VULVODYNIA - Psychosadistic Design

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VÖ: 30.06.2016
Bandinfo: VULVODYNIA
Genre: Brutal Death Metal
Label: Lacerated Enemy Records
Lineup  |  Trackliste

Was ist das für ein Krach? Slam – Badabäm! Der Abfluss im Schweinestall ist verstopft, junge Männer rattern mit ihren aus altem Blechbesteck zusammengelöteten Rollschuhen drum herum und würgen sich dabei mit ihren Eingeweiden – scheint ’ne Goregrind-Party zu werden. Schnell die slawische Sippe zum Bandnamen befragt, wird mir mit unangenehmem Interesse bestätigt, dass ein „Vulvodynia“ wohl ein dem weiblichen Geschlechtsorgan gleichender Kürbis sein müsse. Da die sehr an physiologischen Vorgängen interessierten Herren aus Südafrika kommen, bedeutet es aber etwas ganz Harmloses: eine krampfartige Krankheit – sagen sie selbst –, aber wen soll das interessieren, solange die Lautsprecher noch funktionieren?

VULVODYNIA interpretieren Slam/Brutal-Death Metal auf eine sehr zugängliche Weise und schaffen mit ihrem Album „Psychosadistic Design“ die schier unfassbare Balance zwischen unverständlichem Gegrunze, brutalem Geballer und Hörbarkeit. Eigentlich wollte ich auch noch die Tanzbarkeit anmerken, möchte aber nicht schon wieder fixiert werden. VULVODYNIA machen nicht einfach (nur) Krach, sondern liebevolle Meisterwerke für Freunde des musikalischen Aggressions-Channeling, die sowohl dem sonntäglichen Klebstoffschnüffeln mit der Familie als auch der Fahrt zum Bio-Supermarkt noch die entscheidende Wohlfühlnote hinzufügen.

Dabei bedienen VULVODYNIA die ganze guttural-squealende Schlachtplatte – von ex- und inhalierenden Hirschen über verärgerte Ferkel und bellende Orchideen bis zum überfahrenen Opossum. Die Interludes nehmen stellenweise schon progressiven Charakter an und dazwischen gibt’s eingestreute Soundsamples kindgerechter Splattermovies. Unterstützung bekommen VULVODYNIA auf „Psychosadistic Design“ von diversen Freunden wie WAKING THE CADAVER, CEREBRAL BORE, KRAANIUM, WITHIN DESTRUCTION, ACRANIA, INGESTED und anderen.

Bei allen Songs auf „Psychosadistic Design“ findet man die gewohnten Zutaten wie absurde Texte, Blastbeats, ultratiefe Saiten und Breakdowns wieder. Was Freude bereitet und VULVODYNIA von anderen Stumpfknüppeln unterscheidet, ist zum einen die eher klare Produktion sowie der Facetten- und Einfallsreichtum dieser dreckigen Darbietung. Das Album kann man, vorausgesetzt man ist nicht ganz richtig im Kopf, mehrmals durchhören ohne sich zu übergeben, und wer nicht aufpasst, hat dabei auch noch genau soviel Spaß wie die Verursacher.

Besonders gefallen hat mir aufgrund des mitreißenden Grooves der Song „King Emesis“, aber auch „Castration Mutilation“ weiß durch beeindruckende Vokalakrobatik zu überzeugen, während der Rausschmeißer “Triple O.G. Slamdown“ bei mir als Weck-Ton für einen kraftvollen und temporeichen Start in den Morgen sorgt. Falls ihr nach diesen Schilderungen schon ganz freudig erregt seid, bleibt nur noch die videogestützte Selbsterfahrung:



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Daria Hoffmann (24.08.2016)

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