IRON SAVIOR - Titancraft

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VÖ: 20.05.2016
Bandinfo: Iron Savior
Genre: Heavy Metal
Label: AFM Records
Lineup  |  Trackliste

Mittlerweile schwimmen die Jungs von IRON SAVIOR schon eine halbe Ewigkeit im Becken der zahlreichen Vertreter des Power Metals. Wenn man sich in einer Sache sicher sein konnte, dann in der Hinsicht, dass die Mannen um Herrn Sielck ihrem Stil durch die Bank weg treu bleiben würden. Moderner hymnischer Power Metal, der sich thematisch irgendwo zwischen Cyborgs, Technik und Aliens bewegt. Genau hier bringt meine Wenigkeit auch den ersten Kritikpunkt an... IRON SAVIOR liefern durchaus solide Kost ab und enttäuschen zumindest nie auf ganzer Linie, doch im Umkehrschluss gelingt es ihnen in meinen Augen auch in keinster Weise mal einen richtig dicken Brocken abzuliefern, der den geneigten Hörer umhaut. Komisch, denn mit SAVAGE CIRCUS zeigte der gute Piet Sielck, wie es gehen KÖNNTE. Bei der zweiten Scheibe "Of Doom And Death" war der Fronter federführender Mann und wusste mit großartig inszenierten Stücken zu beeindrucken. Würde das nun auch endlich bei IRON SAVIOR gelingen?

Ich will ehrlich sein, ich war nie der größte Anhänger der Band und die Gründe dafür lassen sich bereits in der Einleitung finden. Dennoch werde ich nie müde, einer Band den großen Wurf zumindest zuzugestehen. Warum also sollte das der Truppe mit "Titancraft" nicht gelingen? Etwa, weil das Artwork pure 08/15 Kost ist, die man 100km gegen den Wind hat kommen sehen? Oder vielleicht, weil der Titel der Platte offensichtlicher nicht sein könnte? Nein... diese prägnanten Punkte würden sicherlich nicht ausschlaggebend dafür sein die Band auf ein höheres Niveau bei mir zu heben. Legen wir diese Dinge mal beiseite erwartet uns "leider" genau das, was IRON SAVIOR schon seit nunmehr 20 Jahren liefern. "Under Siege" verkörpert das 34576. Intro, das die Welt zwingend gebraucht hat und der Titeltrack bietet natürlich exakt die Gitarrenläufe und Melodiebögen, die uns die Mannen auch noch nie zuvor präsentiert haben... Es fällt mir weiß Gott nicht leicht dieses Review NICHT mit einer gigantischen Portion Ironie zu speisen. Musikalisch sind und waren IRON SAVIOR nie schwach, die Nummern gehen weitestgehend gut ins Ohr und eignen sich perfekt zum "nebenbei hören". Aber gibt man sich damit zufrieden? Ich denke nicht. Der Anspruch sollte sein, mal neue Pfade zu beschreiten und sich mal was zu trauen. Die Geschichten, die "Titancraft" schreibt, wurden nicht nur von der Band, sondern allgemein schon ZIG male geschrieben... Natürlich ist es einfach zu sagen, dass IRON SAVIOR genau das bieten was der geneigte Fan erwartet und somit zumindest diese Erwartungshaltung erfüllen, doch stehen im Endeffekt Musiker hinter dieser Band, denen ich weitaus mehr zutrauen würde. Und dennoch... "Titancraft" ist genau das, was man exakt in dieser Form nach den letzten Alben erwarten würde. Das lässt sich alles wunderbar hören und dennoch stellt es für mich ein Ding der Unmöglichkeit dar, gezielt einen Song herauszupicken und diesen als besonders prägnant oder hörenswert zu charakterisieren. Ich kann euch sagen, dass "I Surrender" die Ballade der Platte verkörpert, aber das war's auch schon...

Was soll euch dieses Review nun eigentlich mit auf den Weg geben? Schwierig, dies in kurzen Worten auf den Punkt zu bringen. Ich stelle daher lieber eine Frage in den Raum: Wo sind die detailverliebten Songs, an denen sich ein Metalliebhaber ergötzen kann? Wo sind die kleinen aber feinen kompositorischen Highlights, von denen man mit jedem Hördurchgang immer mehr entdeckt? Wo ist der Reiz, eine solche Platte totzuspielen, wenn sie doch quasi vor dem ersten Hördurchgang schon alles preisgibt? Das waren jetzt mehrere Fragen, aber ich hoffe, dass meine Sichtweise bei euch angekommen ist. Ja, es darf sie geben... Diese Bands, die kontinuierlich nur genau das liefern, was man von ihnen erwartet, aber ich neige mittlerweile dazu, solche Bands von meinem Tellerrand herunterzustoßen. Man darf natürlich gern die Gegenfrage in den Raum stellen, warum gerade IRON SAVIOR nach so langer Zeit plötzlich die Marschrichtung mal verändern sollten, aber ich finde nun mal, dass in einer schnelllebigen Zeit wie dieser insbesondere der Metal aufzeigen sollte, dass er mehr sein kann als ein 08/15 Fließband, das unbeirrt läuft und läuft und läuft. IRON SAVIOR kann eine solche Band sein, denn dass wir es mit guten Musikern zu tun haben, daran würde ich nie zweifeln. Doch am Ende ist "Titancraft" nur ein weiteres solides Power Metal Album, das auch den Vorgänger hätte ersetzen können oder die Platte davor oder die Platte davor oder.....



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Sonata (18.05.2016)

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