DOOMED - Anna

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VÖ: 26.09.2016
Bandinfo: DOOMED
Genre: Doom Metal
Label: Solitude Productions
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Lineup  |  Trackliste

Begräbnis-Doom ist generell nicht so unbedingt meine Sache. Die Ausnahme ist der beinahe jährliche Besuch von Pierre Laube und seiner Ein-Mann-Doom-Maschine DOOMED.

Erneut punktet man schon vor dem eigentlichen auralen Erlebnis mit der grün-schwarzen Aufmachung des Albums. Es ist für Herrn Laube scheinbar ein leichtes, aus einer Veröffentlichung ein beinahe alle Sinne ansprechendes Produkt zu machen. Es gibt  meiner Meinung nach unzählige Bands, die das im Verband nicht schaffen, was Pierre alleine schafft. Ein starkes Album mit einem Konzept und einer ansprechenden Verpackung. Und das nicht das erste Mal. Chapeau!

Musikalisch doom/deathed man nach wie vor in depressivesten Gefilden herum, auch wenn das Album mit einer Black/Death Granate namens "Your Highness The Chaos" beginnt, die in ihrer schrägen Instrumentierung beinahe an französischen Black Metal erinnert. Das darauf folgende Titellied "Anna" beginnt wunderbar leise und fragil bis es sich zum würdevollen Doom hin entwickelt. Und das ist auch schon das Geheimnis bei DOOMED. Sie, er, wie auch immer, schaffen es, das gesamte Album durchgehend auf allerhöchstem Niveau wirken zu lassen. Ein Song fließt in den nächsten und verfestigt das Werk zum Monolith. Ein Monolith, der zum Beispiel mit "As The Thoughts Began To Tarnish" plötzlich zu einem Doppel-Bass-Hammer wird, bei "The Weeping Trees" ein schwebendes Gefühl entfacht und bei "Withering Leaves" einfach nur noch fies ist. Songs beginnen mit klimpernden Gitarren, Pianoanschlägen und werden in der nächsten Sekunde zu tonnenschweren Todbringern. 

Funeral Doom greift als Überbegriff für DOOMEDs "Anna" viel zu kurz. Hier wird ganz dick aufgetragen. Der Sound ist transparaent und wuchtig zugleich, Feinheiten werden nie überhört, Gitarrenwände erschlagen einen mit der nötigen Gewalt. Pierre Laube verwendet atonale Melodien, variiert Geschwindigkeiten und fügt Kleinigkeiten (die verzerrte, im Hintergrund nur zu erahnende Stimme bei "The Weeping Trees") hinzu, die aus dem Album etwas machen, was im gegenständlichen Musikschublädchen kaum vorkommt: Man freut sich tatsächlich auf ein erneutes Hören des Albums. Es gibt viel zu entdecken (die Instrumentierung des Endes von "The Frozen Wish" zum Beispiel) und trotz des unpackbar traurigen Grundtenors ist das Album in seiner Verzweiflung, seiner Angst und seiner Schwermut genuin schön. 

Ein wunderbar schönes Stück Depression. 

Pierre Laube macht wie immer beinahe alles selbst, hat aber ein paar Gastsänger angeheuert, darunter kurioserweise einen der großen Death Metal-Schlagzeuger, Herrn Ed Warby, der "The Frozen Wish" doch tatsächlich veredelt. Pierre Laube kann scheinbar nicht nur großartige Alben erschaffen, nein, er entdeckt auch noch Talente bei Musikern, welche diese wahrscheinlich selbst nicht bei sich vermutet hätten.

Sei es wie es wolle, das Album ist ein erneuter Meilenstein im Schaffen von DOOMED. Warum diese Band noch nicht größer oder geläufiger ist, das bleibt mir weiterhin ein Rätsel. Klar, das Rund ist nicht einfach zu hören, man sollte sich dafür Zeit nehmen. Aber man wird dafür belohnt. Das nächste Mal gibt es dann fünf Punkte, hab ich so im Gefühl...

 



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (31.10.2016)

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