METALLICA - Hardwired...To Self-Destruct

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VÖ: 18.11.2016
Bandinfo: METALLICA
Genre: Metal
Label: Universal Music Austria
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Was wurde über die wohl größte Metal-Band des Planeten zuletzt diskutiert, geurteilt, gemotzt, gefachsimpelt etc. – und dennoch scheint wohl das Gros der Metalfans auf das neue Studioalbum gespannt zu sein, auch wenn „Hardwired To Self-Destruct“ schon Tage vor der offiziellen Veröffentlichung seinen Weg ins WWW gefunden hatte und auch bereits vor VÖ Videoclips zu allen Songs rausgehauen wurden. Eins vorweg: wer mit den „neuzeitlichen“ METALLICA nichts anfangen kann, wer ausschließlich in den Untiefen der Achtziger watet, der wird auch auf der Neuen nicht fündig bzw. sich gar nicht erst mit dem Album beschäftigen. Fakt ist jedenfalls, dass sich METALLICA geschlagene acht! Jahre Zeit für den „Death Magnetic“-Nachfolger (das unsägliche „Lulu“-Ding sowie das akzeptable „Lords Of Summer“ außer Acht lassend) gelassen haben, was gegenüber den Fanlegionen nicht sehr respektvoll rüberkommt. Auch dass die Neue nun zum Doppeldecker gewachsen ist, rechtfertigt diese (für Fans gefühlte) Ewigkeit nicht wirklich. Einige, wenn auch gelungene Konzertreisen (Livereport) auch nur bedingt. Hier wurde den Fans kein Dienst erwiesen, das muss eingangs festgehalten werden!

Die flotte erste Auskoppelung "Hardwired“ (der weitaus kürzeste Song) schürte ob seiner zackigen Konsequenz und dem bissigen Stakkatoriffing bereits im August die Erwartungen auf den neuen Dreher und auch die allseits bekannten Vorboten "Moth Into Flame“ und „Atlas Rise“ betörten mit viel Dynamik und Drive, dabei mutierte vor allem zweiteres zum echten Mitbrüller. Die Zeichen standen auf Sturm, hier wurden ohne Zweifel Fixstarter für zukünftige Livesets kreiert. Doch hat die Band mit diesen Tracks den Großteil ihres Pulvers bereits rausgeballert. Der 77-Minüter mit den auf zwei Dreher verteilten zwölf Songs kann dieses wahrlich hohe Level nämlich nicht halten. „Now That We´re Dead“ marschiert amtlich und verfügt über großes Breitwand-Format, während „Dream No More“ ein recht modern tönender, behäbig-sägender Midtempo-Brecher ist, beide Titel scheinen unnötig auf bis zu sieben Minuten ausgedehnt. METALLICA kultivieren ihre Trademarks (Hetfield´s unverkennbares, teils beschwörendes Organ, fettes Riffing, stampfende Grooves, wuchtiges Midtempo etc.), erinnern in Passagen an ihre eigene glorreiche Vergangenheit und besetzen damit auch weiterhin ihre eigene Kaste im Metaluniversum. Doch spätestens beim gefühlt zu lange ausgewalzten, aber sehr gelungenen und melodiösen „Halo On Fire“ (samt ruhigen Songteilen) beschleicht einen eine gewisse Ungeduld, die auch auf CD 2 ein Begleiter bleiben wird.

Das auf einem rollenden Riff basierende, melodiöse „Confusion“ eröffnet Teil 2 des Doppeldeckers. Sehr gelungene Eröffnung und auch „Here Comes Revenge“ besticht mit seinem Drive, ansonsten regiert getragenes, oft drückendes Midtempo, „Hitqualitäten“ finden sich im Rest „Durchschnittlichkeit“ (zur Erinnerung: gemeint ist natürlich hoch einzustufendes METALLICA-Mittelmaß, von dem Heerscharen an Metalcombos nur träumen können) allerdings nicht wirklich. „Am I Savage?“ (mit MEGADETH-Anleihen) oder das sich wiederholende „Murder One“ (eine MOTÖRHEAD-Huldigung) lassen Spielwitz und Dynamik vermissen und klingen teils eintönig bis nervig. Auch „ManUNkind“ (samt Credits für Basser Rob) tönt sehr bemüht und kommt schwerlich auf den Punkt. Dieser Umstand wird durch die Titellängen nicht begünstigt. Das flitzig-schnelle „Spit Out The Bone“ kommt schließlich zu spät, um das Ruder noch großartig herumreißen zu können. Der alte Spruch „weniger ist oft mehr“, gilt leider auch im Falle von „Hardwired…To Self-Destruct“. Die besten Titel, aggregiert zu einem einzigen Album, und man dürfte von einem echten Neo-Kracher sprechen.

