HAMMERFALL - Built To Last

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VÖ: 04.11.2016
Bandinfo: HAMMERFALL
Genre: True Metal
Label: Napalm Records
Lineup  |  Trackliste

Allen HAMMERFALL-Fans ist es noch in Erinnerung, das Jahr 2011, das Album „Infected", mit dem sich die Schweden von ihrem True Metal-Klischee lösen wollten und sich bereit machten für den Aufbruch zu neuen Ufern. Wir wissen, wie die Geschichte der versuchten Veränderung ausging – reumütig kehrte man mit „(r)Evolution" 2014 zu alten Tugenden, aber nicht ganz zu alter Stärke zurück. Unter dem Titel „Built To Last“ versuchen HAMMERFALL nun einen weiteren Anlauf zu ihren Wurzeln und den Großtaten vergangener Tage zurückzukehren.

Eines kann man nach einem ersten Hördurchlauf des zehnten Albums der Schweden sagen: so ganz gelungen ist es ihnen nicht. ABER – trotzdem ist „Built To Last“ ein äußerst starkes Album geworden, das für sich alleine so manche Konkurrenz in den Boden stampft. Die Krux ist lediglich, dass sich HAMMERFALL wohl auf ewig an ihrer eigenen goldenen Ära von „Glory To The Brave“ bis „Crimson Thunder“ messen (lassen) müssen. Bezugnehmend darauf machen die Schweden aus dem Vorhandenen das Beste und liefern ein Album ab, bei dem eigentlich alles, von der Produktion, über das Songwriting, bis hin zu den catchy Refrains, stimmt. Trotzdem agieren Joacim Cans und seine Mannen gefühlt irgendwie mit angezogener Handbremse und gehen, vor allem im hinteren Bereich des Albums, etwas zu sehr auf Nummer sicher.

Dabei startet das Album mit „Bring It!“ vielversprechend, der energiegeladene Uptempo-Song mit simplem, catchy Chorus erweist sich als guter Einstieg, der Appetit auf den Rest der Scheibe macht. Das folgende „Hammer High“ schwingt die Keule der klassischen HAMMERFALL-Tradition und erweist sich in Folge als einer der stärksten Songs des Albums. Auch „The Sacred Vow“, mit zunächst etwas ungewohntem Akustik-Auftakt, wächst sich zu einem coolen Mitsing-Song aus, nach dem „Dethrone And Defy“ als unheimlich starker Uptempo-Brecher daherkommt.

Die folgende Quotenballade „Twilight Princess“ stellt einen gewissen Absacker dar, denn diese präsentiert sich zunächst so streichelzart, dass es fast schon lähmend wird, ehe sie im Finale doch noch ein wenig Fahrt aufnimmt. „Stormbreaker“ und der Midtempo-Stampfer und Titeltrack „Built To Last“ versuchen wie „Hammer High“ an die Vergangenheit anzuknüpfen, schaffen es aber nicht wirklich. Es stellt sich eher im Gegenteil ein gewisses „schon mal gehört“-Gefühl ein, das verhindert, dass die Songs zünden. Mit „The Star Of Home“ schaffen es HAMMERFALL noch einmal kurz das Steuer herumzureißen, hebt der Titel mit ordentlichem Arschtritt doch ordentlich die Laune! Das war es dann aber auch schon, denn das irgendwie seltsam geratene, im Refrain arg hakelige „New Breed“ will so gar nicht funktionieren und auch im Abschlusstrack, in dem noch einmal die volle Palette an Dramaturgie und Epik ausgepackt wird, verwurschteln sich die Schweden ein wenig in sich selbst, sodass der Titel auch eher auf Nummer sicher wirkt.

„Built To Last“ ist ein etwas zweischneidiges Schwert – einerseits machen HAMMERFALL alles richtig, andererseits wirkt es auf schwer zu beschreibende Weise so, als wäre die Luft irgendwie draußen, als würde das Feuer der Schweden mehr auf Sparflamme dahinköcheln. Klar verstehen es HAMMERFALL noch immer ordentlich einzuheizen und sind durch ihre Routine, gepaart mit den Möglichkeiten zu nahezu perfekter Produktion, noch immer ein gutes Stück vor der Konkurrenz anzusiedeln. Insgesamt setzt man aber, ähnlich wie auf dem Vorgänger „(r)Evolution“ etwas zu sehr auf Nummer sicher, sodass sich die Schweden, wie im Schlusstitel, irgendwie selbst im Weg stehen. Trotz alledem bietet „Built To Last“ amtliches Hörvergnügen für jeden HAMMERFALL-Fan und sehnlich erwartetes neues Futter weit abseits missglückter Experimente. Mission erfüllt!



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (31.10.2016)

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