DESTRUCTION - Under Attack

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VÖ: 13.05.2016
Bandinfo: DESTRUCTION
Genre: Thrash Metal
Label: Nuclear Blast Records
Lineup  |  Trackliste

Da rollt der Panzer durch die zerschossene Landschaft und zermalmt das letzte bisschen Hoffnung. Tod dem Posertum - haltet die Nägel bereit -, denn aufs fucking cross gehört die Brut genagelt - Thrash till death, Bitches! Guter Thrash ist ja per se aggressiv und auch mit einer ordentlichen Dosis Hirnlosigkeit abgemischt – das freut den Mad Butcher doch immer wieder, wenn die menschlichen Lämmer zur Schlachtbank geführt werden, doch die Klinge wird langsam rostig und gar nicht mehr so treffsicher wie in den alten Tagen. Kann man DESTRUCTION mittlerweile vorwerfen im eigenen Hamsterrad gefangen zu sein? Die Zwänge des Genres scheinen zu übermächtig zu sein, als dass man ausbrechen kann. Man springt mit „Under Attack“ auf den unsäglichen Zug der Überproduktion auf, etwas, dass sich schon auf den Vorgängern anbahnte und auch ein Problem der Thrash-Compadres SODOM darstellt – dem dritten Giganten im deutschen Thrash-Riff-Infernerno. Ja, richtig geraten, bei den ersten Giganten handelt es sich um KREATOR – diesen steht die schnörkellose Produktion mehr zu Gesicht als den seit jeher dreckigeren und mehr im Schützengraben durch das Blut der Zivilisation stapfenden und sich durch die Gewalt und Zerstörungswut der menschlichen Rasse quälenden Rheinländern DESTRUCTION oder den Todesschwadronen des Angelrippers. Doch der gute Schmier ist immer noch eine imposante Person, ein stählernes Bollwerk eines Fronters, der sich durch seine Lyrics schreit wie die Nebelwerfer durch die Nacht der Front und auch inhaltlich ist man immer noch auf Pulitzerspuren unterwegs. In Gesellschaftskritik und Hass auf die Falschheit und ausbeuterischen Strukturen des Systems unserer Gesellschaft übt man sich wie eh und je und das mit der Blasphemie beherrscht man auch immer noch in eleganter Weise - holt sie wieder heraus, die Nägel und schlagt sie ein in die verfickten Kreuze!

Da stellt es sich also dar, das Dilemma von „Under Attack“ – lyrisch hat man nichts an seiner typischen Rauheit und Schonungslosigkeit verloren. In brutalster Weise thematisiert man, dass die Welt ein Schlachthaus ist, in dem jeder einfach jedem an die Gurgel will – da schlägt sich immer noch der Thrash-Underdog aus den 1980ern durch, der lärmen will und sich seinem Unmut Luft macht. Anderseits schafft man es aber nicht diese Grundaggressivität in ein Riffgewitter zu fassen, das die Abgefucktheit der Thematik in angemessen bluttropfender Atmosphäre aus den Boxen strömen lässt, wie Blut aus der aufgeschnittenen Aorta des krepierenden menschlichen Habitus – der gepredigte Standard-Thrash-Riff mit dem doch treibenden, aber nicht genug die Gehirnmasse zu Brei zermatschenden Drumsound, wollen beim nach Cerebrum-Penetration suchenden Haudrauf-Krawallo nicht so richtig zünden. Man wartet vergebens auf den Moment, in dem er doch endlich ausbricht, der dritte Weltkrieg am Plattenspieler – doch mehr als einen lauwarmen Stellvertreterkrieg irgendwo im hintersten Dschungel der geopolitischen Wirren liefern uns DESTRUCTION mit „Under Attack“ nicht. Keine atomaren Schläge – yipiyeah Dr. Strangelove –, nur ein Aufflackern des atomaren Overkills. Den roten Knopf zu drücken traut sich dann doch keiner, zu viel plätschernde Melodie, zu wenig knochenbrechendes Sägen und zu wenig Chaos sind die Merkmale der 14. Zerstörungs-Langrille. Eine totale Demontage, wie sie erst vor kurzen die NY-Thrasher ANTHRAX mit „For All Kings“ (zur Grabrede) ablieferten, ist „Under Attack“ (Dem großen Cthulhu sei Dank! Iä! Iä! Fhtagn!) doch nicht geworden. Ein grandioser Altschlag, wie ihn erst letztens die mit Legendenstatus behafteten METAL CHURCH mit dem überraschend grandiosen „XI“ (zur Lobpreisung) lieferten, ist das Polyvinylchlorid der deutschen Thrash-Urgesteine aber auch nicht geworden - sondern ein solides, aber nicht sonderlich beeindruckendes Stück Thrash, dem es nicht an lyrischer Wut fehlt, jedoch an musikalischer Grundaggressivität, die im Zuge des zu voraussehbaren und sanften Songwritings auf der Strecke gelassen wurde. Es drängt sich das Gefühl auf: Schmierte der Mad Butcher sich einst Blutwurst auf sein Brot, so gibt es hier wohl heute nur vegetarische Gemüseschnitten! 



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Laichster (06.05.2016)

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