FUATH - I

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VÖ: 01.02.2016
Bandinfo: FUATH
Genre: Black Metal
Label: Neuropa Records
Lineup  |  Trackliste

Er muss der Traum eines jeden Musikpuristen sein: Andy Marshall von SAOR. Anstatt sein Hauptprojekt mit partiell ungewohnten Klängen zu "belasten", erweckt der junge Schotte ein für ihn neues Konzept, an dem er schon ein Weilchen schanzt. Der Name FUATH, der im Gaelischen so viel wie Hass bedeutet, kommt dabei nicht von ungefähr, denn hierbei handelt es sich um eine weit ruppigere und düsterere Herangehensweise, als man sie von dem Multi-Instrumentalisten bisher gewohnt war.

Als musikalische Einflüsse nennt Marshall Klassiker wie "Hvis lyset tar oss" von BURZUM, die ein oder andere DARKTHRONE-Scheibe, aber auch neuere Bands wie PAYSAGE D'HIVER und VEMOD und spricht von dem Vorhaben, ein "kühleres, hypnotischeres und melancholischeres Black Metal Album zu erschaffen". Das heißt allerdings nicht, dass man auf dem Debütalbum "I" austauschbare Massenware aufgelegt bekommt, denn auch beim hiesigen Unterfangen glückt ihm eine Schöpfung mit seiner einzigartigen Note.

Diese lässt sich in erster Linie in den erhabenen Melodiebögen erfassen, die im gesamten Album durchscheinen und Fans dieses Mannes schon von Beginn weg auf eine Reise "In The Halls Of The Hunter" entführen, in deren Atmosphäre Wehmut schwebt. In der Erzeugung dieser entdeckt man die geradlinigere Seite des künstlerischen Egos, die schon beim ASKIVAL-Debüt "Eternal"  verlocken konnte und bei den bisherigen SAOR-Veröffentlichungen weitläufigeren Arrangements weichen musste. Diese musiklische Gewandtheit gepaart mit der Unverkennbarkeit der Handschrift macht Andy Marshall aber auch zu einem der größten, jung-talentierten Künstler, die der Black-Metal-Zweig aktuell zu bieten hat und trotz der direkteren Vorgehensweise und den vergleichsweise abwechslungsarmen Strukturen ist "I" eine spannungsreiche Walfahrt in finstere Gefilde, deren Stimmung von "Blood" und "Oracle" (vereinzelte Streicher setzen ein) mustergültig porträtiert wird. Dabei transportiert Marshall Emotionen zuhauf und bündelt diese im abschließenden "Spirit Of The North", das zudem noch durch den besonnenen Instrumentalteil im mittleren Sektor zu verleiten vermag.

Nun könnte man denken, dass ich ein heillos verschossener Andy-Marshall-Fanboy bin und die rosarote Brille über die Jahre quasi angewachsen ist, aber die Anmut seines Schaffens ist auch beim FUATH-Erstling "I" allgegenwärtig und daher einfach zutiefst beeindruckend. Tatsächlich dringt immer mehr durch, dass der Schotte mit einem Ausnahmetalent gesegnet wurde, welches nicht vielen Musikern zuteil wurde, denn egal welche Herangehensweise er wählt, tritt durch ihn ein Ambiente in Erscheinung, das in diesem Genre seinesgleichen sucht und wohl auch weiterhin suchen wird. Ist man auf der Jagd nach hochklassigem und atmosphärischem Black Metal kommt man also nicht umhin, SAOR und FUATH kennenzulernen. Während das erste Projekt mit majestätisch-eleganten, Musik-gewordenen Landschaftspanoramen brilliert, verschleppt einen das zweite in eine trübe Anderswelt, die selbst mit den ganz großen Kalibern des Genres konkurrieren kann. Der musikalische Jahresbeginn zeigt sich also weiterhin von seiner großartigen Seite.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (27.02.2016)

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