AS LIONS - Aftermath

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VÖ: 14.10.2016
Bandinfo: AS LIONS
Genre: Metal
Label: Eleven Seven Music
Lineup  |  Trackliste

Ja, Austin Dickinson ist der "Sohn des IRON MAIDEN Sängers Bruce Dickinson" und dieses Label wird ihm sein Leben lang anhaften. Und nein, das heißt noch lange nicht, dass er wie sein Vater sein muss.

Gerade wenn man sich Musiker und ihren Nachwuchs ansieht, kann man sich oft nicht des Eindrucks erwehren, dass Talent nicht unbedingt vererbbar ist. Es ist eher die Ausnahme als die Regel, dass die Kinder aus dem Schatten der Eltern treten und sich selbst einen Namen machen (Arlo Guthrie, Elvis Costello, Jeff Buckley, Robert Levon Been, Albert Hammond jr., Norah Jones). Die meisten scheinen im Meer der Mittelmäßigkeit herumzudümpeln und ihre Karrieren nie wirklich abzuheben (James McCartney, Adam Cohen, Daniel Davies, Andy Taylor jr., Lauren Harris). Besonders schwer ist es natürlich in die Fußstapfen von großen Namen wie Zappa, Lennon oder Dylan zu treten und um Bruce Dickinsons (der nicht nur als einer der besten Metal-Sänger aller Zeiten bewundert wird) zu füllen müsste man schon beinahe übermenschlich sein.

Es ist nicht fair, Austin Dickinson an seinem Vater zu messen, man sollte stattdessen versuchen, die Band mit anderen ihrer Art zu vergleichen.

AS LIONS ist nicht die erste Band Dickinsons, sondern der Nachfolger von RISE TO REMAIN, wo er schon gemeinsam mit Will Homer und Conor O'Keefe wirkte. Dickinson ist zumindest zuversichtlich was die Band und die EP betrifft: "AS LIONS isn't really even a case of 'make-or-break' – I think we've proved it to ourselves. Whether it's successful is kind of out our hands, 'cause we've done our bit. We absolutely love these songs!"

Die EP "Aftermath" (in Europa auf CD erhältlich, in den USA nur als Download) gibt einen kleinen Eindruck, der leider alles andere als berauschend ist, auch wenn man IRON MAIDEN und Bruce Dickinson nicht als Maßstab heranzieht.

Der Titelsong "Aftermath" ist die stärkste Nummer dieser EP, aber auch die nervt bereits mit überflüssigen Echoeffekten (bei Dickinsons Stimme nicht nötig, da die eigentlich ganz gut ist) und anderen elektronischen Spielereien. MY CHEMICAL ROMANCE hätten vor rund zehn Jahren daraus wahrscheinlich einen ganz passablen Song gemacht (zumindest mit besserem Arrangement), aber so und heute klingt er ziemlich abgelutscht.

Weiter geht's mit noch mehr Geklimper bei "White Flags". Die Gitarren und der Bass sind nichtssagend, das Ganze klingt nicht sauber, sondern stellenweise ziemlich 'vollgemüllt', was bei "Deathless" nochmals einen Tick schlimmer wird. Die Lyrics sind eigentlich ganz gut, der Refrain ist auf der einen Seite zwar relativ eingängig, aber so wirklich greifen will er dann doch nicht. Auch bei wiederholtem Anhören wird es nicht besser, der Song ist unter'm Strich einfach nur laut und schnell wieder vergessen.

Abschließend gibt es noch die Ballade "World on Fire", die so fürchterlich langweilig ist, weil sie wie unzählige andere aus diesem Jahrhundert klingt.

Ein großes Problem dieser EP ist die Produktion, die nicht nur alle Unregelmäßigkeiten aus der Musik herausbügelt, sondern alles flach klingen lässt. Noch immer haben Produzenten nicht begriffen, dass Brickwalling Songs nicht mehr Wumms verleiht, sondern - im Gegenteil - ihnen durch Clipping einiges an Dynamik raubt und die Songs mit allen möglichen Spielereien vollzumüllen ist auch kontraproduktiv. Es klingt alles nicht so kräftig wie es könnte, sondern stellenweise nur lärmig und beliebig. Der Löwe brüllt nicht, er brummt nur wie ein Plüsch-Teddy.

Es wäre schön, wenn das im Januar erscheinende Album ohne Löwenbändiger aufgenommen worden wäre, aber auch da haben wieder David Bendeth und Kevin Churko die Finger im Spiel, die unter anderem schon ASKING ALEXANDRA, BRING ME THE HORIZON, BREAKING BENJAMIN bzw. DISTURBED, FIVE FINGER DEATH PUNCH und PAPA ROACH produzierten. Wer Gefallen an diesen Bands (und insbesondere an den von Bendeth oder Churko produzierten bzw. gemixten Alben) findet, wird vielleicht auch AS LIONS gegenüber wohlwollender gesinnt sein.

Die Überproduktion der Songs lässt niemanden Raum sein Talent zu zeigen. Den Songs selbst fehlen zudem Hooklines und gute Riffs. Die EP "Aftermath" hat keinen Biss, klingt dennoch auch nicht schlechter als das was die anderen mittelmäßigen, derzeit populären Metal Bands (insbesondere Metalcore) mit einigem Erfolg veröffentlichen. Aber mehr als durchschnittlich ist die EP beim besten Willen leider nicht.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Brigitte Simon (13.12.2016)

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