SKÁLMÖLD - Vögguvísur Yggdrasils

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VÖ: 30.09.2016
Bandinfo: SKÁLMÖLD
Genre: Folk Metal
Label: Napalm Records
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Vor der Europameisterschaft diesen Sommer wussten wohl wenige, dass Isländer gut Fußball spielen können. Dass sie allerdings hervorragenden Folk Metal machen können, ist schon länger klar – spätestens seit SKÁLMÖLD 2011 ihren Erstling „Baldur“ über Napalm Records herausbrachten. Die sechs Jungs machten nämlich schon damals mit ihrem eigenständigen Sound, ganzen drei Gitarristen und den auf Isländisch gesungenen volkstümlichen Lyrics auf sich aufmerksam.

Und SKÁLMÖLD haben sich seit damals stetig verbessert. Schrammten schon die dazwischen herausgekommenen „Börn Loka“ (2012) und „Með Vættum“ (2014) knapp an der Höchstpunktezahl vorbei, ist es mit „Vögguvísur Yggdrasils“ soweit und die Isländer holen sich volle fünf Punkte ab.

Der unaussprechliche Albumtitel bedeutet zwar „Yggdrasils Schlaflieder“, aber einschlafen wird beim Hören wohl niemand. Mythologisch passend sind auf dem Album neun Songs vertreten, einer für jede Welt der heidnischen Mythologie, die von der Weltesche Yggdrasil verkörpert werden – kann man alles wissen, muss man aber nicht.

Viel wichtiger ist wohl, was SKÁLMÖLD aus dem Stoff machen – und das hat es in sich. Auf „Vögguvísur Yggdrasils” sind eigentlich nur Kracher vertreten – sogar die vergleichsweise „schwächeren“ Songs wie das gemächlich stampfende „Niflheimur“ oder das vertrackt-rhythmische „Útgarður“ wären bei anderen Bands des Genres absolute Highlights. Auf diesem Album werden sie jedoch überschattet von Songs wie dem vorwärtstreibenden Opener „Múspell“, dem folkig-eingängigen „Niðavellir“ oder dem epischen „Álfheimur“, das sich erst langsam entfaltet, dafür aber umso mehr Langzeitwirkung hat.

Und nicht einmal die sind die Höhepunkte – dafür sind das herrliche, mit geilen Leads ausgestattete „Miðgarður“, das progressiv-thrashig-deathige „Helheimur“ oder mit „Vanaheimur“ der grandiose Abschluss des Albums zuständig.

SKÁLMÖLD schaffen es während des ganzen Albums nie langweilig oder vorhersehbar zu sein, ohne jedoch an Eingängigkeit zu verlieren. Die Songs wechseln zwischen Folk, Death-, Thrash-Metal und, erstmals bei diesem Album, einer gehörigen Prise Black Metal hin und her. Das wird alles mit einem Schuss progressivem Anspruch zu einer Mischung, die im Volksmetall im Speziellen und im Metal im Allgemeinen zur absoluten Weltklasse zählt. Und die abwechslungsreichen Vocals setzen dem Ganzen noch die Sahnehaube auf – trotz der fast unüberwindlichen Sprachbarriere ist der Mitsing-Anreiz hoch (vor allem seit der Erfindung von Youtube-Lyric-Videos – man probiere nur das Video unten aus).

Damit sind dieses Jahr sowohl Islands Fußballer als auch SKÁLMÖLD mit „Vögguvísur Yggdrasils“ dort angekommen, wo sie hingehören (zumindest SKÁLMÖLD, bei den Fußballern bin ich mir noch nicht so sicher): in der Weltspitze, sowohl von den Ergebnissen her als auch bei der Sympathiewertung.



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Luka (28.09.2016)

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