Degradead - Degradead

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VÖ: 29.01.2016
Bandinfo: Degradead
Genre: Melodic Death Metal
Label: Metalville
Lineup  |  Trackliste

Wenn Jesper Strömblad eine Band wie DEGRADEAD als "Zukunft des Metals" bezeichnet, dann muss da doch zumindest ein Fünkchen Wahrheit drinstecken oder? Im Jahre 2000 noch unter dem Namen SEPTIMA gegründet, ballern uns die Schweden zu ihrem 15-jährigen Bestehen nun auch gleich mal ihr fünftes Album entgegen, das sie folgerichtig auch nach sich selbst benannt haben. Ob man mit 15 Jahren auf dem Buckel noch die "Zukunft" des Metals sein kann, das sei mal dahingestellt, aber uns soll in allererster Linie interessieren, was die fünf Jungs auf ihrem neuen Werk so zum Besten geben.

Der Opener "Afterlife" knallt direkt mal mit Geschrei und ordentlich Speed nach vorn, lässt dem Hörer also quasi von Beginn an keine Luft zum atmen, doch das ist gut so! Folglich drückt der Song zwar nicht mehr ganz so krass auf die Tube, besticht aber mit vielseitigem Stimmeneinsatz seitens Mikael Sehlin, der sowohl hart als auch zart perfekt beherrscht. Hier sind durchaus Parallelen zu den großen IN FLAMES zu erkennen, was nicht wirklich verwunderlich ist, so finden beide Bands ihren Ursprung in Schweden und frönen dem Melodic Death Metal. Wo IN FLAMES mittlerweile weitaus weniger Brutalität aufkommen lassen, packen die Jungs von DEGRADEAD beherzt zu und beweisen auch mit "Victimize" ganz dicke Eier. Beeindruckend, wie variabel sich Sänger Mikael erneut präsentiert. Hohes Kreischen sowie monströse Growls stellen für den guten Herren kein Problem dar und das kostet er in dieser wuchtigen Nummer vollends aus. Das Ding kommt auch diesmal gänzlich ohne Clean Vocals aus und schmeißt dir ohne Kompromisse den Knüppel zwischen die Beine. Hervorzuheben ist sicherlich auch die extrem technisch versierte Gitarrenarbeit, die spätestens durch das tolle Solo auf sich aufmerksam macht.

Ein weiteres Highlight erwartet uns mit "The Blinding Crusade", wo die Schweden ein weiteres Mal eine krasse Wandelbarkeit zeigen. Etwas mehr Synthie-Einsatz und ich würde hier fast schon an die anderen Schweden von SCAR SYMMETRY denken. Soll im Umkehrschluss nicht bedeuten, dass DEGRADEAD nur ein Potpourri aus diversen Melo-Death-Bands aus Schweden sind, nein, sie stellen schlichtweg beeindruckend unter Beweis, dass sie wissen, wie guter Melodic-Death-Metal der schwedischen Güteklasse zu klingen hat! Mit "The Extinction" und "Dark Veil" präsentiert man uns noch die absoluten Highlights der Platte und das Schöne daran ist, dass beide einen sehr krassen Kontrast zueinander darstellen. "The Extinction" packt den Hörer gnadenlos beim Kragen und schüttelt ihn so lange durch, bis er nicht mehr weiß, wo oben und unten ist, wohingegen "Dark Veil" verhältnismäßig sanfte Töne anschlägt und mit einem großartigen melodischen Chorus zu punkten weiß.

Schande über mein Haupt, dass mir die Jungs bisher durch die Lappen gegangen sind, denn diese Platte zerstört den Hörer von vorn bis hinten und lässt selbst bei den ruhigeren Tönen keine Auszeit zu. Wem IN FLAMES schon längst nicht mehr das gibt, was sie einst noch ausgezeichnet hat, der dürfte bei DEGRADEAD in Freudentränen ausbrechen. Dazu sei noch gesagt, dass Mikael Sehlin mit 100-prozentiger Sicherheit einen weitaus besserern Vocalist verkörpert als Anders Fridén, der seine besten Tage sowieso längst hinter sich hat, wenn man mich fragt. Was der gute Herr Sehlin hier raushaut, ist wahnsinnig beeindruckend und offenbart eine unfassbar große Variablität, die der Band sehr gut tut. Allerdings liefert die gesamte Truppe einen exzellenten Job ab und so würde es diesem Release nicht mal ansatzweise gerecht werden, nur den Sänger in den Vordergrund zu stellen. Dieses Monster vermag es als Gesamtpaket, meine Wenigkeit komplett von sich zu überzeugen und so wäre ich der zu Beginn getätigten Aussage bezüglich der "Zukunft des Metals" sicherlich nicht abgeneigt, wenn er denn so klingt!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Sonata (27.01.2016)

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