ENDLESS - The Truth, The Chaos, The Insanity

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VÖ: 25.03.2016
Bandinfo: ENDLESS
Genre: Power Metal
Label: Power Prog
Lineup  |  Trackliste

"Einhundert Leute haben wir gefragt, nennen Sie eine Brasilianische Power Meta.." - ZUUUUUNK!!!!! - "ANGRA!!!" - "Der Kandidat sagt ANGRA und das sagten auch......84 Andere! Top Antwort!!"

Tja, was obige fiktive Szene aus einer beliebten 90ger Jahre Gameshow deutlich macht, ist bildliche Anschauung des Problems, welchem ENDLESS mit ihrem Album "The Truth, The Chaos, The Insanity" gegenüberstehen. Auch wenn Brasilien ein recht ergiebiges Land mit zahlreichen hochwertigen Qualitätsoutputs ist, so sind nunmal ANGRA DER Export in Sachen Power Metal. ENDLESS probiert nun gar nicht erst, eine eigene Nische zu finden und wildert exakt in den Gefilden, welche einst Kiko Loureiro und seine Mannen eroberten. Das ist Segen und Fluch zugleich. Einerseits dürfen sich ANGRA Fans mit vorliegendem Werk gerne die stets lange Wartezeit auf das nächste Werk ihrer Heroen verkürzen, andererseits sind ENDLESS einfach nicht so gut wie ANGRA.

Nach kurzem Intro wird die Stilistik mit dem Doppelschlag aus "The Code Of Light" und "Will Of Destiny" bereits klargemacht: ANGRA über allem, natürlich mit massig "Rebirth"-Zitaten, aber auch die weniger bekannten "Aurora Consurgens" und "Aqua" stehen Pate. Dabei wird schnell klar, dass man einen Saitenhexer wie Kiko Loureiro nicht einfach ersetzen, aber dessen Stil ganz gut imitieren kann. Wenn Cristiano Moura und Luciano De Souza wollen, dann zaubern sie doch einige beeindruckende Riffs und Leads aus den Ärmeln, wobei die Doppelleads nicht selten an HELLOWEEN erinnern. Auch einige progressive Elemente mischen sich ins Songwriting, jedoch weit nicht so arg ausgeprägt wie bei den Ideengebern. Macht auch nichts, da die einzelnen Songs so wesentlich kompatkter und weniger zerfahren daher kommen, als zum Beispiel auf "Aurora Consurgens". Ziemlich gelungen ist zum Beispiel die "Heroes Of Sands"-Hommage namens "Lady Of The Lake", welches zwar ausgiebig beim Vorbild zitiert, aber dennoch viele überraschende Haken schlägt und mit seiner Intensität zu fesseln weiß. Leider hat man mit "A World Without Fantasy" unnötigerweise einen furchtbar ähnlichen Song gleich nochmal aufs Album gepackt, welcher außer einer viel kitschigeren Grundstimmung keinerlei Eigenes besitzt.

Leider offenbart sich durch solche Schönheitsfehler, dass ANGRA weitaus bessere Songwriter sind. Was braucht eine Melodic Power Metal Band vor allem Anderen? Hooks und Melodien, und genau hier schwächeln ENDLESS massiv. Es scheint, als wollen die sechs Jungs auf keinen Fall in die Kitsch-Spalte gedrückt werden, und so fallen gerade die Refrains der Stücke zahnlos und unmarkant aus dem Rahmen, unterwandern die zuvor aufgebaute Spannung, und werden zu Anfang daher gerne auch mal überhört. Mutig einerseits, und im Einzelfall mit dezenter Zurückhaltung auch geglückt, so wie bei schon erwähntem "Will Of Destiny" oder dem späteren "Save Me From Myself". Viele andere Stücke, wie "The Code Of Light", "Veins Of Blood" oder "Puppets On A Stage" fallen hierdurch in die Belanglosigkeit. Was schade ist, da trotz allem hohes Potential hörbar ist.

Ein paar Abweichungen gibts von dem Hauptschema, aber auch die sind wenig originell, bzw. wollen nicht funktionieren. Das Titelstück erinnert von Melodik und Rhythmik an EDGUYs "The Headless Game", "Celestial Dreams" klingt, wie der Name vermuten lässt, nach STRATOVARIUS. Nur nicht nach dem fast gleichnamigen Stück, sondern nach X-beliebigem Tolkki'schen Einheitsbrei der unspektakulärsten Sorte. Bei "Under The Sun" nehmen Elektronik und Keyboard derart Überhand, dass man kaum noch Gitarren hört.

Dennoch muss man, kann man den sechs Brasilianern irgendwie nicht böse sein, dafür sind die einzelnen Ansätze einfach zu gut. Es darf zwar angezweifelt werden, dass sich ENDLESS in Zukunft aus dem Fahrwasser ihrer Vorbilder freispielen können werden, aber wenn die gute handwerkliche Technik, die besseren Arrangements und die in Phasen sehr guten atmosphärischen Momente geschickter kombiniert werden, dann könnte es doch noch was werden. Und bitte, wenn ihr schon Melodic Metal macht, dann steht dazu, haut mal ne Hymne raus, und versteckt euch nicht hinter euch selbst!



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (05.01.2017)

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