Sodom - Decision Day

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VÖ: 26.08.2016
Bandinfo: Sodom
Genre: Thrash Metal
Label: SPV / Steamhammer
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Auf Onkel Tom und seine WODOS, äh SODOM ist grundsätzlich immer Verlaß. Regelmäßig werden die Bühnen Europas auseinandergenommen und auch tonträgertechnisch ist die Ruhrpottlegende durchwegs auf der Höhe. Insofern hieß es für die Fanschar schon recht lange warten, immerhin erschien „Epitome Of Torture“ schon 2013. Vorweg sticht einem gleich das Artwork ins Auge. Dem Knarrenheinz wurde von dem für seine Arbeiten für MOTÖRHEAD bekannten Joe Petagno ein neues Antlitz verpaßt, dergestalt darf die Fratze noch apokalyptischer wirken als in der Vergangenheit und erinnert auch die Farbwahl betreffend an das Artwork von „Another Perfect Day“. Alles kein Zufall, gilt der Angelripper bekanntermaßen als einer der glühendsten Lemmy-Verehrer, sodaß ihn mit der Verpflichtung des Coverartists sicher mit großem Stolz erfüllt. Doch nicht nur optisch wurde „Decision Day“ opulent umgesetzt, inhaltlich läßt das Thrash Metal-Urgestein ebenfalls nichts anbrennen.

So berechenbar SODOM auch nach über drei Jahrzehnten im Musikbusiness sind - geradeaus, schnörkel- und kompromißlos durchschlagskräftig, so gestaltet der Angelripper sein Baby immer wieder in Nuancen neu. Dieses Mal wurde produktionstechnisch in wohltuender Weise nachjustiert. Der Zugewinn an erdigerer Atmosphäre und schnittigeren Gitarren ging jedoch nicht zu Lasten von Biß und Fülle im Sound. Zerstörerisch wie ein Kettenfahrzeug panieren „In Retribution“ oder „Vaginal Born Evil“ auch nach dem vollzogenen Produzentenwechsel. Die Vocals klingen fies und giftig, auch wenn Songs wie der Titeltrack, das treibende „Caligula“ oder das groovige „Strange Lost World“ gut wie eingängig ins Ohr gehen, während das straighte „Who Is God?“ wohl ein Live-Mitbrüller wird. Ansonsten zerstören SODOM mit Titeln wie dem marschierenden „Blood Lions“ mit großer Wucht und unausweichlicher Präzision oder mahlen die Knochen mit dem mächtigen „Rolling Thunder“ oder – dem zwischenzeitlich explodierenden - „Belligerence“ zermürbend wie unbarmherzig.

Zum 30jährigen Veröffentlichungsjubiläum des Kult-Debuts „Obsessed By Cruelty“ gibt sich Onkel Tom basisch und mit beiden Beinen fest am Boden stehend wie eh und je. Inhaltlich widmet man sich einmal mehr dem Krieg und den Ereignissen zum titelgebenden D-Day. Die Gelsenkirchner zeigen sich auch 2016 fast durchgängig hochklassig (der Rausschmeißer „Refused To Die“ hatte griffiger geraten können; „Sacred Warpath“ kannte man bereits von der 2014er-EP her) und lassen als eine der verläßlichen Konstanten in puncto (Teutonen-)Thrash mit „Decision Day“ einen rabiaten Bluthund von der Kette, der alle Leichtmetaller zähnefletschend über das Schlachtfeld jagt und in seiner Verquickung von liebgewonnenen Trademarks im modernen Gewand die Ansprüche aller Schwermetaller in Bezug auf Aggression, Durchschlagskraft, Abwechslungsreichtum und Dynamik erfüllt und zudem beweist, dass mit SODOM auch schier unvorstellbare 35 Jahre nach den ersten musikalischen Gehversuchen, nach wegweisenden Frühwerken, Charterfolgen und konstanter Präsenz, zu rechnen ist und SoTom noch Vieles zu sagen hat!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Thomas Patsch (22.08.2016)

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