SALEM - Dark Days

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VÖ: 29.04.2016
Bandinfo: SALEM
Genre: NWoBHM
Label: Pure Steel Records
Lineup  |  Trackliste

Etwas mehr als 2 Jahre ist es her, da kamen die Briten von SALEM, lange in der Versenkung verschwunden, mit ihrem Debütalbum einher - nach mehr als 30 Jahren Bandgeschichte! Hatte es schon "Forgotten Dreams" wahrlich in sich und wurde von so manchen als einmaliger Glücksgriff aufgrund der extrem langen Vorlaufzeit bezeichnet, so können SALEM mit dem nun vorliegenden zweiten echten Studiooutput "Dark Days" mit lockerer Hand beweisen, dass sie zu Unrecht solch ein Schattendasein fristen. Hätten die Briten die vorliegenden Alben vor 30 Jahren veröffentlicht, so wären sie vermutlich in die Oberliga der NWoBHM aufgestiegen - doch bekanntlich kommt es erstens immer anders, und zweitens als man denkt.

So konnten SALEM ihr musikalisches und kompositorisches Geschick erst sehr verspätet unter Beweis stellen und agieren nun weitestgehend im Schatten der großen, lang dienenden Genrekollegen. Zu Unrecht, wie man an dieser Stelle festhalten darf, denn die Briten stehen ihren Kollegen um nicht viel nach. Auch auf "Dark Days" ist das an allen Ecken und Enden zu merken, vor allem im längsten Track des Albums, "Nine Months". Der sich langsam aufbauende, enorm epische Song, mit seinem spannungsgeladenen Wechsel zwischen breitem, galoppierendem Riffing und sachten, fast esoterisch wirkenden Akustik-Parts in Kombination mit dem simpel-effektiven Refrain weiß wirklich zu beeindrucken. Hier steckt so ziemlich alles drin, was SALEM ausmacht und was man im weiteren Verlauf des Albums (wieder-) entdecken kann.

Die NWoBHM-Wurzeln lassen die Fünf vor allem im Songaufbau - und hier im Besonderen bei "Fallen Angel" und "Prodigal Son" - raushängen, obwohl die beiden Titel insgesamt zu den schwächeren des Albums zählen. Was auf dem neuesten Streich von SALEM hauptsächlich auffällt, ist ihre inzwischen weitaus deutlicher ausgeprägte Neigung in Richtung AOR, die sich in einem feinen Gespür für schöne Melodieführung und Ohrwurmrefrains äußert. Exemplarisch seien hier beispielsweise der Opener "Not Guilty" zu nennen, "Second Sight", oder auch der starke Titeltrack "Dark Days". Bei "Toy Story" wird es gar hymnisch und insgesamt etwas glattpolierter, dafür wird bei "Tormented" im Albumkontext vergleichsweise heftig gerifft. Aber auch groovige Parts wie in "Complicated" haben SALEM drauf und selbst das schleppende "Tank" kann sich hervortun. Einzig "Lost My Mind" klingt dann doch wie schon einmal irgendwo gehört, denn das Riff kommt schon arg bekannt vor - nichtsdestotrotz ist der Song äußerst gut gelungen, schmissig vorgebracht und geht somit gut ins Ohr.

Mit "Dark Days" gelingt SALEM ein weiteres hochklassiges Album, welches untermauert, dass das Debüt keineswegs eine Eintagsfliege war. Wer auf Sound in der Schnittmenge zwischen breitem NWoBHM und skandinavisch orientiertem AOR/Melodic Rock abfährt, der sollte sich SALEM unbedingt einmal zu Gemüte führen, denn die Briten liefern vielleicht prinzipiell stilistisch nichts Neues, sondern 80's-Stuff in Reinkultur - aber auf moderne und zeitgemäß produzierte Weise, ganz entgegen der aktuellen Retro-Rock-Welle, die darauf abzielt auch so zu klingen wie damals. SALEM hingegen setzen auf das Gefühl der damaligen Zeit und lassen den Sound mit ordentlicher Wucht aus den Boxen donnern. Das gefällt!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Anthalerero (19.04.2016)

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