Amon Amarth - Jomsviking

Artikel-Bild
VÖ: 25.03.2016
Bandinfo: AMON AMARTH
Genre: Death Metal
Label: Metal Blade Records
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

"Jomsviking" - so nennt sich das inzwischen zehnte Studioalbum von AMON AMARTH. Dieses markiert gleichzeitig den Beginn einer neuen Ära auf dem Wikinger-Langschiff, das auch schon seit mehr als 20 Jahren den stürmischen Ozean des Schwermetalls besegelt, trennten sich doch die Schweden im Vorjahr unter bislang unbekannten Gründen von Langzeit-Drummer Fredrik Andersson. Pünktlich zum Release ihres neuesten Werks stehen die Melodic-Death-Veteranen (kann man das schon so sagen?) aber mit neuem Drummer Tobias Gustafsson in den Startlöchern. Überdies haben sich die Wikinger erstmals über ein Konzeptalbum getraut - die Geschichte der Jomswikinger, skrupelloser, geldgieriger Söldner wurde zum thematischen Leitfaden des neuesten Silberlings erkoren. Und das steht AMON AMARTH auch wirklich gut zu Gesicht - da fragt man sich doch direkt, warum sich die Schweden eigentlich bis jetzt noch nie über ein Konzeptalbum getraut haben?

Vollkommen egal, warum man so lange damit gewartet hat - Fakt ist, dass "Jomsviking" für Leute, die AMON AMARTH schon etwas länger kennen, durchaus überraschend einher kommt. Standen doch die letzten Outputs der Wikinger schwer in der Kritik, nur noch Dienst nach Vorschrift zu liefern und wurden vielfach für überproduzierte und glattgebügelte, fast poppige Hymnen gescholten, die einzig dazu da waren, niemandem wehzutun. Umso überraschender ist nun, dass Johan Hegg und seine Mannen sich auf alte Qualitäten besinnen und wieder auf Kreativität anstatt auf bloße Pflichterfüllung setzen. Einzig die Produktion ist in der Tat wieder ein wenig steril geraten, doch das kann man derzeit schon als fast allgemeingültiges Phänomen des um sich greifenden Perfektionswahns in höheren Budgetlagen bezeichnen.

Mit dem Opener "First Kill", der auch vorab als Appetizer ausgekoppelt wurde, gibt es gleich einmal die AMON-AMARTH-Trademarks in Vollendung - eine schnell ins Ohr gehende Hymne, die den Fans genau das gibt, was sie eben wollen. Auch "Wanderer" und "Vengeance Is My Name" sind solide Wikinger-Kost, die zum Mitwippen einlädt. Am besten lässt es sich den Schädel allerdings zu "On A Sea Of Blood" abschrauben, das mit hochmelodiösen Gitarrenläufen, schwerem Groove und einem alles niedergrunzenden Johan Hegg aufwartet. Der Midtempo-Stampfer "Raise Your Horns" wird bereits nach dem ersten Hördurchlauf als prädestinierter Live-Brecher vorstellig, während bei "One Against All" wieder fröhlich in der klassischen, melodischen Wikingermanier gerifft wird - der Shout-Chorus erinnert hier gar ein wenig an MANOWAR. Eine Überraschung birgt "One Thousand Burning Arrows" - der (für AMON-AMARTH-Verhältnisse) Low-Tempo-Stampfer mit seinem sachten, äußerst gut platzierten Keyboard-Einsatz entwickelt sich zu einem der wohl stimmungsvollsten Titel des Albums. Hier hat man die perfekte Balance zwischen Melodie und Härte gefunden - für die übliche Kost der Schweden ist das allerdings schon fast eine Ballade. Im abschließenden Longtrack "Back On Northern Shores" fahren AMON AMARTH schließlich noch einmal alles auf, was sie können - der dramatisch aufgebaute Titel bringt das Album vermutlich in seinen sieben Minuten am Besten auf den Punkt.

"Jomsviking" ist eine wahrhaft mächtige Auferstehung der Wikinger - aber dennoch mit einem Schönheitsfehler. Dieser ist blond, nicht mehr der Jüngste, relativ klein geraten und hat eine an und für sich prägnante Stimme - die nur leider überhaupt nicht passt, weder zu der mächtigen Musik noch zu Johans derbem Gegrunze. Die Rede ist von der omnipräsenten Metal-Queen DORO, die bei "A Dream That Cannot Be" mitmischt. Es tut mir ja wirklich leid aber... nein. Einfach nur nein. DORO mag durchaus für die Songs vieler Bands - vor allem aus dem Heavy/Power-Bereich - ein großer Gewinn sein, doch gerade AMON AMARTH hätten es wirklich nicht nötig. So bleibt "A Dream That Cannot Be", ansonsten ein mehr oder minder durchschnittlicher Song der Schweden, ein Ausrutscher auf einem überraschend hochklassigen Album.

Überraschend darob, da AMON AMARTH zuletzt durchaus drohten, sich in der Beliebigkeit zu verlieren und man sich gerade auf "Surtur Rising" und "Deceiver Of The Gods" häufig im allzu starren Strukturkorsett, sowie austauschbarem Geholze verlor. Mit "Jomsviking" bringen AMON AMARTH vielleicht nicht die Glanztaten eines "Versus The World" zurück, aber doch die erfrischende Atmosphäre, die spezielle, zwischen Epik und Brutalität schwelgende Stimmung, die diese Band immer ausgemacht hat und die sie auch live noch immer zu zelebrieren wissen. "Jomsviking" klingt, als hätte der nordische Donnergott endlich seinen Hammer wiedergefunden. Zeit wurde es ja!

Was die restliche Redaktion zum neuen Wikinger-Opus zu sagen hat, könnt ihr in unserem AMON AMARTH-Gangbang, alles Weitere im Interview lesen!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Anthalerero (21.03.2016)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: Escape
ANZEIGE