J.B.O. - 11

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VÖ: 08.07.2016
Bandinfo: J.B.O.
Genre: Heavy Metal
Label: AFM Records
Lineup  |  Trackliste

Einleitung geschenkt, gleich zur Watsch'n: Von Ballermann-Niveau und infantilem Flachwitz sprechen Kritiker der fränkischen Blödelbarden J.B.O. schon lange, auf dem elften Studioalbum mit passender Bezeichnung "11" wird genau das grausame Wirklichkeit. "Aber scheiß draaauf, Wacken is nur einmal im Jaaaahr, olé, olé und schalalaaa"... - Der Verfasser dieser Zeilen bewegt sich unter anderem deshalb in der Hard Rock und Metal Szene, um genau solch einen Blödsinn (nicht Bloëdsinn) nicht ertragen zu müssen. Das hat mit subtiler Verballhornung und dem selbst auferlegten Genialitätsanspruch (dazu später mehr) nichts zu tun, sondern ist aufgequirlter Bodensatz musikalischer Dreckablagerungen. Vielen Dank für den jetzt schon nervigsten Festivalgesang im Jahre 2016.
 
Bekanntlich macht ein Song ja zum Glück noch kein Album, und so gibt es auch auf Nummer "11" wieder einige gelungene Schmunzelmomente und auch eine Handvoll handfester neuer Hits und künftiger Live-Granaten. Leider aber bleibt das Gesamtwerk ein ganzes Stückchen hinter dem subjektiv vollends geglückten 2014er Werk "Nur die besten sterben alt" zurück. Das liegt zum einen an der bei J.B.O. schon oft vorgekommenen Inkonsequenz. Da wird an vielen Stellen in den üblichen Sketches mehrfach gegen HipHop und Rap gewettert, allerdings finden sich gleich zwei vollwertige Sprechgesang-Stücke auf dem Album, von welchem einer sogar den prominenten Rausschmeißer-Slot innehat ("M.F.N. For J.B.O."). Diese Nummer geht dank schwerer Gitarren eher als Crossover durch, aber wie im obligatorischen Hidden Track selbst bezeugt: "Hip Hop...nich so mein Ding". Die Mehrheit der Hörer stimmt da wohl ein und braucht keine zwei Rap-Nummern auf einem Album. Auch dem Live-Arsenal kommt das nicht zugute, da man mit "Ich sag J.B.O." schon Bewährtes und vor allem sehr ähnlich klingendes im Angebot vorweisen kann. Stichwort Sketches: Langsam ist's wohl auch mal gut mit den immer gleichen "Du, Vito? - Ja, Hannes?"-Jokes.
Der Rest der Scheibe ist im besten Sinne als typisch J.B.O. zu kennzeichnen. Es wechseln sich wie gewohnt Covers mit eigenen Stücken ab, wobei nur wenige Momente wirklich überraschen. Am ehesten käme da der "Panzer Dance" zur Sprache, ein weiterer Ballermann Gassenhauer, diesmal aber ungleich besser aufpoliert. Schön derb! "Verliebt", "Ich hätt gern mehr" und "Fünf Minuten" sind grundsolide und witzige Eigenkompositionen, welche über die Jahre hinweg ihre eigene Handschrift entwickelt haben und den Fans der Spätneunziger-Werke vollends zusagen dürften. Dann hat man noch einen wunderbaren Vollgas-Rock'n'Roller mit schwerer MOTÖRHEAD-Schlagseite dabei, nämlich den Opener "Wir lassen uns das Blödeln nicht verderben". J.B.O. thematisieren zwar häufig den Metal in all seinen Formen, am besten gefallen sie aber, wenn sie die Keule dann auch wirklich mal auspacken. Hier auch der anfangs angesprochene Verweis auf Kritiker, welche "die" eigene "Genialität" nicht erkennen. Da kann man zumindest teilweise d'accord gehen, denn die musikalische sowie produktionstechnische Raffinesse der Bande bleibt bei der ganzen Blödelei oft unerwähnt. Zumindest solange man keine Stücke wie eingangs erwähnt produziert.
 
Im letzten Drittel flacht der Spaß leider etwas ab. Die Covers überraschen mehr von der Auswahl her als durch die eigentliche Umsetzung (wann wurde eigentlich das letzte Mal ein Metal Song verquarkt?), das Rap Finale ist, trotzdem es lyrisch durchaus hörenswert ist, durch die eigene Diskreditierung musikalisch redundant. Viele Formulierungen, Phrasierungen und Abläufe fallen dem langjährigen Fan auch langsam als allzu wiederholt auf.
 

Fazit: Grundsolide Kost aus Erlangen mit einigen High-, wenn auch manchen Lowlights. Musikalisch wie immer gut, bezüglich Wortwitz und Struktur inzwischen leider ausgelatscht. Für Album Nummer Zwölf wünschen wir uns daher wieder mehr Krawall und sprichwörtlich einen auf die "Zwölf".



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (05.07.2016)

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