Der Mann soll von dieser Nummer wohl auch sehr begeistert gewesen sein und zerriss sich förmlich für das Stück. Das hört man in jeder einzelnen Sekunde, in der dieser Mann seine Stimme erhebt. Der Song an sich wirkt fast schon untypisch für DOD-Verhältnisse, erkämpft sich aber genau durch diese Tatsache ein bemerkenswertes Alleinstellungsmerkmal, das nicht nur Zak Stevens sondern der Band als Kollektiv zu verdanken ist.

So findet "To Hell" mit "Life" und "Forgive" sein tragisches Ende, wobei "Life" hier fast noch den positiv gestimmten Part übernimmt und "Forgive" sich wie der Nachhall einer großen Depression anfühlt. Erneut fällt es mir schwer, ein paar kompakt zusammengefasste Sätze niederzuschreiben, die diesem Stück Kunst gerecht werden, doch kann ich mich im Endeffekt nur wieder und wieder dafür stark machen, dass sich die große Metallandschaft da draußen dieser grandiosen Band endlich mal annimmt! Allerdings werde ich die Band anders als beim vorangegangenen Werk "F.E.A.R." diesmal nicht mit der Höchstnote ausstatten. Warum das so ist? Weil ich im Endeffekt nicht drumherum gekommen bin, den Vergleich zum Vorgängeralbum anzustellen und da ist für mich persönlich nicht abzustreiten, dass "F.E.A.R." mich mit seiner Geschichte noch ein Stück weit mehr erreicht hat als "To Hell", wobei dem neuen Werk durch das etwas gradlinigere Konzept mehr Grenzen gesetzt waren. Letztlich hat man dennoch so viel Qualität auf Platte gebracht, dass "To Hell" meiner Ansicht nach in keinem gutsortierten Plattenschrank fehlen dürfte.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Sonata (02.10.2015)

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