Sarcofago - Rotting (ReRelease)

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VÖ: 02.09.2016
Bandinfo: Sarcofago
Genre: Death Metal
Label: Greyhaze Records
Lineup  |  Trackliste

„Derb ist die einzige Vokabel, die diese neue Platte der Brasilianer treffend umschreiben kann. Was das Trio hier auffährt, ist nichts für Zartbesaitete. Der Gesang (?) von Wagner Antichrist“ … „klingt, als wäre er direkt in der Kanalisation von Belo Horizonte aufgenommen worden – so dreckig, so pervers und brutal, daß man nicht eine einzige Textzeile nachvollziehen kann.“ So tönte der ominöse Kultschreiber „Death Metal Norberto“ (Norbert Böddecker) zum Erscheinen der 33-minütigen EP 1989 im Metal Hammer. Nach dem 1987er "INRI", das ein Meilenstein extremen Metals ist, hatten die Fanlegionen ganze zwei Jahre auf neues Studiomaterial zu warten. Doch die Gier nach neuem Material aus dem fiebrig-schwülen Dschungel, präziser aus dem Moloch Belo Horizonte, sollte mit dem passenderweise "The Lust" betitelten Intro gleich eingangs befriedigt werden. Deutlich plakative Titel wie der nach vorne treibende Mitbrüller "Alcoholic Coma" und der hysterische Klopfer "Sex, Drinks & Metal" legten Zeugnis ab von der unbändigen, jugendlich-provokativen, ja fast infantil-naiven Vorgangsweise der Brasilianer, auf die sich heute Legionen von Bands als Einfluß berufen. „Ultraschnelle Death Metal-Parts, die selbst das Tempo von NAPALM DEATH überbieten, wechseln regelmäßig mit knallharten Doom-Passagen, wie man sie seit dem Ableben von HELLHAMMER nicht mehr gehört hat.“, so konstatierte der Geisterschreiber anno dazumal.

Allerdings attestierte er den Brasilianern, dass die ihre Instrumente besser beherrschten als ihre Schweizer Kollegen und monierte eine undifferenzierte Produktion: „wenn es schnell zur Sache geht, quillt nur noch Chaos aus den Boxen“. Dennoch vermochte ihm „Rotting“ 6 von 7 möglichen Punkten zu entlocken. Was ist noch anzumerken? Das Trio packte mit “Tracy” ein anfangs getragenes Stück mit auf das Album, das jedoch mit zunehmender Spieldauer an Rasanz gewinnt und untermalte das neu eingespielte, schleppende und mit geisterhaftem Refrain versehene “Nightmare” (bereits auf I.N.R.I. vertreten) mit Synthie-Gewaber. Sehr gediegen auch das seinerzeit diskutierte, provokative Cover-Artwork dieses ursprünglich beim legendären Label Cogumelo Rec. erschienenen 5-Trackers (plus Intro „The Lust“). „Rotting“ ist ein garstig-feines Bindeglied zwischen dem räudigen Kultdebut und dem später folgenden, deutlich polierteren „The Laws Of Scourge“, ein sinistres, dunkles Biest aus dem tiefsten Thrash-Death-Keller, das mit abartig-angsteinflößenden Vocals und mächtigem Rumpel-Underground-Charme den legendären Ruf der Südamerikaner weiter festigte. Warum man sich die Veröffentlichung dieser kultigen EP aus dem Hause Greyhaze krallen sollte? Das Digipak wartet mit einem neuen Layout sowie einer Bonus-DVD mit Livemitschnitten der Band vom Belo Horizonte-Auftritt am 21. April 1991 auf.



Ohne Bewertung
Autor: Thomas Patsch (04.09.2016)

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