WORMFOOD - L'Envers

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VÖ: 20.05.2016
Bandinfo: WORMFOOD
Genre: Dark Metal
Label: Apathia Records
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Lineup  |  Trackliste

Auf geht‘s. Die Scheuklappen müssen wieder einmal weg, denn die dem Dark, Gothic oder Avantgarde Metal zugeordneten Franzosen von WORMFOOD sind wahrlich nicht ganz einfach zu fassen. Bereits seit 2001 gelingt es dem Würmerfraß vom namensgebenden Getier nicht verzehrt zu werden und so wird der geneigte Metaller 2016 mit Full-Length Album Nummer Fünf beehrt. "L‘envers" entführt einen – wie auf dem Artwork angedeutet – in die Welt der Noblesse, und zwar auf deren Rück- bzw. Unterseite (frz. envers). Dort erwarten uns jedoch keine morbiden Würmer, sondern Geschichten voll von Düsternis, die uns ein Wechselbad der Gefühle bescheren – wir werden aus den Gräbern der noch warmen Toten gezerrt, nur um uns in den kalten Hallen barocker Schlossruinen wiederzufinden (dieser Vergleich stellt eine Allegorie auf die Produktion und das Songwriting von "L‘envers" dar).
 

Es ist schon spät – sicherlich zu spät um Erheiterung zu finden, oder irgendetwas zum Trällern. Aber da sie darauf bestehen und beharrlich auf etwas warten wollen, das nicht kommen wird, können sie mir ebenso gut in die Düsternis folgen. Ich habe vielleicht noch ein paar schaurige Geschichten übrig.
Nach einem (auf Französisch) gesprochenen, herrlich passenden Intro, führt uns die erste Geschichte "Serviteur du Roi" schnurstracks in die Welt des Albtraum-Königs. Der Groove und die Melodien des Songs sind jedoch vielmehr traumhaft und die ausdrucksstarke Stimme von Zeremonienmeister El Worm berührt einen auch ohne Kenntnis der französischen Sprache – all jenen, die diese beherrschen, sei ein Blick in die Lyrics aber wärmstens empfohlen. In "Ordre de mobilisation générale" – dem Befehl zur Mobilmachung – wird der Hörer in die Nähe des Reichs der Toten geführt. Der Krieg wird allerdings nicht glorreich sein, sondern traurig, fast depressiv, aber nicht ohne einen Hauch morbider Schönheit. Ein Auszug aus der Poesie des Songs gefällig? – An der Front, sofern ich als erster falle, desertiere ich unter der Erde, um dem Krieg zu entfliehen.

"Gone on the hoist" tanzt ein bisschen aus der Reihe – einerseits als das einzige Stück in Englisch und andererseits als musikalischer Ausreißer des Albums. Von Sitar- und Hammondorgel-artigen Klängen umgeben, finden wir uns in den 70ern wieder. Keine Spur von morbiden Würmern oder dem Tod – Gothic kann auf seltsame Art und Weise echt fröhlich klingen. "Mangevers" und "Collectionneur de poupées" stechen hingegen weniger heraus, sind sie doch gewohnt düster-schöne Gothic-Songs.

Die Hölle von "Géhenne" wiederum findet, laut Lyrics, eigentlich in einem kleinen Pariser Theater statt. Die vermittelte Stimmung spiegelt jedoch vielmehr die große Oper wider (wenn auch ohne Tenor oder Sopran), ein großes Stück, das alle Stärken von WORMFOOD auf dem Silbertablett präsentiert. Schönheit kann nicht düsterer sein, Düsternis dafür aber noch schöner, wie in "Poisonne": Der Closer beginnt mit einem – im Intro noch als ausgeschlossen bezeichneten – beklemmend wirkenden, tiefen Trällern. Ein grooviger Rock-Beat würgt dieses dann aber ab und eröffnet den würdigen Abschluss eines komplexen, künstlerisch hochwertigen Albums.

 

Captain’s Empfehlung:
Nach dem mehrmaligen, durchgehenden Genuss von "L‘envers" dient der Captain definitiv dem Albtraum-König (Je sers le roi cauchemar – "Serviteur du Roi"). WORMFOOD schaffen es wie kaum eine andere Band, die Klänge von Hässlichkeit, Düsternis und Schönheit zu einem köstlichen Aperitif zusammenzumischen.

 



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Captain Critical (20.05.2016)

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