Gemessen kann die größte Metalband des Planeten nur an sich selbst werden – und auch das nur im engeren sowie auch vergleichbaren und seriösen Rahmen, schließlich sind die fiebrige Aufbruchsstimmung der Frühachtziger („Kill ´Em All“), die Riffgewitter („Ride The Lightning“), die kolossalen Meilensteine („Master Of Puppets“), die technischen Eskapaden („…And Justice For All“) und die Charterfolge (die Schwarze) längst und unwiederholbar vorübergezogen. Dass seinerzeit unsterbliche und unumstößliche, aber auch quasi untoppbare Metalklassiker kreiert wurden, ist Allgemeinwissen, das sich auch im Mainstream manifestiert hat. Wer sich unverbesserlich in den alten Zeiten verbissen hat, dem ist METALLICA ohnehin seit ziemlich genau drei Dekaden egal und bleibt es auch mit „Hardwired…“. Allerdings konnten auch die später folgenden Tiefpunkte („Lulu“, „St. Anger“ und Teile von „Load“ und „Reload“) und kreativen Durststrecken trotz Experimenten („S&M“, "Garage Inc.") aber längstens mit „Death Magnetic“ überwunden werden. Und nur in diesem aktuellen Status sollte man METALLICA beurteilen, alle Vergleiche mit ihrer Vergangenheit (auch wenn man naturgemäß kaum drumherumkommt) werden der Aktuellen kaum gerecht und auch von ihren ehemaligen Thrash-Mitstreitern hat sich das Quartett schon längst wegbewegt. Die Höhepunkte samt flirrenden Riffeskapaden und Stadionmitbrüllern sind unwiederbringlich, das Tal der Tränen durchschritten und Hetfield und Co. legen einen über große Strecken mehr als guten und amtlich fett produzierten „Death Magnetic“-Nachfolger vor.

Unterm Strich hat es sich zwar gelohnt zu warten, da knapp mehr als die Hälfte der Tracks über absolut hohes Niveau verfügt. Wenngleich der ganz große Wurf ausbleibt, ist Studioalbum Nr. 10 (ohne „Garage Days“ und „Lulu“) ein zufriedenstellendes Hörerlebnis in bester neuzeitlicher METALLICA-Tradition und besser als der Vorgänger. Daran besteht kein Zweifel, und vor allem nach den schwachen Phasen und dem deutlich besseren „Death Magnetic“ durfte eigentlich niemand mehr wirklich hochqualitativen Stoff im Stile der Singleauskoppelungen erwarten. Dennoch ist „Hardwired…To Self-Destruct“ nicht der durch die famosen Albumvorboten erhoffbare Smasher geworden. Man stelle sich jedoch ein Album mit Teil 1 samt gestrafften „Now That We´re Dead“ und „Halo On Fire“ (von mir aus „Dream No More“) plus „Confusion“, „Here Comes Revenge“ und „Spit Out The Bone“ vor…das wäre es wirklich gewesen!

Summa summarum ist „Hardwired…To Self-Destruct“ ein sehr gelungener „Death Magnetic“-Nachfolger (auf den die Metalwelt ganze acht Jahre zu warten hatte), der als Doppeldecker aber seine Längen aufweist. Als Einfach-CD mit den besten (und teils gestrafften) Tracks hätte die größte Metalband des Planeten getreu dem Motto "weniger ist oft mehr" allerdings einen echten Neo-Kracher zu verbuchen gehabt!

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Thomas Patsch (18.11.2016)

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