EXALTER - Obituary for the Living

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VÖ: 15.04.2016
Bandinfo: EXALTER
Genre: Thrash Metal
Label: Transcending Obscurity
Lineup  |  Trackliste

Jetzt bin ich aber überrascht. So langsam keimt in mir der Verdacht, dass der indische Subkontinent mit all seinen umliegenden Staaten eine geheime metallische Untergrundorganisation aufgebaut hat, um sich herauszuputzen und irgendwann die musikalische Weltherrschaft zu übernehmen. Hatte ich erst vor kurzem noch die Thrash-Truppe von SURTUR aus Bangladesch in den Ohren, schleicht sich nun schon die nächste Mannschaft aus demselbigen Land an. Wobei: Schleichen? Mitnichten! EXALTER machen ordentlich Krach nach alter Schule. Und dies auf einem Niveau, wie man es sonst weitgehend aus „westlichen“ Ländern kennt. 

EXALTER fanden sich 2013 zusammen und bestehen aktuell aus drei Thrash-Kriegern. Die erste EP „Democrasodomy“ erschien 2015 und schlug mit vier Songs ein. Nun liegt „Obituary for the Living“ vor, die neue EP, die neben drei neuen Krachern die vier Songs von „Democrasodomy“ mitbringt. Zu hören bekommt man druckvollen, schnellen Krawall im typischen Old School-Gewand. Aggressivität und Geradlinigkeit, dazu kraftvolle, räudige Thrash-Shouts und gut angesetzte Tempowechsel. Die Gitarre rifft sich auf eingängige Weise durch die Knüppel-Songs. Soli gibt es in nicht sehr ausgeprägtem Maße und wenn, dann um der Melodie und nicht um der Geschwindigkeit willen. Half-time und Double-time-Spielereien werden groß geschrieben, gerade bei Übergängen zwischen Refrains und Bridges, so wie es sich eben gehört. Dahingehend haben EXALTER nichts Neues erfunden. Sie haben von Meistern gelernt und mischen in deren Fahrwasser mit, ohne dabei zu versinken. 

Lediglich dass sich die Songs in der zweiten Hälfte (die da wären die Tracks von der 2015er-EP „Democrasodomy“) im Aufbau zum Teil durch ähnliches Tempo und Riffing ziemlich gleichen, dämpft die Hörfreude minimal. Dies ändert sich allerdings spätestens mit dem Einsetzen der Song-eigenen Riffs oder Vocals, die den Tracks dann doch noch eine eigene Note verleihen. Wobei man EXALTER auch da zusprechen muss, dass sie ihre neuen Songs (die der 2016er-EP „Obituary for the Living“), die am Anfang der Scheibe aufgereiht sind, eines weitaus größeren Abwechslungsreichtums bedienen als die angehängten Kracher der Vorgänger-EP. Hier ist auch eine Weiterentwicklung der neuen Songs gegenüber denen von „Democrasodomy“ nicht von der Hand zu weisen: eine größere technische Versiertheit und mehr Spielereien mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, ohne dem reinen Thrash untreu zu werden. Es gibt mehr melodiöse Spielereien, mehr tragende Riffs, spannende Wechsel und nicht zuletzt drückendere Vocals. Das ändert aber auch nichts daran, dass jedes einzelne Krawallstück auf dem Album wunderprächtig der brachialen Zerstörung dienlich ist. So komme ich gerade bei Titeln wie „Thrash Resurgence“ oder „Surrounded by Evil“ nicht drum herum, mir eine systematische Vernichtung in der Front-Row eines Live-Konzerts vorzustellen. „Sacrificial Immolation“ groovt fast schon durch die Nackenmuskulatur und auch „Nuclear Punishment“ jagt den Hörer durch die atomaren Soundwolken. 

EXALTER aus Bangladesch sollte man sich durchaus merken. Sieht man allein die Weiterentwicklung des Sounds und der aggressiven Spielweise, während man Abwechslungsreichtum innerhalb der Thrash-Parameter groß schreibt, steht der Band wirklich nichts mehr im Weg. Und jeder der noch glaubt, EXALTER aufhalten zu können, wird mit allen Regeln der metallischen Kunst dem Erdboden gleich gemacht. Wieder ein aufstrebender Krawall-Stern aus einem Land, mit dem kaum jemand rechnet. 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lisi Ruetz (29.04.2016)

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