Rage - The Devil Strikes Again

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VÖ: 10.06.2016
Bandinfo: RAGE
Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast Records
Lineup  |  Trackliste

Anfang 2015 platzte die Bombe, RAGE lösten sich besetzungstechnisch auf, Victor Smolski gründete ALMANAC und Peavy holte sich zwei bisher noch verhältnismäßig unbekannte Jungs an Bord, die das neue RAGE-Lineup fortan verkörpern sollten. Es waren nicht wenige, die daran zweifelten, ob RAGE mit frischem Lineup an alte Erfolge anknüpfen könnten, zumal der gute Herr Smolski in den vergangenen Jahren zu einer wichtigen Institution innerhalb der Band geworden ist. Allerdings wurde mit jedem neuen Album auch deutlich, dass die Qualität immer weiter abnahm. Spätestens die letzte Studioplatte "21" war für mich als langjähriger Fan der größte Downfall, den diese Truppe bisher hingelegt hat. Inspirationslose Musik, die blutleer bis an den Rand wirkte... Sowohl Victor als auch Peavy bestätigen mir in Interviews, dass sie diesen Break für die einzig richtige Entscheidung hielten, um wieder neue Kreativität ausleben zu können. ALMANAC haben bereits vorgelegt mit "Tsar" und wussten durchaus zu beeindrucken, nun folgt das erste RAGE-Werk mit komplett neuer Besetzung seit 1999. Das Ding schimpft sich "The Devil Strikes Again" und ist passenderweise mit einem präparierten "Teufelsschädel" verziert worden, was das Artwork angeht. Stilistisch ein cooles Mittel, leider aber eher blass im Vergleich zu älteren RAGE Werken wie "End Of All Days" oder "Trapped". Warum ich diese Platten ins Spiel bringe? Weil der gute Peavy mit dem neuen Weg wieder alte Pfade beschreiten möchte, die sich größtenteils an die Phase um "Black In Mind" orientieren.

Ist die alte Schule denn nun erkennbar auf dem neuen Longplayer? Der Titeltrack knallt zu Beginn zumindest ordentlich aus den Boxen und versteht es, ein gewisses Oldschool-Feeling aufkommen zu lassen. Allerdings hat Peavy in seinem fortschreitenden Alter natürlich nicht mehr GANZ diese rotzige Stimme, die ihn seinerzeit ausgezeichnet hat. Dennoch verkörpert der Opener eine runde, einfach gehaltene Nummer, die voll auf die Fresse gibt und sich dank des catchy Refrains sofort im Ohr festsetzt. "My Way" gab's ja schon vorab als Appetithappen und ich muss gestehen, dass mich die Nummer seinerzeit nicht wirklich überzeugen konnte. Sie ist bei mir mittlerweile minimal im Kurs gestiegen, geht aber nachwievor ein wenig unter, zumal ich mich doch wundern muss, denn "My Way" wirkt meiner Ansicht nach zu keiner Sekunde wie das, was RAGE rund um 1995 so fabriziert haben... Insgesamt einfach ein Track, der zu zäh wirkt und keine Parts mitbringt, die meine Aufmerksamkeit in irgendeiner Form fordern. Solide trifft's hier am ehesten. "Back On Track" ist so eine typische Nummer, die in den Strophen wunderbar funktioniert, eine gute Eigendynamik entwickelt und mich dann beim Chorus komplett verliert. Schon beim ersten Durchlauf war ich vom relativ stumpf gehaltenen Refrain genervt und das sollte sich mit den folgenden Durchläufen nicht bessern. Auf die Fresse gibt's zum Glück dann wieder mit "War", das mit einem starken Doppelchorus ausgestattet wurde. Hier wirkt das gesamte Gitarrengerüst extrem heavy und wuchtig, trifft genau den Nerv der Zeit in der mich RAGE am meisten zu begeistern wussten, sprich um 1993-1996. Peavy haut hier auch eine härtere Gangart raus und verleiht dem Song endgültig einen sehr klassischen Touch, den man ja ohnehin angestrebt hat. "Ocean Full Of Tears" und "Spirits Of The Night" schlagen ebenfalls in diese Kerbe und zeigen auf, dass Peavy auch 2016 noch weiß, wie er uns in die Vergangenheit transportieren kann. Mir persönlich schmeckt dieser Stil auch weitaus besser, da RAGE mit den letzten Werken eher wie eine Art zusammengewürfeltes Projekt wirkten. Jeder hat ein paar Zutaten reingeschmissen und raus kam ein wirres Stück Musik, das weder Hand noch Fuß hatte. Genau das kann man "The Devil Strikes Again" absolut nicht ankreiden. Man versetzt uns hier durchwegs in das Jahr 1995 und haut uns Songs um die Ohren, die durchaus eine gewisse Brutalität mit sich bringen. Vor allem der Geschwindigkeitspegel ist extrem hoch auf dieser Scheibe und dieser Faktor sagt mir definitiv zu! Zwischendurch streut man noch das stampfende "Times Of Darkness" ein, das ein wenig an "Baby I'm Your Nightmare" erinnert und eine sehr düstere Atmosphäre zu versprühen weiß. Ein toller Puffer, bevor es mit dem Rausschmeißer "The Dark Side Of The Sun" nochmal etwas catchier zur Sache geht.

Was soll ich sagen? Bis auf kleine Ausnahmen ist die Neuformierung von RAGE gut gelungen! Viele haben Peavy belächelt und sollten im Unrecht bleiben. Klar, der gute Marcos Rordiguez ist kein Virtuose an der Gitarre wie ein Victor Smolski, der sich in jedem Song teils auch selbst inszeniert hat, aber das muss er auch gar nicht sein! Die Soli sind durch die Bank weg sehr angenehm und vor allem songdienlich, das haben RAGE anno 2016 gebraucht. Das Ding verkörpert durchaus den Stil, den Peavy über einen langen Zeitraum mit RAGE gepflegt hat, bevor Victor dazu stieß und alles in eine etwas gitarrenlastigere Richtung abdriftete, die hier und da mit Orchestrierungen gepaart wurde. Diese Zeitreise ist ein voller Erfolg und klingt dennoch modern! Ich kann hier nur meinen Hut vor Peavy und seinen neuen Mannen ziehen, denn "The Devil Strikes Again" macht extrem viel Spaß und lässt sich ohne großartige Puffer super durchhören!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Sonata (11.06.2016)

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