Noise Transmission - Meaning Pt. I+II

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VÖ: 00.01.2016
Bandinfo: Noise Transmission
Genre: Industrial Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Noise Transmission is Industrial - Trip Hop from Graz

...sagt der gute Karl Steinpatz, seines Zeichens das All-Eine hinter NOISE TRANSMISSION aus der steirischen Landeshauptstadt. Ich weiß nach wie vor nicht, was Trip Hop ist, ob es überhaupt ein eigenes Genre ist oder ob sich im Bereich des kondensatorunterstützten Musikmachens nicht auch ganz einfach laufend Genres bilden, wie es im Metal so oft der Fall ist. Gut, Trip Hop gibt es dann wohl schon länger als Genre, selbiges wissen auch ignorante Eisenschreiber wie ich.

Gut, damit hätten wir eine Definition und zwei EPs, die Karl Steinpatz insofern unterscheidet, als dass auf der EP "Meaning Pt I" ruhigere Töne zu hören sind, getragen von elektronisch verfremdeten Drum-Beats und Synthie-Sounds. Das ist in der Tat etwas für Elektro-Freunde, die nicht nur stur geradeaus schauen können und wollen. Auf den fünf Songs von Teil Eins zaubern NOISE TRANSMISSION eigenwillige Songs, die bisweilen gut vernehmbare "Post"-Einflüsse haben und mit entspannten, lässigen Soundscapes, an alte Sequenzer erinnerndes Blubbern und einer kontemplativen, von Introspektion beeinflussten Grundstimmung aufwarten.

"From Time To Time, I ´m Afraid Of Dying. Don´t Know If There Is Another Side" - das Wissen um die Sterblichkeit des Menschen und die, religiös oder nicht, Frage, ob es etwas Anderes gibt oder ob es das dann schon war. Die Frage aller Fragen, welche Philosoph wie einfachen Mensch seit tausenden von Jahren beschäftigt.

Zum Abschluss von "Meaning Pt. I" zeigen NOISE TRANSMISSION noch, wie man eine Coverversion macht. Bohlen´s Dieter verbrach dereinst einen Song namens "You´re My Heart, You´re My Soul". Die/Der Grazer zerlegen/zerlegt den Song und bauen ihn so zusammen, wie er ihnen (jetzt lass ich´s) wohl richtig erscheint. Und das gelingt famos. Das ursprüngliche Werk ist im Chorus noch zu erkennen, wurde aber so verfremdet und erneuert, dass man beinahe von einem eigenen Song sprechen kann. Alle Kopisten, deren Coverversionen sich auf das bloße Replizieren der von ihnen verwendeten Songs beschränken, mögen hier ein wenig reinhören.

Mit "Haunted - Confronted" beginnt "Meaning Pt. II" und zeigt die rockigere, metallischere Seite des Projektes. Hier hört man Einflüsse, ob bewusst oder nicht, von Genrepionieren wie MINISTRY, DEVIN TOWNSEND, aber (und) auch wieder die für den Post-Rock/Metal Sound so prägenden Soundflächen. Gesanglich gibt sich Karl Steinpatz wie auch schon auf Teil 1 keine Blöße. Er fühlt sich sowohl in den leisen Momenten wie auch in den härteren Eruptionen wohl und transportiert Emotionen mit einer angemessenen Leichtigkeit oder mit der notwendigen Deftigkeit. Wenn gar nix mehr hilft, wird der Gesang soweit verzerrt, damit sich der gewünschte Effekt einstellt.

Ich (als Subjekt darf ich das) bin ja der Ansicht, dass man auch als Hawara, der seit über 30 Jahren harte Musik hört, immer wieder über den sprichwörtlichen Tellerrand schauen soll. Ich habe schon sehr früh die Freude an elektronischer und elektronisch verfremdeter Musik entdeckt, unter anderem natürlich durch die NDW und DIE KRUPPS und es ist wohl auch deshalb der Fall, dass mich dieser Erstling, oder besser gesagt, die beiden Erstlinge von NOISE TRANSMISSION so begeistern. Hier wird ein Riesenfeld an fantastischer Musik abgedeckt ohne auch nur einen Song zu finden, der schwächelt. "Gags, Gags, Gags" sagt der gute Herr Grissemann immer, "Hits, Hits, Hits" sage ich zu dieser Veröffentlichung.

Wo im ersten Teil die Kreativität aus dem Rechner kommt (oder aus dem Synthie und dem Drumcomputer), sich aber nicht im Zitieren von bereits Dagewesenem verliert, so direkt organisch, mit "echten" Instrumenten erschaffen, gewinnt man im Teil II das Rennen um einen der besten Industrial Metal Acts der letzten 10-15 Jahre.

Anspieltipps gebe ich hier keine, weil man als Musikliebhaber einfach von jedem Song begeistert sein wird. Selten, kaum war ich von einem Debüt so überwältigt, wie es mit "Meaning Pt. I und II" der Fall ist.

Mir ist klar, dass es in diesem Review eine Menge Ich-Botschaften gibt, aber manchmal, ja manchmal, muss man einfach von einer kritischen Distanz abweichen, und Exzellentes auch als solches behandeln.

Und angeblich arbeitet der gute Karl auch an einer Liveumsetzung von NOISE TRANSMISSION. Ich bin gespannt!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (14.02.2016)

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