Obscura - Akróasis

Artikel-Bild
VÖ: 05.02.2016
Bandinfo: OBSCURA
Genre: Death Metal
Label: Relapse Records
Lineup  |  Trackliste  |  Credits  |  Trivia

Mich noch in meinen Anfangstagen als Rezensent befindend, hatte ich Anfang 2011 das große Vergnügen, OBSCURAs "Omnivium" begutachten und werten zu dürfen, was damals darin resultierte, dass es die Höchstnote nur deshalb nicht gab, weil ich der Auffassung war, die deutsche Tech-Death-Formation könne noch weitaus besseres Material ausarbeiten. Seitdem sind fünf lange Jahre vergangen, in denen besagtes Album kein Stückchen abgeflacht ist, weswegen sich in Anbetracht der zuletzt öffentlichen Besetzungswechsel-Schlammschlacht bei mir schon die ein oder andere Sorgenfalte ob der Qualität des am 5. Februar erscheinenden "Akróasis" auf der Stirn abzeichnete.

Somit feiern 2016 sowohl Basser Linus Klausenitzer als auch Drummer Sebastian Lanser und Gitarrist Tom Geldschläger (ist am Album beteiligt, wurde aber noch vor dem Release durch Rafael Trujillo ausgetauscht) ihr OBSCURA-Fulllength-Debüt, was Bandchef Steffen Kummerer zum einzig verbliebenen Gründungsmitglied macht und vor dem ersten Hördurchgang die Frage offen lässt, ob die Formation an die bisherigen Glanztaten reichen kann. Nach dem ersten Durchgang ist jedoch klar: sie können. Und wie sie können!

Noch viel positiver ist dabei, dass man sich im Sound treu geblieben ist und trotzdem die ein oder andere Neuerung bzw. Erweiterung eingefädelt hat. Das fällt beim Opener "Sermon Of The Seven Suns" allerdings noch nicht so sehr in's Gewicht, denn hier baut man noch nahezu ausschließlich auf die bisher OBSCURA-typischen Strukturen, was in einem melodischen, dezent verzierten Death-Metal-Song mündet, der zudem auch noch mit einem jazzigen Bass-Solo auftrumpfen kann. In den folgenden "The Monist" und "Akróasis" kann man dann aber die zuweilen atmosphärischen Gitarrenläufe identifizieren, die zusammen mit den an CYNIC erinnernden, spacig-verzerrten Klargesängen dem astrophysischen Themenbereich ein stimmiges Fundament errichten.

Was OBSCURA dabei weiterhin von der Majorität des Genres differenziert, ist die Fähigkeit, trotz der spielerischen Extravaganz begreiflich, hin und wieder sogar eingängig zu bleiben. Das gelingt ihnen mit teils einfachen Mitteln, wie das Cleangitarren-Intro von "Ten Sepiroth" oder auch das tieffrequent-walzende "Ode To The Sun" imposant nachzuweisen wissen, aber auch in den weitaus verspielteren Varianten "Fractal Dimension" und "Perpetual Infinity", die zu keinem Zeitpunkt unter ihrer Komplexität leiden, sondern immer wieder einen clever akzentuierten Earcatcher nach dem anderen offenlegen. Auf diesem Wege ist es auch verdammt schwer, einen bestimmten Musiker aus diesem Kollektiv hervorzuheben, da OBSCURA auf "Akróasis" als Einheit harmonieren und das Besetzungskarussell flugs vergessen machen.

Den größten Beweis für diese Eintracht liefert das Quartett im Grande Finale, dem 15-Minüter "Weltseele" ab, der wahrlich alles abdeckt, was OBSCURA je ausgemacht hat, gleichzeitig aber auch deren progressive Seite mit dem akustischen Prolog, den später einsetzenden Streichern und den ausgedehnten Instrumentalparts in ihrer vollen Pracht herauskehren kann. Ein mehr als erhabenes Ende einer beeindruckenden Tech-Death-Werkschau, die von DARK-FORTRESS- und TRIPTYKON-Klampfer V. Santura ein wirklich exzellentes Soundkorsett erhalten hat, das jedes einzelne Instrument perfekt in Szene setzt und dabei auch noch organisch-druckvoll aus den Boxen wuchtet. Alle Sorgen waren also unbegründet, denn OBSCURA können ihr "Omnivium"-Level tatsächlich bestätigen, zum Teil sogar überflügeln und präsentieren schon im Februar ein technisch-todesmetallisches Jahreshighlight, dessen Niveau eigentlich nurnoch WORMED oder THE FACELESS erreichen können.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (04.02.2016)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: ROCK SHOCK THEATRE 2020
ANZEIGE